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Weitere Krater entdeckt

Neue faszinierende Erkenntnisse zum Chiemgau-Impakt-Meteoriteneinschlag

Bild von Impakt
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Geländeoberfläche beim Naturdenkmal „Toteisloch“ westlich von Seeon (bei einem Pferdehof). Die Impakt-Forscher schlagen vor, das „Naturdenkmal Toteisloch“ in „Naturdenkmal Einschlagkrater“ umzubenennen.

Chiemgau - Schon länger beschäftigt der sogenannte „Chiemgau-Impakt“ die Forscher. Nun gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu dem Meteoriteneinschlag.

Dem eng mit renommierten Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland zusammenarbeitenden Forscherteam um Prof. Dr. Kord Ernstson (Geophysiker und Geologe), Dr. Michael Rappenglück (Archäoastronom/Leiter der Sternwarte Gilching) und Barbara Rappenglück (Historikerin) ist es in den vergangenen Jahren gelungen, den Chiemgau-Impakt immer besser zu belegen und zu datieren. Während man bis vor wenigen Jahren davon ausging, dass der besagte Meteoriteneinschlag, der zwischen dem Bereich Altötting/Burghausen und dem Chiemsee ein ellipsenförmiges Kraterstreufeld (zirka 100 Krater) hinterlassen hatte, zwischen 2200 und 300 vor Christus erfolgt war, konnten die Forscher vom Chiemgau-Impakt-Research-Team (CIRT) diesen Zeitraum 2019 bereits auf rund 600 Jahre eingrenzen, und zwar zwischen 900 und 300 vor Christus (frühe Eisenzeit).

Unzählige geophysikalische Untersuchungen (Bodenradar) hat das Chiemgau-Impakt-Forscherteam (CIRT) in den letzten Jahren im ellipsenförmigen Meteoritenkraterstreufeld zwischen dem Bereich Altötting/Burghausen und dem Chiemsee durchgeführt und dabei viele fundierte Erkenntnisse gewonnen. Auf dem Bild zu sehen sind Bodenradarspezialist Jens Poßekel und Historikerin Barbara Rappenglück bei der Arbeit.

Im Rahmen des jüngsten Online-Jahresvortrages „Chiemgau-Impakt – Kosmische Brocken und irdische Relikte“ (es war coronabedingt eine Premiere) hieß es nun, dass der Einschlag aufgrund des archäologischen Fundzusammenhangs am Eglsee-Krater (zwischen Chieming und Nußdorf) sogar noch vor 600 vor Christus stattgefunden haben müsse. Michael Rappenglück, der den Vortrag zusammen mit Professor Ernstson und B. Rappenglück ausgearbeitet hatte, erklärte dies mit der dort nachgewiesenen hallstattzeitlichen Siedlung Nußdorf-Moosholz. Archäologische Funde belegen ihre Existenz ab zirka 600 Jahre vor der Zeitenwende, unmittelbar am höchsten Punkt des Kraterwalls. Verblüffend sei auch, dass der Eglsee-Krater mit einem Durchmesser von 1,3 Kilometern fast eine Kopie des weltberühmten Barringer-Meteor-Kraters in Arizona (USA) sei.

Hier nachlesen: Forscher nun sicher: „Meteoriteneinschlag war zwischen 900 und 300 vor Christus“

Schon vor über zehn Jahren waren die Chiemgau-Impakt-Forscher bei Stöttham (Chieming) in einem Neubaugebiet zwischen den archäologischen Schichten der Jungsteinzeit und der Römischen Kaiserzeit auf eine auffällige „Katastrophenschicht“ gestoßen. Mitverursacht worden sei diese laut Rappenglück durch einen verheerenden Tsunami – ausgelöst vom Chiemgau-Impakt. Dieser habe auf dem Grund des nahen Chiemsees (vor Chieming) einen 900 mal 500 Meter großen Doppelkrater hinterlassen und eine mehrere Zehner Meter hohe, zerstörerische Flut-, Schlamm- und Gesteinswelle verursacht. Damals stieß man auf ein eisernes Artefakt, das „infolge extremer Temperaturen Bestandteil eines Impaktgesteins geworden ist. Das hat man bis dato so weltweit noch nie beobachtet“, so Rappenglück. Da Eisen-Artefakte in Mitteleuropa erst ab zirka 900 vor Christus in größerer Zahl produziert worden seien, konnten die Forscher aus diesem Fund erschließen, dass der Impakt frühestens zu diesem Zeitpunkt stattgefunden haben könne. Dass der Eglsee-Krater nur zu dreiviertel erhalten sei, erklärte Rappenglück mit der Ausräumung durch den Rückfluss des Tsunamis.

