Feriendorf in Ainring

Grünes Licht für Millionenprojekt

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So oder so ähnlich soll das Feriendorf aussehen

Ainring - Der Gemeinderat stimmt dem Plan für das Feriendorf "Bayern-Chalets-Ainring" grundlegend zu. Die Bedenken hinsichtlich des Hochwasserschutzes wurden kontrovers diskutiert:

Der „singende und musizierende Wirt“ von Ainring, Thomas Berger ist bekannt für seinen umtriebigen Unternehmergeist, aber auch, dass er hier und da in seinem Umfeld aneckt. Doch was er aus seinem bereits zur Hälfte abgeräumten Campingplatz auf der nördlichen Hanglage in Moos unweit seines Ruperti-Hotels vorhat, wäre schon eine kleine Sensation für die Tourismuslandschaft im Berchtesgadener Land

Anstelle von Campingwägen soll ein in jeder Hinsicht anspruchsvolles Feriendorf, genannt „Bayern-Chalets-Ainring“, entstehen. Es soll das größte in der Alpenregion mit zusätzlichen Erholungsmöglichkeiten für die gesamte Bevölkerung werden. 

Die Hochwassergefahren in den Griff bekommen

So einfach ist die Umwidmung des Campingplatzes allerdings nicht, denn bei starken Regenereignissen herrscht Hochwassergefahr. Wenn das Wildwasser vom Högl herabrauscht und – wie es im Vorjahr im Sommer geschehen ist - die Gaststätte am tiefsten Punkt des Geländes unter Wasser setzt werden folglich enorme Schäden verursacht sowie immer wieder neue Sanierungen des Gebäudes samt Einrichtungen erforderlich sein. 

Erstmals befasste sich der Gemeinderat im November mit Bergers Chalets-Antrag. Nach dem Aufstellungsbeschluss und Einleitung des Verfahrens galt es unter anderem vor allem, dass die Hochwassergefahren in den Griff zu bekommen sind. Notwendig zu dieser entscheidenden Thematik war ein Gutachten, das zum einen die Lösung dieser Wasserproblematik betraf und zum anderen die Bodenbeschaffenheit untersuchte. 

Vorweg will Thomas Berger zwei Chalets erstellen. Um auszuloten, wie er werbemäßig weiter verfahren kann, erließ der Gemeinderat neben den entsprechenden Festsetzungen, dass das Gebiet auch in Zukunft ausschließlich touristisch genutzt wird und eine Umwidmung zu Wohnzwecken auf Dauer ausgeschlossen ist, zunächst eine Veränderungssperre bis zum Eintreffen der entsprechenden Gutachten. 

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates fanden sich ein für entsprechende Erläuterungen zu Gutachten, Planungen und weitere Vorgehensweise Dipl. Ing. Bernhard Unterreitmeier vom Büro Aquasoli, das auf Hochwasserschutz spezialisiert ist sowie Hans Romstätter vom beauftragten Planungsbüro Zeller & Romstätter, der die gesamte Planung für insgesamt 25 Luxuschalets samt Umfeld aufzeigte. Bernhard Unterreitmeier führte an, dass es zum aktuellen Hochwasserschutz unumgänglich ist zubetoniertes Abflussrohr, das unter der Kreisstraße verläuft, wieder zu öffnen, da dieses zum jetzigen Zeitpunkt einen wichtigen Bestandteil der Entwässerung des gesamten Geländes in derzeitiger Form darstelle. Bei der neuen Hochwasserplanung sei das besagte Rohr dann zwar nicht mehr so wichtig, jedoch nötig bei einem Jahrhunderthochwasser, als eventuell notwendige zusätzliche Sicherheit. Was die gesamte Planung anbelangt wurde aufgezeigt, dass eine klare Hochwasserplanung erstellt worden sei. Das Wasser werde über eine 1.000er-Leitung (ein Meter Durchmesser) durch den ganzen Campingplatz zum zweiten Rückhaltebecken im Norden des Grundstückes geführt. Dies habe eine notwendige Fläche von 440 Quadratmeter und ein Volumen von 444 Kubikmeter. Es werde aber hier eine Fläche von 1.013 Kubikmeter geplant, damit die Grundstücksnachbarn bei Überflutungen nicht geschädigt werden. Hans Romstätter informierte, dass mit einemsehr hohen Kostenaufwand ein Auffangbecken mit einer notwendigen Fläche von 600 Quadratmeter und einem Volumen von 860 Kubikmeter am Waldrand vom Ulrichshögl südlich gebaut werden müsse. Hier werde das gesamte Wasser von Ulrichshögl erst mal abgefangen. Auf dieser Wasserfläche stehe ein Pavillon auf Säulen, der über einen Steg als Seminarraum begehbar gemacht werde. In dem Becken werde immer Wasser sein, um hier den Gästen „Urlaub am Wasser“ zu bieten. Sollte ein starker Regen oder eine langanhaltende Regenperiode kommen, steige das Wasser in  zusätzliche Erholungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang verwies Bernhard Unterreitmeier, dass mit dieser Maßnahme für die Grundstücksnachbarn eine Verbesserung im Hochwasserfall entstehe. 

