Zivilcourage heute oft Mangelware

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Die Polizeibeamten Bohnert und Doppelberger demonstrieren mit einem Zuhörer (vorne sitzend) wo man im Bus richtig Platz nimmt.

Traunreut - Hinsehen und eingreifen statt wegschauen! Zu diesem Thema hält die Polizei einen Vortrag und gibt Tipps wie man sich in brenzligen Situationen am besten verhält.

Würden Sie bei Gewalt in der Öffentlichkeit eingreifen oder wegsehen? Zu diesem Thema referierten Traunreuts Polizeichef Johann Bohnert und sein Kollege Michael Doppelberger am Dienstag an der Volkshochschule in Traunreut.

Fast exakt ein halbes Jahr nach dem tödlichen Angriff auf Dominik Brunner, der sich schützend vor zwei Kinder gestellt hatte ist das Thema aktueller denn je. Viele stellen sich die Frage, wie sie in ähnlicher Situation handeln würden. Was kann man tun, wenn man beleidigt, bedroht, belästigt oder gar verprügelt wird? Soll man eingreifen, auch wenn man sich dann möglicherweise selbst in Gefahr bringt? Oder lieber wegschauen. Oft weiß man gar nicht, wie man wirkungsvoll eingreift, ohne selbst zu Schaden zu kommen oder sich selbst in Gefahr einer Strafverfolgung zu bringen.

Die beiden Polizeibeamten gingen mit praktischen Tipps auf die Fragestellung ein und versuchten bei den interessierten Zuhörern den Gedanken der Solidarität und des Helfens zu fördern. Nach Meinung von Bohnert sind die Gründe, warum viele wegschauen in ihrer egoistischen Haltung begründet. Besonders in größeren Orten fühlt sich niemand mehr für den anderen verantwortlich. Zudem sagen viele: „Wofür bezahle ich denn meine Steuern? Ist doch Aufgabe der Polizei.“

Vielfach fürchten Zeugen unnötige Scherereien. Aber auch Angst kann ein Grund für fehlende Zivilcourage sein. Man fürchtet selbst Opfer des Täters zu werden, wenn man eingreift. Doch selbst ohne kräftige Muskeln kam man etwas ausrichten meinte Bohnert. Wenn man jemand in einer Notlage sieht, sollte man keinesfalls wegschauen. Vielmehr wäre das Opfer zu fragen, ob man helfen könne. Andere Zeugen sollten gezielt gebeten werden mitzuhelfen. Gemeinsam ist man ja bekanntlich stärker. Dann sollte schnellstmöglich die Polizei verständigt werden.

Das Aussehen des Täters und seine Kleidung sollte man sich genau einprägen. Auch Auffälligkeiten sind sehr wichtig. Man sollte auch auf die Fluchtrichtung achten. Wichtig ist auch, dass man vor Gericht als Zeuge zur Verfügung steht. Ist man selbst einmal Opfer wird man sich auf alle Fälle freuen, wenn andere diese Tipps beherzigen.

Die Beamten konnten auch von positiven Beispielen für mutiges Handeln aus dem Traunreuter Dienstbereich berichten: So war ein älteres Ehepaar vor einem Jahr einem wehrlosen Mann zu Hilfe gekommen, auf den ein 22-Jähriger einprügelte. Das resolute Rentnerehepaar zog sich bei ihrem Einschreiten selber Blessuren zu. Der alkoholisierte Täter hatte an diesem Tag bereits mehrere Personen grundlos angegriffen und widersetzte sich auch seiner Festnahme ganz vehement. Übrigens hat sich das mutige Ehepaar mit seinem Eingreifen völlig im rechtlichen Rahmen bewegt.

Laut Gesetz ist eine körperliche Abwehrhandlung nicht nur bei einem Angriff auf einen selbst zulässig, sondern auch um den Angriff auf einen anderen abzuwehren. Auch die Hilfeleistung ist im Strafgesetzbuch speziell geregelt. Dort heißt es, dass man sich einer unterlassenen Hilfeleistung strafbar macht, wenn man nichts tut, obwohl es einem zuzumuten wäre.

Im weiteren Verlauf zeigten die Beamten in einem Rollenspiel wie man sich beispielsweise richtig in einem Bus oder Zug verhält. So soll man seinen Platz möglichst am Gang und nicht im hinteren Bereich des Fahrzeugs wählen. Auch die Nähe des Fahrers oder eines Ausganges ist gut. Wenn es dennoch zu Übergriffen kommt, sollte man sofort versuchen den Platz zu wechseln. Wichtig ist auch, dass man gezielt andere Personen anspricht und auf die Situation aufmerksam macht.

Abschließend demonstrierte Doppelberger den Gästen, wie man sich als potentielles Opfer verhält: Wichtig ist vor allem die Körpersprache. So sollte man selbstbewusst auftreten, die Hände in Brusthöhe abwehrend ausstrecken, Blickkontakt mit dem Täter aufnehmen und versuchen beruhigend auf ihn einzuwirken. Man muss immer auf eine gewisse Distanz achten und keinesfalls den Täter anfassen, denn das könnte dieser als Angriffsignal werten.

Pressemeldung Poizeistation Traunreut

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