Stabile Finanzen, aber keine reiche Gemeinde

+
Voll besetzt war der Veranstaltungssaal im Haus der Kultur in Ainring bei der Bürgerversammlung, womit zugleich dokumentiert wurde, dass Interesse am kommunalen Geschehen in der Gemeinde, an der Arbeit des Gemeinderates und der Verwaltung besteht. Außerdem konnte die Möglichkeit zur freien Aussprache und zu Antragstellungen genutzt werden.

Ainring - Die Gemeinde ist finanziell im Plus - aber das ist noch lange kein Reichtum. So zumindest Hans Eschlbergers Tenor bei der Verkündung der Haushaltszahlen.

In den Bürgerversammlungen in Ainring und Straß legte Bürgermeister Hans Eschlberger unter anderem auch Zahlen des gemeindlichen Haushalts offen und widerlegte vorweg die Aussage, Ainring sei eine reiche Gemeinde. „Wir haben stabile Finanzen, sind aber keineswegs eine reiche Gemeinde.“

Mit dieser Aussage wollte Eschlberger auch der künftigen Erwartungshaltung einen Riegel vorschieben, „denn insgesamt wird das nächste Haushaltsjahr schwieriger“. Das Gesamtvolumen des diesjährigen Haushalts beträgt nach Aussage Eschlbergers 18,2 Millionen Euro, davon seien im Verwaltungshaushalt 14,6 Millionen Euro und im Vermögenshaushalt 3,6 Millionen Euro festgesetzt.

Als wichtigste Einnahmen nannte er 3,51 Millionen Euro aus Verwaltung und Betrieb, wie beispielsweise Gebühren und Beiträge oder Verwaltungskosten, 11,15 Millionen Euro Steuern und staatliche Zuweisungen, 1,43 Millionen Euro Einnahmen des Vermögenshaushalts, zum Beispiel Zuwendungen zu Bauvorhaben.

Besondere Bedeutung hat die Gewerbesteuer mit derzeit 5,4 Millionen Euro für die Gemeinde Ainring. „Wir dürfen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren um die Basis für diese wichtige Einnahmequelle zu verbreitern, denn derzeit sind wir auf sehr wenige Einzelbetriebe angewiesen“, betonte der Rathauschef. Als Momentaufnahme bezeichnete er die per Powerpoint aufgezeigte Ranking Grafik-Tabelle zur vorläufigen Steuerkraft für 2014.

„Demnach liegen wir erstmals im Landkreis an erster Stelle mit 1.069 Euro Steuerstärke je Einwohner“, verdeutlichte Eschlberger. Die wesentlichen Ausgaben teilen sich - grob zusammengefasst - folgendermaßen auf: Personalkosten 2,71 Millionen Euro, laufender Unterhalt und Aufwand 5,12 Millionen Euro, Baumaßnahmen 1,68 Millionen Euro, sonstiger investiver Bereich, beispielsweise Sachausstattungen, Fahrzeuge, 1 Million Euro, 273.000 Euro sonstige Finanzausgaben, unter anderem Eigenkapital-Stärkung der Gemeindewerke.

Beispielhaft sind im laufenden Jahr folgende größere Ausgaben angefallen: Gebäudesanierungen in Schulen, Sporthalle, und Rathaus für 265.000 Euro, Komplettsanierung der Moosstraße-Süd für 500.000 Euro und die Einlage bei den Gemeindewerken zur Eigenkapital-Stärkung in Höhe von 150.000 Euro.

Nicht unerwähnt ließ Hans Eschlberger die Förderung des Vereinswesens in der Gemeinde Ainring. Finanziell würden die Vereine jährlich mit einem laufenden Vereinszuschuss bedacht und zusätzlich größere Investitionen der Vereine durch die Gemeinde mit Einzelentscheidung des Gemeinderates per Zuschuss gefördert. Aber auch die kostenlose Überlassung von Liegenschaften und Räumlichkeiten, wie beispielsweise die Sporthallen, das Haus der Kultur oder die Freilichtbühne sowie Dienstleistungen durch Verwaltung und Bauhof seien enorme geldwerte gemeindliche Beiträge und eine Hilfe für die lobenswerte Arbeit der Vereine.

