Hilde Mattheis besucht den Ertlhof

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Andrea Pfannes (stellvertretende Einrichtungsleitung), Hilde Mattheis MdB, Angelika Graf MdB, Alfred Kreidenweis (Bereichsleiter des offenen Wohnbereichs), Arno Seidel (Einrichtungsleitung)

Rimsting - Sehr erfreut war Arno Seidel, der Leiter der sozialtherapeutischen Einrichtung „Ertlhof“ in Rimsting über den Besuch von Hilde Mattheis.

Die Rosenheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Graf hatte Hilde Mattheis, stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, eingeladen. Seidel und seine Kollegen berichteten von der Ausrichtung und dem Konzept des Ertlhofs, erzählten von den Erfolgen und Problemen und formulierten zudem ihre Forderungen und Wünsche an die Politik.

Mit seinen 86 Bewohnern, von denen 51 in den beschützenden Wohnbereichen der Einrichtung betreut würden, sei der Ertlhof eine sehr nachgefragte Einrichtung in der Region. Die Anfragen auf Aufnahmen seien zahlreich, aus ganz Oberbayern, aber auch von weiter entfernt. „Der Ertlhof hat eine sozialtherapeutische Ausrichtung, die eine aktive Mitarbeit von den Bewohnern erwartet“, so Seidel. Das Durchschnittsalter im Ertlhof liege bei 37 Jahren, was die beiden Politikerinnen überraschte, die ein höheres durchschnittliches Alter erwartet hätten. Es wären dagegen sehr viele junge Menschen im Ertlhof, die meist schon eine lange Odyssee, ausgehend von ihrem sozialauffälligen Verhalten, durch ambulante und stationäre Einrichtungen hinter sich hätten. Die meisten hätten eine Entwicklung hinter sich, die von Gewalt, Drogen und Medikamenten geprägt war. „Das Ziel des Ertlhofs ist es, diese Menschen zumindest in eine niedriger betreute Wohnform zu bringen oder gar wieder komplett in die Gesellschaft zu integrieren“, formulierte Seidel sein engagiertes Ziel. Er erzählte von einem jungen Mann, der es ausgehend von der geschlossenen Abteilung, schaffte sich völlig zu integrieren, mittlerweile selbständig lebt und sein Abitur nachgeholt hat. Diese ganz großen Erfolge seien zwar die Ausnahme, aber durchaus möglich.

Zwei große Problembereiche sah der Leiter des Ertlhofs in dem Fachkräftemangel und der Mittelkürzung im sozialtherapeutischen und medizinischen Bereich. So gäbe es derzeit einen Bedarf nach einer therapeutischen Einrichtung für minder begabte psychisch kranke Menschen, für die sie als Träger auch gerne ein Konzept entwickeln würden. Leider scheitert die Durchführung zur Zeit an den Kosten, so Seidel. Große Probleme gäbe es auch im medikamentösen Bereich. Die Budgetierung der betreuenden Ärzte verhindere danach vielfach eine zeitgemäße und sinnvolle Medikation der Bewohner, da diese Ärzte diese vielfach teureren Medikamente aus Kostengründen ambulant nicht verschreiben könnten. Ein ganz großes Problem sei auch der Fachkräftemangel. Seidel forderte eine verstärkte Förderung für die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. So würde zwar die Ausbildung zum Heilerziehungspflegehelfer von der Arbeitsagentur gefördert, was durchaus auch wichtig sei. Aber dennoch brauche man dringend ausgebildete Fachkräfte. Das Angebot sei so knapp, dass er vielfach bei Ausschreibungen keine einzige Bewerbung erhielte, so Seidel. Angelika Graf und Hilde Mattheis zeigten sich beeindruckt vom Konzept und der Arbeitsweise im Ertlhof und versprachen die angesprochenen Probleme nach Berlin mitzunehmen und nach einer Lösung zu suchen.

Pressemitteilung des Deutschen Bundestags

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