"Alle Sichtweisen offen darlegen"

Wichtig war nun dem Antragsteller, dass die Veränderungssperre aufgehoben wird, damit so schnell wie möglich die beiden Chalets-Musterhäuser entstehen können. Zum einen geht es dabei für Thomas Berger, Erfahrungen zum Buchungsverhalten der Gäste zu sammeln, welcher Luxus und Service gefordert wird um auch höchste Ansprüche zu erfüllen. Bürgermeister Hans Eschlberger fand, dass die beiden vorab beantragten Chalets die notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen nicht stören oder tangieren. 

Da jedoch zum Hochwasserschutzkonzept ein nachbarlicher Einwand vorliege, müsse diese im weiteren Verfahren eingehend geprüft werden. Das entsprechende Schreiben des betreffenden Nachbarn wurde auf Wunsch des Bürgermeisters von Bauamtsleiter Thomas Fuchs vorgetragen. „Es müssen alle Sichtweisen offen dargelegt werden“, so Hans Eschlberger. 

Eine lebhafte, jedoch sehr sachliche Diskussion, die vom Bürgermeister besonders gewürdigt wurde, zeigte auf, dass es von den beiden Fachexperten noch viele Fragen speziell zu technische Details zum Schutzkonzept vor Hochwasser zu beantworten gab. Insgesamt sechs Schürfproben wurden im Rahmen der Sickermöglichkeit des Bodens anhand von Fotos aufgezeigt. 

Mitgroßer Stimmenmehrheit und nur zwei Gegenstimmen beschloss das Gremium dem vorliegenden Hochwasserschutzgutachten grundsätzlich zuzustimmen. Die Ergebnisse werden in dem aufzustellenden Bebauungsplan eingearbeitet. Die Veränderungssperre wird aufgehoben und das gemeindliche Einvernehmen bezüglich des vorliegenden Bauantrages von Thomas Berger auf Neubau von zwei Chalets und Erweiterung des vorhandenen Sanitärgebäudes erteilt unter der aufschiebenden Bedingung, dass das obere Retentionsbecken vor Baubeginn der Chalets gebaut wird. Gleichzeitig soll für das untere Becken ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren vorbereitet werden. 

Den nächsten einstimmigen Beschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanes und Einleitung der Verfahrensschritte „Frühzeitige Bürger- und Behördenbeteiligung“ betraf die Akzeptanz der vorgelegten Planungsentwürfe mit 25 Chalets, eines Pavillons als Seminargebäude, ein Badehaus mit Pool, fünf öffentliche Saunagebäude und zum Hochwasserschutz zwei große Rückhaltebecken. Außerdem beinhaltet die Planung die Verkehrserschließung der verschiedenen Gebäudeteile und eine Stellplatzanlage an der Nordseite des Grundstückes. Zugleich wurde in einem weiteren Beschluss die Verwaltung beauftragt, das formelle Bebauungsplanverfahren für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan zur Umwidmung des Campingplatzes in ein Feriendorf durchzuführen.

schl

Quelle: BGland24.de

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