Ob dieser Mordfall jemals aufgeklärt wird?

Mythos Ötzi: Steinzeitsiedlungen von Ainring erneut im Visier der Ermittler

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Ötzi
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Ainring - War der Ötzi nun in Bayern oder nicht? Die Klärung dieser Frage scheint immer mehr mit der Steinzeitsiedlung in Ainring in Zusammenhang zu stehen. Nun ist ein neues Buch zu diesem Thema erschienen:

"Der Auhögl in Ainring" -  So heißt die Steinzeitsiedlung im Berchtesgadener Land, in der man viele wertvolle Kulturfunde machte. Auch mit dem Ötzi wird sie immer wieder in Verbindung gebracht

"Ich hätte nie daran gedacht, dass Ainring jemals mit Ötzi in Verbindung gebracht und gleichzeitig in einer 'steinzeitlichen Mordtheorie' eine Rolle spielen könnte", so Hans Eschlberger, der 1. Bürgermeister der Gemeinde Ainring im Gespräch mit BGLand24.de

Alles dreht sich um eine Pfeilspitze

Die Pfeilspitze vom Auhögl

Neue Analysen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Gletschermann vom Tisenjoch zu seinen Lebzeiten auch Bayern besucht hat. Besondere Bedeutung haben Funde aus dem Chiemgau. Darunter ist auch eine Pfeilspitze aus Ainring im Berchtesgadener Land. Auch in seinem neuen Buch „Menschen, Steine und Geschichte(n)“, das am 1. Mai im Oberpfälzer Bogner Verlag erscheint, setzt der gebürtige Wasserburger Alexander Binsteiner, früher Chefgeologe im Eismannprojekt an der Universität Innsbruck, seine Spurensuche im Fall Ötzi fort. 

"Die aktuellen Ergebnisse zeigen ohne Zweifel, dass die Kombination, der an verschiedenen Fundorten der Altheimer Kultur in Bayern gefundenen Artefakte exakt der Ausrüstung entspricht, die der Ötzi bei sich hatte, als er am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen ermordet wurde. Dazu gehören ein Kupferbeil, ein Feuersteindolch, zwei Pfeile und drei Feuersteinklingen, die er in einer Gürteltasche trug", so der Geologe.

Selbst ein Exemplar der gelochten Marmorscheibe, ein sogenannter Hühnergalgen zur Befestigung von erlegtem Kleinwild am Gürtel, fand sich unlängst direkt am Altheimer Erdwerk bei Landshut. Damit wäre das typische Ausrüstungsset der Ötzi-Ära am Ende des vierten vorchristlichen Jahrtausends komplett. 

War Ötzi ein Kupferhändler?

Die Ausrüstung vom Ötzi

Auch in Ainring im Berchtesgadener Land gab es zuzeiten des Ötzi eine große Siedlung der Altheimer Kultur. Hier fand sich eine der hierzulande sehr seltenen Pfeilspitzen aus dem oberitalischen Feuerstein der Lessinischen Berge mit einem sogenannten Schäftungsdorn. "Das Stück war also eindeutig von den Zeitgenossen des Ötzi importiert worden", so Alexander Binsteiner. Aus Grabenstätt am Chiemsee kannte man bereits eines der charakteristischen Kupferbeile der italienischen Remedello-Kultur

Für Alexander Binsteiner steht damit fest, die Zeitgenossen des Ötzi waren bei uns im nördlichen Voralpenland: "Nicht nur in Bayern, sondern auch in Ober- und Niederösterreich und der Schweiz gibt es zahlreiche Ötzi-Geräte. Ein Grund, warum der Eismann und seine Gefährten bei uns gewesen sein könnten, wären die reichen Kupferlagerstätten am Mitterberg im Salzburger Pongau. Vielleicht waren es Kupferhändler und Prospektoren, die auf der Suche nach neuen Ressourcen und Kontakten waren", so der Geologe. 

Unmengen von Spekulationen

Das Kupferbeil vom Ötzi

Über das Motiv der Bluttat am Tisenjoch vor über 5000 Jahren ist schon viel spekuliert worden. Auch hier hat Alexander Binsteiner eine Vermutung: "Es könnte in einem der Kupferzüge dabei gewesen sein, die über die Alpen gingen, der am Tisenjoch überfallen wurde. Der Ötzi war vielleicht einer der bewaffneten Kupferhändler. Sein wertvolles Kupferbeil, das er bei sich hatte, als er durch einen Pfeilschuss in den Rücken starb, war Waffe und Statussymbol zugleich. Seine Gefährten bestatteten den Toten am Pass mit seiner gesamten Ausrüstung unter freiem Himmel. Auch das kostbare Beil ließen sie bei der Leiche zurück. 

Die Aufklärung eines Mordfalles aus der Steinzeit bleibt nach wie vor schwierig. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass der Ötzi selbst in Bayern war, ist sehr hoch. Dafür spricht die perfekte und vollständige Übereinstimmung der bei uns gefundenen Artefakte mit der Ausrüstung des Eismannes", so Alexander Binsteiner im Gespräch mit BGLand24.de

Es bleibt spannend, was noch alles über Ötzi - den Mann aus dem ewigen heraus herausgefunden wird und ob dieser Mordfall jemals komplett aufgeklärt wird.

Quelle: BGland24.de

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