Pläne für besseren Hochwasserschutz

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Entlang des Mühlstätter Grabens an der Kreisstraße BGL 18 bestehen bereits auf westlicher Seite bei Hochwasser Retetionsflächen in denen das abgeleitete Wasser später versickert.

Ainring - In der Gemeinde Ainring muss der Hochwasserschutz verbessert werden. Der Gemeinderat hat sich damit in seiner jüngsten Sitzung ausführlich beschäftigt.

Seit Jahren werden in der Gemeinde Ainring kontinuierlich Verbesserungen zum Hochwasserschutz durchgeführt. Dennoch hat der diesjährige sintflutartige Regen mit katastrophalen Folgen gezeigt, dass weitere Vorsorgemaßnahmen mit Wasserrückhaltebecken, ökologische Ausgleichs- und Sickerflächen nötig sind. Geplagt sind in der Gemeinde verschiedene Ortsteile vor allem durch steigendes Grundwasser. Den geschädigten Betroffenen unterstützend zur Seite zu stehen, beruht nicht nur auf deren massiven Forderungen an die Gemeinde zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Es ist schlichtweg das redliche Bemühen des Bürgermeisters und seiner Verwaltung, dass bei Wiederholung solcher witterungsbedingten Ereignisse nachteilige Auswirkungen für die Wohnbebauung künftig noch wirksamer begegnet werden kann.

Bürgermeister Hans Eschlberger und sein Mitarbeiterteam hatte zwischenzeitlich mit vielen Gesprächsterminen bei den maßgeblichen Stellen und intensiven Vorarbeiten einiges auf den Weg gebracht, vor allem betreffend den Sonnwiesgraben und Mühlstätter Graben.

Neues Sickerbecken

Wie das Gemeindeoberhaupt in der jüngsten Gemeinderatssitzung aufzeigte, ist der Grunderwerb für die Errichtung eines neuen Sickerbeckens im Bereich Schmiding in einer Größe von 3.000 Quadratmeter rechtskräftig getätigt. Zweck des neuen Sickerbeckens ist es, die aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung problematische Sickergrube - sogenannte Demei-Grube - an der B 304 außer Betrieb zu nehmen.

Für den Neubau und für das Verfüllen der bisherigen Grube ist ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren notwendig. „Wir halten ein hydrogeologisches Gutachten für unumgänglich. Aufgrund der massiven Forderungen der Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter Bürger ist mit hinreichender Sicherheit auszuschließen, dass das neue Sickerbecken nachteilige Auswirkungen für die Grundwasserproblematik in Perach und Heidenpoint haben kann. Demzufolge steht bei diesem Gutachten diese Frage an oberster Stelle", betonte der Bürgermeister.

Zusammenarbeit mit der TU München

Unabhängig davon wird von der Gemeinde angestrebt, mit Blick auf die „Gesamtproblematik Grundwasser" mit der TU München zusammenzuarbeiten. Die entsprechenden Vorarbeiten sind auf den Weg gebracht. Wie Eschlberger sagte, werden diese Vorbereitungen einer solchen Zusammenarbeit aufgrund der Komplexität der Materie einige Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb mache man den Vorschlag, die zur Realisierung des neuen Sickerbeckens notwendigen Erhebungen vorab an ein geeignetes Ingenieurbüro zu vergeben.

Die Räte waren einstimmig für den Vorschlag und beschlossen, die Verwaltung mit der Vorbereitung aller notwendigen Leistungen und Planungen, insbesondere die hydrogeologischen Fragestellungen zur Einleitung des wasserrechtlichen Verfahrens für das neue Sickerbecken zu beauftragen. Die Vergabe von Aufträgen erfolgt im Verwaltungs- und Finanzausschuss.

Oberlauf des Mühlstätter Grabens

Nach wie vor ist die Gemeinde ebenso bestrebt, möglichst weit im Oberlauf des Mühlstätter Grabens Sickermöglichkeiten zu erhalten, um die Grundwasserproblematik der nördlich gelegenen Ortschaften Heidenpoint/Perach zu lindern. Nachdem nun im kommenden Frühjahr die Fertigstellung der Erschließungseinrichtungen im Baugebiet Hofhuberanger möglich werden, sind folgende Überlegungen entstanden, die der Bürgermeister erläuterte. Teil der Erschließungsmaßnahmen sind dabei unter anderem auch die entlang des Mühlstätter Grabens geplanten ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. Dies betrifft eine vier Meter tiefe Fläche in etwa 100 Meter Länge entlang des Grabens. Die besagte Fläche befindet sich bereits im Gemeindebesitz. Hans Eschlberger verdeutlichte, dass die geplanten Bepflanzungsmaßnahmen angepasst werden müssten. Es wäre vorgesehen, die vier Meter tiefe Fläche so zu gestalten, dass neben dem normalen Bachgerinne eine Berme ausgestaltet wird, in die der Bachlauf bei steigendem Wasserstand eintritt und dort zusätzlich versickert.

Diese Möglichkeit hat die Gemeindeverwaltung mit der Unteren Naturschutzbehörde besprochen und von dieser Seite besteht grundsätzlich Einverständnis, wobei die geplante Pflanzliste entsprechend anzupassen ist, beispielsweise mit Verwendung von Schwarzerle. Notwendig sind die üblichen wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren. Hierzu gehört wiederum insbesondere auch ein hydrogeologisches Gutachten um mögliche schädliche Auswirkungen auf bestehende Wohngebäude auszuschließen. Auch in diesem Fall der Realisierung des neuen Sickerbeckens und Überprüfung des Sinns einer solchen Maßnahme soll ein Ingenieurbüro eingeschaltet werden.

