"Enttäuschungen gibt's in jedem Beruf"

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Claus Pichler ist seit 1. Mai 2008 Erster Bürgermeister von Ruhpolding.

Ruhpolding - 20 Jahre lang war Claus Pichler Gymnasiallehrer, seit drei Jahren ist er Bürgermeister von Ruhpolding. Zur Halbzeit der Legislaturperiode hat er nun eine Zwischenbilanz gezogen.

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Bild, das Sie vor Amtsantritt vom Bürgermeisteramt hatten, und der Wirklichkeit?

Die Vielfalt an Aufgaben ist noch größer als ich gedacht habe - das macht aber auch den Reiz des Amtes aus.

Fällt es Ihnen leicht oder manchmal auch schwer, mit Erwartungen und Belastungen des Amtes umzugehen?

Wenn es nicht auch schwer fiele, würde etwas nicht stimmen. Ich habe mich in den letzten drei Jahren sicher oft überlastet und lerne noch laufend dazu.

Wie groß ist die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, also dem, was Sie als Bürgermeister gern verwirklichen würden und dem, was Sie verwirklichen können?

Wie im Lehrberuf sieht man oft nicht oder zumindest nicht sofort, was man bewirkt. Enttäuschungen gehören zu jedem Beruf und oft sind Teilerfolge oder Kompromisse das maximal Erreichbare.

Oft und fast überall wird über zuviel Bürokratie geklagt. Können Sie das inzwischen bestätigen?

Leider ja!

Leidet das Privatleben unter den Verpflichtungen des Amtes?

Eindeutig! Es ist schwerer geworden Familienleben und Freundschaften zu pflegen.

Haben Sie sich in den vergangenen drei Jahren verändert und wenn ja wie?

Ich habe mich mein ganzes Leben verändert - nach 20 Jahren im Schuldienst war die Wahl zum Bürgermeister eine große Herausforderung aber auch eine große Chance. Die neue Aufgabe hat mir auch viel Schwung und Elan gegeben.

Wie und wie oft gelingt es Ihnen, abzuschalten?

Darum muss ich oft "ringen": am besten beim Musizieren, beim Sport und während des Sonntagsgottesdienstes.

Was sehen Sie zur Halbzeit der Legislaturperiode als Ihren bisher größten Erfolg, was als größte Enttäuschung?

Ich bin stolz, dass es mir oft gelungen ist die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Behörden oder Bürgern in Gang zu bringen, wo lange Zeit Stillstand herrschte. Enttäuscht bin ich darüber, dass die "große Politik" viele Aufgaben an die Gemeinden weitergibt ohne die Gelder dafür zur Verfügung zu stellen. Außerdem jammern wir in Deutschland zu oft auf hohem Niveau.

Sind Klima und Arbeit im Gemeinderat so, wie Sie sich das vorstellen?

Unser Gemeinderat hat in den vergangenen Jahren durch die vielen Großprojekte und Veränderungen außerordentlich viel Arbeit. Außerdem ist es für die neuen Mandatsträger oft sehr aufwändig, sich in die oft sehr verschiedenen Sachgebiete einzuarbeiten. Ich freue mich aber, dass unser Gemeinderat sehr zielstrebig versucht die ausstehenden Aufgaben zu lösen.

Die politische Lastenverschiebung von oben nach unten wird oft kritisiert. Wie sehr engen Entscheidungen in Bund und Land Ihre Arbeit ein?

Siehe vorletzte Antwort.

Interview: Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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