„Der Kernhaushalt der Gemeinde ist bekanntlich momentan schuldenfrei, die Gemeindewerke zum Jahresende noch mit 5,48 Millionen Euro verschuldet, allerdings für rentierliche Investitionen“, berichtete Eschlberger. Gleichzeitig könne auf eine derzeitige allgemeine Rücklage in Höhe von 5,6 Millionen Euro zurückgegriffen werden, die aber für künftige Umlagenbelastungen und wirtschaftlich weniger starke Zeiten benötigt werde, beziehungsweise für bereits beschlossene Projekte und Aufgaben der nächsten Zeit verplant sei, so seine Informationen.

Außerdem müsse, um die laufenden Ausgaben tätigen zu können, stets ein Sockelbetrag von annähernd 1,5 Millionen Euro auf der Rücklage verbleiben. „Insofern relativieren sich die Aussagen, die wir vereinzelt wahrnehmen, wir wären eine "reiche" Gemeinde. Ich bin dennoch schon ein bisschen stolz, feststellen zu können, dass wir finanziell momentan auf einem soliden Fundament stehen. Diesen Zustand gilt es zu bewahren und möglichst noch auszubauen. Die Gestaltungsmöglichkeiten der kommunalen Selbstverwaltung sind immer so gut oder so schlecht wie die Finanzlage einer Gemeinde“, erläuterte der Bürgermeister.

Wesentlich für die Leistungsfähigkeit der Gemeinde Ainring sei der nicht mehr vorhandene Schuldendienst und der effektive Personaleinsatz. Um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde weiterhin zu erhalten, sei es gemäß Eschlberger wichtig, dass sich das vorhandene Gewerbe gut entwickeln könne, die Möglichkeit zur Neuansiedlung von Betrieben geschaffen werde und der nötige Wohnraum zur Verfügung stehe.

Dies alles habe direkten Einfluss auf die für den Gemeindehaushalt so wichtigen Einnahmen aus der Gewerbesteuer, der Einkommenssteuerbeteiligung und der Umsatzsteuerbeteiligung, sowie der Auslastung und Stabilisierung der kostenrechnenden Einrichtungen wie Kanal, Wasser, Müllabfuhr und Fernwärme. „Auch hier hat der Gemeinderat die richtigen Weichen gestellt“, lobte der Bürgermeister.

Die Thematik beinhalte auch die Wichtigkeit für den Landkreis, dass sie eine finanziell leistungsfähige Gemeinde in ihren Reihen habe. So bezeichnete Eschlberger beispielsweise die Kreisumlage regelmäßig als den größten Einzelausgabeposten der Gemeinde. Heuer hätte man an den Landkreis 3,9 Millionen Euro an Kreisumlage überwiesen.

„Für nächstes Jahr werden wir hierfür bei gleichbleibendem Umlagesatz 5,51 Millionen Euro – und somit 1,61 Millionen Euro mehr – berappen müssen. Insgesamt werde das nächste Haushaltsjahr ohnehin finanziell schwieriger, kündigte der Bürgermeister an.

Die Gründe hierfür lägen unter anderen in der erwähnten Umlagebelastung, dem vermutlichen Wegfall der staatlichen Schlüsselzuweisung und der nach wie vor ansteigenden laufenden Ausgabenbelastung. „Insofern warne ich bereits heute vor überzogenen Forderungen und bitte, bei Wünschen Maß zu halten. Vorrangig ist die vorhandene Infrastruktur zu pflegen und zu unterhalten. Hier werden in den nächsten Jahren enorme Aufgaben auf uns zukommen“, so der Erste Bürgermeister.

schl

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Ainring

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser