Nordvariante vom Tisch: A8 bleibt, wo sie ist

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Eine Aufnahme von Protestaktionen der Nordumfahrungsgegner.

Piding - Die Entscheidung ist gefallen. Am Mittwoch sprach sich die Autobahndirektion für einen Ausbau der bestehenden A8 aus. Der Högl bleibt wohl autobahnfrei. Was gab den Ausschlag?

Die Autobahndirektion Südbayern hat am 5. November im Landratsamt in Bad Reichenhall den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Berchtesgadener Land den Variantenvergleich für den Ausbau der A8 zwischen Jechling und Bundesgrenze vorgestellt. Die Variantenuntersuchung, bei der über 100 Einzelkriterien untersucht und bewertet wurden, kommt zum Ergebnis, dass die Bestandsvariante gegenüber der Nordvariante vorzuziehen ist.

Neue umfangreiche Kartierungen des Naturraums haben gezeigt, dass die Nordvariante größere Eingriffe in das FFH-Gebiet Marzoller Au verursachen wird. "Der Naturschutz war ein starkes Argument", erklärt Josef Seebacher von der Autobahndirektion auf Rückfrage. Damit kommt nun endlich Licht ins monatelange Rätselraten, welche Ausbauvariante bevorzugt wird. Bereits Mitte Oktober ließ Josef Seebacher anklingen, dass es gewichtige Gründe gegen eine Nordvariante gebe

Den betroffenen Kommunen wird nun Gelegenheit gegeben, zu dem vorgestellten Variantenvergleich Stellung zu nehmen. Wenn sich aus diesen Stellungnahmen keine grundlegenden neuen Erkenntnisse ergeben, beabsichtigt die Autobahndirektion die Bestandsvariante weiter zu verfolgen. "Wir gehen davon aus, dass es dabei bleibt", sagt Josef Seebacher.

Der nächste Schritt ist die Fertigstellung der Vorentwurfsunterlagen, die dem Bund anschließend zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Im Planungsdialog zum sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und der Bundesgrenze bei Piding wurde für den Planungsbereich zwischen Jechling und der Bundesgrenze die sogenannte Nordumfahrungsvariante mit einer 600 Meter langen Einhausung im Bereich des Panoramaweges vorgeschlagen.

Naturschutz vor Lärmschutz

Die Skizze, wie die Nordvariante verlaufen wäre von Osten betrachtet. Rechts im Bild der Högl, links die beiden Pidinger Ortsteile. Die Pläne sind nun vom Tisch. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Angesichts der beiden grundsätzlich möglichen Lösungen im Raum Piding hat die Autobahndirektion Südbayern auch die Bestandsvariante in einem der Nordvariante entsprechenden Qualitätsstandard geplant. Für die Belange Naturschutz und Hochwasserschutz wurden dabei umfangreiche Fachgutachten eingeholt. Im Ergebnis ist die Bestandsvariante insbesondere hinsichtlich der Belange Naturschutz, Flächenverbrauch sowie Land- und Forstwirtschaft günstiger, die Nordvariante insbesondere hinsichtlich des Belanges Lärmschutz. Aus Sicht der Autobahndirektion Südbayern sollte die Bestandsvariante daher weiter verfolgt werden.

Ausschlaggebend hierfür ist auch, dass der Verlust an prioritär geschützten FFH-Lebensraumtypen in der Marzoller Au bei der Nordvariante deutlich größer ist als bei der Bestandsvariante. Diese Situation hat sich aufgrund neuer Kartierungen ergeben, die für die Vorentwurfserstellung durchgeführt werden mussten.

In den Jahren 2009 bis 2011 fand ein Planungsdialog statt. Der Planungsdialog war eine erstmals in Bayern angewandte Verfahrensweise, bei der im Vorfeld eines Autobahnausbaus alle Beteiligten regelmäßig an einen Tisch gekommen sind, um Vorstellungen, Wünsche und konstruktive Kritik zu äußern und zeitgemäße Lösungen zu entwickeln.

Er wurde im Mai 2009 bei einem Besuch von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in Traunstein ins Leben gerufen und endete 2011 mit Empfehlungen für den Ausbau an das Bundesverkehrsministerium. Den auf die Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land bezogenen Arbeitsgruppen gehörten die jeweiligen Landräte, die Bürgermeister der betroffenen Gemeinde sowie Vertreter der Bürgerinitiativen, von Bund Naturschutz, Bauernverband und Wirtschaftsverbänden an.

xe/Pressemitteilung Autobahndirektion Südbayern

Quelle: BGland24.de

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