Zwei Bürgermeister schmeißen hin

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Dritter Bürgermeister Thedy Metzler und Zweiter Bürgermeister Josef Thaurer (von links).

Aschau - Der zweite und dritte Bürgermeister in Aschau haben ihre Rücktrittsgesuche eingereicht und damit für einen Eklat gesorgt. Die Reaktionen danach und die Gründe:

"Der Umgang miteinander ist indiskutabel, die Wertschätzung fehlt. Ich fühlte mich in die Abläufe im Rathaus nicht eingebunden. Das geht auf die Dauer an die Substanz. Meine Gesundheit ist schwer angeschlagen. Ich musste die Reißleine ziehen." So erläuterte Zweiter Bürgermeister Josef Thaurer (CSU) betroffen seine Beweggründe, in der letzten Gemeinderatssitzung in Aschau seinen Rücktritt zu erklären. Auch Dritter Bürgermeister Thedy Metzler (FWG) betonte, von seinem Posten zurückzutreten. Mit den beiden verließen schließlich aus Solidarität elf weitere Gemeinderäte die Sitzung.

Zurück blieben neben den rund 70 Zuhörern ein völlig verdutzter Erster Bürgermeister Werner Weyerer (FWG) sowie sieben geschockte Gemeinderäte, die den Saal nicht verlassen hatten. Da die nötigen Stimmen für die Beschlussfähigkeit nicht mehr vorhanden waren, wurde die Sitzung abgebrochen.

Nach Informationen der OVB-Heimatzeitungen soll in zwei Wochen eine neue Sitzung anberaumt werden. Dann könne auch über die angekündigten Rücktritte von Thaurer (48) und Metzler (52) ein Beschluss gefasst werden.

Erster Bürgermeister Werner Weyerer.

Auch einen Tag später herrscht in Aschau gedrückte Stimmung: An allen Beteiligten scheint der Rieseneklat nicht spurlos vorübergegangen zu sein. Doch die Lager bleiben gespalten: Auf der einen Seite steht der Bürgermeister (60), im Ort gut vernetzt und eigentlich allseits beliebt. Auf der anderen Seite sind seine beiden Stellvertreter, die "nicht mehr können und nicht mehr wollen", wie sie sagen. Zu tief sei das gegenseitige Vertrauen zerstört. Thaurer: "Immer wieder wurde von vielen Seiten in der Vergangenheit versucht, mit dem Bürgermeister ins Gespräch zu kommen. Sogar ein Mediator wurde vom Bayerischen Gemeindetag geholt. Ergebnis: null. Weyerer ist einfach nicht kooperativ und bindet uns nicht in die Amtsgeschäfte ein." Wann immer er ins Rathaus gegangen sei, sei er mit Belanglosigkeiten abgespeist worden. Wirkliche Infos habe er nicht bekommen. "Jetzt bin ich nervlich so angeschlagen, dass ich einen Schlussstrich ziehen muss", sagt der Biobauer. Er will seinen Entschluss auch nicht noch einmal überdenken. "Momentan kann ich einfach nicht ins Rathaus gehen, das bereitet mir körperliches Unbehagen."

Doch nicht nur er übt heftige Kritik am Bürgermeister. Hildegard Linke-Pöpperl (FWG) sagt: "Elf Gemeinderäte quer durch die Fraktionen haben vorab besprochen, dass auch wir ein Zeichen setzen wollen. Denn so kann es nicht weitergehen." Auch sie - obwohl von der gleichen Fraktion wie Weyerer - fühle sich in keiner Weise in die Gemeindearbeit mit einbezogen. "Wir wollen nicht mehr einfach abnicken." Erster Bürgermeister und die Verwaltung bereiteten alles vor, doch bei Nachfragen werde stets gemauert und die Hintergründe blieben im Dunkeln.

Jetzt müsse ein Neuanfang her. Deshalb sei sie dabei gewesen, als die Sitzung durch den Auszug von 13 Räten gesprengt wurde.

Noch in der Nacht wurde ein Schreiben der Kritiker an Werner Weyerer im Rathaus eingeworfen. Tenor: In einer nichtöffentlichen Sitzung ohne Verwaltung soll zusammen mit einem Mediator die verfahrene Situation besprochen und ein gangbarer Weg für die Zukunft gefunden werden.

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Den Eingang des Schreibens bestätigte Bürgermeister Weyerer gestern. Er sei bereit für ein solches Gespräch, doch das müsse sachlich geführt werden. Ansonsten seien die Vorwürfe gegen ihn "diffus" und "völliger Unfug". Kaum eine Verwaltung im ganzen Landkreis gebe ein solch dickes Paket an Mitteilungen vor jeder Sitzung heraus. "Wer Informationsbedarf hat, kann doch jederzeit zu mir oder zu den Amtsleitern gehen", betont er. Natürlich schwele seit Längerem der Konflikt im Hintergrund. Doch von der Heftigkeit sei er völlig überrascht worden. Manchmal seien Zusammenhänge im Baurecht oder in der Verwaltung für einen Laien schwer zu durchschauen. "Doch Recht muss Recht bleiben, auch wenn einigen Ratsmitgliedern hinterher das Ergebnis nicht schmeckt", sagt Weyerer, der in seinem "ersten Leben" technischer Oberamtsrat beim Staalichen Bauamt in Rosenheim war. Für völlig ungerechtfertigt hält er den Vorwurf der "mangelnden Kooperationsbereitschaft". Er möchte seine Gemeinde voranbringen und finde "diese geheimen Treffs von einigen Gemeinderäten nicht so toll". Wer etwas zu sagen habe, solle es offen tun.

Mit ihm empfanden auch Benno Pertl (Priental Liste) und Georg Westenthanner (CSU) die Sprengung der Sitzung als "schlechten Stil". Geheime Gespräche und Absprachen mit nur einem Teil der Räte seien "nicht die feine englische Art", erklärt der CSU-Fraktionschef. Das müsse aufhören.

Quer durch die Fraktionen verließen elf Gemeinderäte - Andreas Fischer und Josef Hobelsberger (beide CSU), Hildegard Linke-Pöpperl, Nils Moormann, Max Pfaffinger, Claus Reiter, Hans Schausbreitner und Monika Schmid (alle FWG), Monika Hamel, Albert Moosmüller und Hans Florian Sommer, (alle Aschauer Bürgerliste) zusammen mit den beiden Bürgermeistern Thaurer und Metzler den Sitzungssaal. Zurück blieben Bürgermeister Weyerer und die sieben Gemeinderäte Manfred Danner und Benno Pertl (beide PTL), Christoph Fromm (FWG), Jakob Hündl, Franz Scheck, Georg Westenthanner und Wolfgang Wörand (alle CSU).

Sigrid Knother/Heinrich Rehberg/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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