Gaststätte auf Winklmoosalm nimmt Formen an

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Dort, wo im vergangenen Winter noch Skifahrer und Snowboarder unterwegs waren, könnte möglicherweise in der kommenden Saison eine neue Gaststätte stehen. Die Bauwerber, die Reit im Winkler Gebrüder Hans und Josef Höflinger, Skiliftbetreiber auf Winklmoos, erreichten zumindest die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplanes in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Reit im Winkl - Konkrete Formen nimmt die "Versorgungsstation Roßalm" an, also eine Gaststätte, die auf der Winklmoosalm unweit der Lift-Talstation am Scheibelberg geplant ist.

Die Reit im Winkler Gebrüder Hans und Josef Höflinger, Betreiber der Winklmoos-Skilifte, beschäftigen sich schon seit drei Jahren mit entsprechenden Planungen.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung kamen umfangreiche Stellungnahmen im Rahmen der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung zur Sprache. Vehemente ökologische Bedenken machten dabei verschiedene Umweltverbände geltend, während der Gemeinderat konsequent an seiner bereits im Oktober 2009 formulierten Grundsatzhaltung festhielt: "Winklmoos braucht an dieser Stelle einen Versorgungsstützpunkt, um Skifahrer, insbesondere Familien und Skikurse auf deutscher Seite angemessen bewirten zu können." Die vorgetragenen Einwände wurden ohne wesentliche Diskussion von den Räten zur Kenntnis genommen. Einen konkreten Grund zur grundlegenden Änderung der beantragten Form sahen sie bei keiner der Stellungnahmen.

Um Baurecht in dieser exponierten Lage zu erhalten, muss laut Bauleitplanung das als landwirtschaftliche Fläche gewidmete Areal zunächst in ein Sondergebiet mit der Zweckbestimmung "Versorgungsstützpunkt für Wandern und Skisport" geändert werden. Dies war von den Gebrüdern Höflinger bereits am 1. März vergangenen Jahres beantragt worden.

Nachdem die rund 170 Sitzplätze fassende und auf 1,3 Millionen veranschlagte, im traditionellen Stil geplante Gaststätte allerdings - wie dies die Regierung von Oberbayern in ihrer Stellungnahme formulierte - in einem "Gebiet in einer ökologisch sensiblen Landschaft" liege, bemühte sich offenbar auch Landrat Hermann Steinmaßl um die Realisierbarkeit des Projektes. Zumindest ging dies aus einem in der Sitzung vorgetragenen Schreiben hervor. Dabei drängte das Landratsamt vom geplanten Standort ab- und auf eine Nasswiese auszuweichen. Diesem Ansinnen kamen die Antragsteller ebenso nach wie der Forderung nach Schaffung einer Ausgleichsfläche. "Diese werden wir selbstverständlich zur Verfügung stellen", erklärte Josef Höflinger am Tag nach der Sitzung auf Anfrage, die genaue Lage dieser Ausgleichsfläche stehe allerdings noch nicht fest.

Während die meisten der 32 "Träger öffentlicher Belange" kaum oder nur geringfügige Änderungswünsche zu dem Vorhaben geltend machten, lehnt der Bund Naturschutz den Neubau kategorisch ab. Begründet wurde dies damit, dass das 3000 Quadratmeter große Baugebiet ein "wertvolles Biotopnetz mit seltenen Tier- und Pflanzenarten" darstelle, außerdem sehe man durch die Baumaßnahme den dortigen Wasserhaushalt beeinträchtigt. Ferner will der Bund Naturschutz im Erholungsgebiet Winklmoosalm mit Steinplatte ein Defizit an Versorgungsstützpunkten "absolut nicht erkennen", man befürchte ohnehin seit dem Bau der Gondelseilbahn einen "zunehmenden Erschließungsdruck".

Erhebliche Störungen der Lebenswelt verschiedener Tierarten sieht auch die Naturschutzbehörde des Landes Salzburg und fordert deshalb eine ganze Reihe von Maßnahmen, welche die umgebende Flora und Fauna schonen sollen. Kritische Anmerkungen fand ferner der Deutsche Alpenverein, der das Gebiet von Winklmoos "bereits jetzt durch zahlreiche Gebäude, Skipisten, Liftanlagen und hohe Besucherströme" als "stark beeinträchtigt" bewertet.

"Was die alles wollen, ist schon brutal", setzte Zweiter Bürgermeister Andreas Heigenhauser diesen Einwendungen entgegen, "wenn es danach geht, dann ist hier überhaupt nichts mehr möglich". Doch davon kann nach dem Ergebnis der Abstimmung keine Rede sein - ohne Gegenstimme wurde nach dem Vortrag der verschiedenen Stellungnahmen schließlich zugunsten der Aufstellung des Bebauungsplans "Versorgungsstation Roßalm" votiert. Ob nach dem positiven Ergebnis dieses Verfahrensschrittes zeitnah mit dem Bau der Gaststätte begonnen wird, ließ einer der Antragsteller, Josef Höflinger, allerdings offen: "Wir wollen in naher Zukunft auch den Schlepplift am Scheibelberg in eine Sesselbahn umwandeln und wir müssen uns das finanziell entsprechend einteilen."

ost/Chiemgau-Zeitung

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