Hochfelln-Seilbahn feierte rundes Jubiläum

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Vor 40 Jahren war der Bau der Hochfelln-Seilbahn eine technische Meisterleistung.

Bergen - Seit vier Jahrzehnten bringt die Hochfelln-Seilbahn jedes Jahr Abertausende auf den beliebten Aussichtsberg. In luftiger Höhe wurde der Geburtstag gebührend gefeiert.

Sepp Steiner war vor über 40 Jahren dabei, als Baumstämme mit Seilwinden den Hochfelln hinaufgezogen wurden, um die Skihänge zu befestigen - und als ganz oben am Berg das Fundament für die Bergstation der Hochfellnbahn gegossen wurde. Drei Jahre dauerte der Bau und beinahe wäre das Projekt an technischen Problemen und den damals überraschend ansteigenden Stahlpreisen gescheitert.

Zum 40. Geburtstag (wir berichteten bereits kurz) stand der "Vater der Seilbahn", wie ihn einige nennen, am Drehkreuz in der Talstation und begrüßte die Gäste mit Handschlag. Mit Tempo 25 km/h ging esalsdann in den roten Kabinen und ab der Mittelstation in der kleineren Bründling-Hochfelln-Gondel hinauf zur Bergstation auf 1674 Meter.

Auf dem Aussichtsberg angekommen, rief zunächst der Glockenschlag der Taborkirche die Jubiläums-Gäste zur Andacht. In der kleinen Kapelle erzählt das Inventar eigene Hochfelln-Geschichten: Das Portrait von Maria und ihrem Kind zum Beispiel ist mit Einschusslöchern übersät. Während des Zweiten Weltkrieges, als der Hochfelln Flugwachtstation und Sperrgebiet war, lag das Gemälde versteckt auf dem Speicher des Berg-Gasthauses. Die Amerikaner durchsuchten den Gasthof und als sie die Speichertür öffneten, bewegte ein Windstoß die Leinwand - und die Soldaten schossen.

Das andere Gemälde in der Taborkirche zeigt Jesus. Es überstand als einziger Bestandteil des Altars völlig unbeschadet das Feuer von 1971, das nach einem Blitzschlag in der Kapelle ausgebrochen war.

Zum Geburtstag der Seilbahn schien die Sonne, doch es wehte ein kalter Wind und es war es ein bisschen diesig, so dass sich das Gold des Gipfelkreuzes nur matt vor dem Panorama des Chiemgau abhob.

Der Blick über die eigene Heimat, die Nachbargemeinden und die Alpen machten den Hochfelln so besonders, sagte Bergens Bürgermeister Bernd Gietl später im Hochfellnhaus. Er ist zugleich Leiter der Geschäftsführung der Seilbahn.

Der Bürgermeister zeigte eine selbst erstellte Präsentation über den Hochfelln - mit eigenen Fotos und Hintergrundmusik - und stach damit beinahe den professionellen Werbefilm über den Berg aus, den die Gäste ebenfalls zu sehen bekamen. Gietl berichtete von einer Reihe von Veranstaltungen, die dieses Jahr auf dem Hochfelln stattfinden - auch anlässlich eines weiteren Jubiläums im August: 125 Jahre Hochfelln-Kreuz. Der Berg biete eine Mischung aus "Sport, Kultur und Natur", sagte Gietl.

Da passte es, dass Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl - entgegen seiner sonstigen Art, wie er sagte - zur Lyrik griff, um seine Hochfelln-Stimmung zu beschreiben: "Vom Grund bis zu den Gipfeln, soweit man sehen kann, jetzt blühts in allen Wipfeln, nun geht das Wandern an...," zitierte er Joseph von Eichendorff. Die Natur könne nur schützen, wer sie kenne und die Seilbahn trage zum Kennenlernen bei, so Steinmaßl.

Und dennoch: An den Tischen sprachen einige der Älteren über die Zeiten, als es noch keine Seilbahn gab und der Blick über den Chiemgau mit einer Bergtour verdient werden musste. So wie es immer noch viele tun: über die leichten Wanderwege von Bergen oder Ruhpolding aus.

Die Seilbahn sei aber nicht mehr wegzudenken, so Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, der die Aussicht "atemberaubend" nannte. Zur Unterstützung der Seilbahn-Sanierung, die insgesamt voraussichtlich 380.000 Euro kosten wird, überreichte er Gietl einen Förderbescheid über 130.000 Euro.

Nadja Wolf (Chiemgau-Zeitung)

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