Handelt es sich hierbei um einen Meteoriten aus dem Chiemgau-Kometen (Chiemgau-Impakt), der vor rund 2500 Jahren Angst, Chaos und Verderben über die keltische Bevölkerung in Südostbayern brachte und unter anderem den Tüttensee bei Grabenstätt entstehen ließ? Das Chiemgau Impact Research Team (CIRT) hat das acht Kilogramm schwere Objekt, das bereits vor 30 Jahren in Grabenstätt gefunden worden war, eingängig untersucht.  

Exemplarisch ging Rappenglück auch noch auf den Tüttensee-Krater (bei Grabenstätt) ein, den man in den vergangenen Jahren mit Hilfe der Geophysik (Bodenradar) intensiv untersucht hatte. Auch hier habe ein mit hoher Geschwindigkeit (zehn bis 10 Kilometer pro Sekunde) eingeschlagenes Objekt im Gestein eine Schockwelle mit extremen Drücken (einige Megabar) und Temperaturen (einige 10.000 Grad) erzeugt. In der dort angetroffenen Katastrophenschicht mit menschlichen Spuren habe man auch deformierte und geschmolzene Gesteine vorgefunden, „was sich mit eiszeitlichen Phänomenen und Zusammenhängen nicht erklären lässt“, so Rappenglück. Als Sekundärphänomene nannte der CIRT-Forscher durch Hitze und Säure korrodierte Gesteine und die sogenannte Inkohlung, zu der es kam, weil beim Impakt höchste Drücke und extreme Temperaturen auf die Vegetation getroffen seien.

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Auch das terrestrische Kohlenstoff-Gestein Chiemit (so benannt nach dem erstmaligen Fundort im Chiemgau) sei aus einer spontanen Schock-Inkohlung der Vegetation (Holz und Torf) im Chiemgauer Einschlagsgebietes entstanden. In Abgrenzung dazu verwies Rappenglück auf den vor rund 30 Jahren bei Grabenstätt gefundenen acht Kilo schweren Eisensilizid-Brocken mit Hapkeit-2T. „Er ist sehr wahrscheinlich außerirdischen Ursprungs und zählt zu einem ganz neuen Meteorit-Typ“. Weitere Hinweise zu einen Impakt gäben die Sekundärphänomene „Abgebrochene Tropfsteine in Höhlen südlich des Chiemsees“ und „Donnerlöcher im nördlichen Chiemgau“.

Vielzahl neuer Krater ausfindig gemacht

Ganz neue Erkenntnisse zum Impakt-Geschehen lieferte den Forschern zuletzt das moderne „Digitale Geländemodell“, das aus der Luft den reinen Boden ohne Vegetation abbildet. Damit konnten laut Rappenglück in der Region eine Vielzahl neuer Krater ausfindig gemacht werden. Zu ihnen zählte er auch die im Bereich der Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte beziehungsweise der Seeoner-Seenplatte befindlichen Gewässer Eschenauer See, Laubensee, Mittersee und Hofsee. „Wie sollen sich kreisrunde Uferformen über hunderte von See-Metern mit Geländeschwankungen von weniger als 50 Zentimetern über mindestens 10.000 Jahre seit Ende der Eiszeit unverändert erhalten haben?“, fragte Rappenglück insbesondere mit Blick auf den Eschenauer See und ließ die Antwort sogleich folgen: „Dieser See und die anderen kreisrunden Formen müssen sich in ganz junger Zeit gebildet haben. Welche Kräfte außer einem zentralen Einschlag sollen das bewirkt haben?“. Er schlug vor, das bei Seeon (unweit eines Pferdehofes) befindliche Naturdenkmal „Toteisloch“ in „Naturdenkmal Einschlagkrater“ umzubenennen.

Impakt-Forschung tritt in neue Phase

Mit dem digitalen Geländemodell und dem Bodenradar sei in den letzten Jahren eine ganz neue und sehr erfolgreiche Phase der Impakt-Forschung eingeleitet worden, die man gemeinsam mit Kollegen aus dem In- und Ausland noch vertiefen wolle, so Rappenglück. Ein besonderes Augenmerk werden die CIRT-Forscher indes nochmals auf den sogenannten „Mythos des Phaethon“ legen, in dem altgriechische Autoren von einem „Sturz des Phaethon“ (Sohn von Sonnengott Helios) im Keltenland sprechen. Darin heißt es erstaunlicher Weise: „Gott sandte vom Himmel einen Feuerball ins Land der Kelten, der sie und ihr Land verbrannte“.

mmü

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