Maßnahmen in Mitterfelden

Hans Galler machte auf Sicherungsmaßnahmen für den Ort Mitterfelden aufmerksam und erinnerte an die diesjährigen Auswirkungen im Bereich Kinderkrippe durch die Grundwasseranreicherung. Sepp Ramstetter hielt vom besprochenen Vorhaben nichts, denn zunächst werde Laub, Schlamm und Äste angespült und mache alles dicht. Das Geld für das Gutachten könne man sich sparen. Der Bürgermeister meinte, über Nutzen oder nicht sollte eine fundierte Gutachter-Aussage schon in Betracht gezogen werden., „denn wir sollten jeden Strohhalm einer neuen Sickereinrichtung ergreifen", freilich unter der Prämisse das Kosten-Nutzenverhältnis besonders zu prüfen. Mit Ausnahme von Ramstetters Gegenstimme lautete der Beschluss ökologische Ausgleichsflächen im Baugebiet „Hofhuberanger" zu schaffen mit dem Ziel einer weiteren neuen Sickerfläche entlang des Bachlaufes.

Weiteres Augenmerk galt dann der Erstellung einer Rückhaltefläche im Oberlauf des Sonnwiesgrabens – Bereich Eschlberg mit Beauftragung aller Planungsnotwendigkeiten im Rahmen eines Planfeststellungsverfahren. Hierzu erinnerte Bürgermeister Hans Eschlberger, dass nach den Hochwasserereignissen im Jahre 2002 der Gemeinderat beschlossen hatte, eine Studie erstellen zu lassen und ein langfristiges Konzept zu entwickeln, mit dem Ziel, Schritt für Schritt der Hochwasserproblematik zu begegnen. Eine entsprechende Studie, ausgearbeitet vom Ing.-Büro Aquasoli, wurde bereits im Jahr 2003 vorgelegt. Die Studie sieht für den Sonnwiesgraben drei Bauabschnitte vor. Zwei Bauabschnitte davon wurden bereits realisiert. Zum einen das Rückhaltebecken bei Eschlberg und zum anderen der Gewässerausbau bis zur Bundesstraße 304. „Ein Glücksfall war, dass wir seinerzeit hierfür sehr hohe staatliche Fördermittel bekamen", betonte der Rathauschef.

Der dritte Bauabschnitt betrifft nun eine Rückhaltefläche im Oberlauf des Gewässers und konnte bislang wegen Grunderwerbsschwierigkeiten noch nicht realisiert werden. Doch nun haben sich im Zusammenhang mit dem Grunderwerb für den Radweg Ainring – Thundorf die Grundstücksverhältnisse geändert. „Wir haben erneut verhandelt und ein positives Signal erhalten. Unter bestimmten Voraussetzungen, die vom Gemeinderat noch gesondert beschlossen werden müssen, rückt diese Projekt in greifbarer Nähe. Dann könnten durch bauliche Maßnahmen künftig weitere große Retentionsflächen geschaffen werden."

Zustimmung zu Plänen des Bürgermeisters

Nachdem ÜPW-Fraktionssprecher Martin Strobl einen Antrag stellte galt von ihm und auch anderen Räten der spezielle Dank an den Bürgermeister für die geleistete Arbeit in dieser Angelegenheit. Hans Galler fand jedoch, man hätte dieses Konzept schon 2003 ins Auge fassen können.

Alle Hände im Gremium hoben sich zustimmend eine Rückhaltefläche im Oberlauf des Sonnwiesgrabens zu schaffen. Für das Projekt sollen die notwendigen Arbeitsvorgänge, wie mögliche Förderanträge und Planungsfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Schließlich ging es für Mühlstätter Graben und Sonnwiesgraben um Verbesserung der Unterhalts- und Grabenräumungsarbeiten. Bislang werden diese Arbeiten vom gemeindlichen Bauhof im Rahmen des üblichen Gewässerunterhaltes in einem halbjährlichen Turnus vorgenommen. Dabei wurde seitens der Verwaltung hingewiesen, dass die Arbeiten aufgrund eines fehlenden Bewirtschaftungsstreifens nur zu bestimmten Zeiten erledigt werden können, und zwar, wenn auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen abgeerntet ist und die Witterung diese Arbeiten zulässt. Der Bürgermeister argumentierte, eine weitere Intensivierung sei durch den gemeindlichen Bauhof in Eigenleistung nicht mehr möglich. Deshalb hole man Angebote ein, um diese Arbeiten zu vergeben, verbunden mit einer Vorgabe, wie häufig unter Beachtung landwirtschaftlicher Belange und naturschutzrechtlicher Vorgaben zu mähen bzw. zu räumen sei. Für solche Aufgabenstellungen wäre ein Landschaftspflegeverband von großem Vorteil, dementsprechend die Schaffung eines Pflegeverbandes sinnvoll.

Sepp Ramstetter brachte den Maschinenring ins Gespräch, außerdem könnte manches wesentlich günstiger in Eigenleistung und Eigenverantwortung von Gemeindebürgern unter dem Motto „so kemman de Nachbarn zsamm" lösen. Solche gemeinsame Aktionen gibt es in der Gemeinde. Der Bürgermeister und Herbert Meigel erinnerten diesbezüglich an diesjährige Landschaftssäuberungen durch die Pfadfinder Mitterfelden und Franz Schaider aus Perach.

Laut Beschluss werden für die Unterhalts- bzw. Grabenräumungsarbeiten am Mühlstätter Graben sowie am Sonnwiesgraben Angebote eingeholt, mit der Absicht, die Arbeiten künftig fremd zu vergeben.

schl

Quelle: BGland24.de

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