Nach wie vor umstritten

Der Mord an Ötzi: "Welche Schlüsselrolle spielt Ainring?"

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Ainring - Das Wissenschaftsmagazin „Bayerische Archäologie“ greift in dem Themenschwerpunkt „Alpenarchäologie“ erneut den Mordfall Ötzi auf. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Funde von Ainring:

"Ich hätte nie daran gedacht, dass Ainring jemals mit Ötzi in Verbindung gebracht und gleichzeitig in einer „steinzeitlichen Mordtheorie“ eine Rolle spielen könnte", so Hans Eschlberger, der 1. Bürgermeister der Gemeinde Ainring. Und ergänzt: "Wieder ein Beweis dafür, dass selbst Vor- und Frühgeschichte nicht nur interessant, sondern auch spannend sein kann. Ich bin schon neugierig, was in dem historischen Mordfall noch alles zum Vorschein kommt."

Wie kommst es zu dieser Aussage?

In der jüngsten Ausgabe des international renommierten Wissenschaftsmagazines „Bayerische Archäologie“ (Pustet Verlag Regensburg) wird in dem Themenschwerpunkt „Alpenarchäologie“ erneut der Mordfall Ötzi aufgegriffen. Eine Schlüsselrolle spielen die Funde von Ainring im Berchtesgadener Land und von Grabenstätt am Chiemsee.

„Ötzi Artefakte - auf beiden Seiten der Alpen“

So titelt das viel gelesene Magazin. Die Ermordung Ötzis sei noch immer ein heiß diskutierter Streitpunkt: Warum ging der im 4. Jahrtausend v. Chr. lebende Mann über Hochgebirgspässe? Antworten könnten die Artefakte liefern, die Ötzi mit sich führte. Denn die Silexgeräte und -pfeilspitzen bestehen aus italienischem Feuerstein, der sich auch bei zeitgleichen Objekten aus Bayern findet. Noch bedeutender aber scheint der Handel mit Kupfer gewesen zu sein. So könnte Ötzi die reichen Kupfervorkommen in Nordtirol und im Salzburger Land als Ziel gehabt haben. Sein eigenes Kupferbeil stammt hingegen wohl aus der Toskana – wurde er deswegen ermordet?

Die Pfeilspitze aus Ainring

Beweise für diese These lieferte unlängst der deutsche Geoarchäologe Alexander Binsteiner, ein gebürtiger Wasserburger, der unter Konrad Spindler ab 1993 als Chefgeologe im Eismann-Projekt an der Universität Innsbruck tätig war. Eine einzigartige Pfeilspitze aus der jungsteinzeitlichen Siedlung am Auhögl bei Ainring wurde ohne Zweifel aus dem Feuerstein der Lessinischen Berge in der Provinz Verona zu Lebzeiten des Ötzi hergestellt. Sie hat einen sogenannten Schäftungsdorn und ist mit 2,8 cm genauso lang wie die tödliche Spitze in Ötzis linker Schulter. Der Täter im Fall Ötzi könnte also auch aus dem Norden an den Todesort des Ötzi am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen aufgestiegen sein. Damit kann der Täterkreis erheblich erweitert werden. Das Kupferbeil mit aufgehämmerten Randleisten von Grabenstätt am Chiemsee entstammt eindeutig der norditalienschen Remedello-Kultur. Nur dort wurden in der Ötzi-Ära Beile dieser Art hergestellt. 

Die Beile vom Chiemsee

Die Beile im Nördlichen Alpenvorland in der oberösterreichischen Mondseekultur und der bayerischen Altheimer Kultur waren flach und hatten keine Leisten. Das Remedello-Beil vom Chiemsee ist ein sicherer Beleg, dass die norditaliensichen Händler und Prospektoren bei uns waren. Die Triebfeder der Steinzeitmenschen in die Todeszone der Alpen vorzustoßen und den Alpenhauptkamm zu überqueren könnten unsere reichen Kupfervorkommen gewesen sein. Mehr dazu finden Sie unter www.bayerische-archaeologie.de

Außerdem gibt es eigenes Heimatbuch von Dr. Dr. Günther E. Thüry, dass bei der Gemeinde Ainring erhältlich ist. Das Buch befasst sich mit der Archäologie von der Steinzeit bis ins Mittelalter in der Gemeinde Ainring. Darin sind auch die Funde vom Auhögl dokumentiert.

Quelle: BGland24.de

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