Er war Fortbilder bei Polizeischule in Ainring

Reichsbürger-Kontakte: Polizist Harald Schreyer jetzt entlassen

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Erster Polizeihauptkommissar Schreyer als Redner vor der "Heimatgemeinde Chiemgau" im Februar 2016. Nach unserer Berichterstattung wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet - das nun mit der Entlassung endete. 
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Ainring/München - Er bezeichnete sich als "Bindeglied" zu den Reichsbürgern, jetzt wurde der Erste Polizeihauptkommissar Harald Schreyer endgültig entlassen. Den Anstoß dazu gab unsere Berichterstattung.

"Wer vom Gedankengut der 'Reichsbürger' überzeugt ist, der gehört nicht zur bayerischen Polizei und hat dort nichts zu suchen", stellte Innenminister Joachim Herrmann am Montag in München klar - und gab dabei die Entlassung zweier hochrangiger Polizisten bekannt: Einer davon ist Harald Schreyer, wie die Redaktion aus Polizeikreisen erfahren hat. Schreyer war Seminarleiter im Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei in Ainring.

Auftritt vor Chiemgauer Reichsbürgergruppe wird Schreyer zum Verhängnis

Dass er mit den Reichsbürgern sympathisiert, die inzwischen auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden, war der Polizei schon länger klar. 2015 gab er dem Verschwörungstheoretiker Jo Conrad ein InterviewZu viel wurde es dem Innenministerium allerdings, als Schreyer im Februar 2016 vor der "Heimatgemeinde Chiemgau"  bei Bad Endorf auftrat. chiemgau24.de war vor Ort und berichtete von Schreyers Auftritt vor rund 80 Leuten

"Ihr wisst doch selber wie die BRD funktioniert. Muss ich dazu noch was sagen?", zeigte sich der Erste Polizeihauptkommissar auf Augenhöhe mit der esoterisch und rechtsradikal-angehauchten "Heimatgemeinde". Er gab den Reichsbürgern auch noch gut gemeinte Tipps im Umgang mit den Beamten. "Wenn solche Netzwerke (wie die Reichsbürger, Anm.) größer werden, dann zerbröselt das System irgendwann", so Schreyer.  Er wolle ein "Bindeglied" zwischen der "Heimatgemeinde" und der Polizei sein, so Schreyer im Gespräch mit der Redaktion nach der Veranstaltung.

Disziplinarverfahren abgeschlossen: Polizist Schreyer ist entlassen

Daraufhin leitete die Polizei ein Disziplinarverfahren gegen Schreyer ein. Bei der Ainringer Polizeischule durfte er seitdem nicht mehr unterrichten, er erhielt jedoch noch die Bezüge. Das Verfahren gegen Harald Schreyer war dabei auch ein Präzedenzfall: Als Erster Polizeihauptkommissar - die oberste Stufe im gehobenen Dienst - war er der Polizist mit dem höchsten Dienstgrad, dem bei der bayerischen Polizei je Kontakte zur Reichsbürger-Szene nachgewiesen wurden.

Harald Schreyer bei der "Heimatgemeinde Chiemgau" in Hemhof/Bad Endorf.

Der "Antrag zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis" gegen Schreyer kommt der Entlassung gleich. "Er wird ihm demnächst zugestellt, aber es gibt noch die Möglichkeit des Einspruchs. Rechtskräftig ist der Antrag somit noch nicht", heißt es von Seiten der Polizei. Das Disziplinarverfahren gegen Harald Schreyer endete somit mit der härtestmöglichen Sanktion - auch ein Verweis, eine Geldbuße, eine Kürzung der Dienstbezüge oder eine Degradierung wären theoretisch denkbare Strafen gewesen. 

Im Chiemgau fielen die Reichsbürger bisher nur durch selbstgebaute grüne Nummernschilder auf den Autos auf. Der tödliche Angriff auf Polizeibeamte im fränkischen Georgensgmünd im August 2016 rückte die "Reichsbürger" dann aber bundesweit in den Fokus. Umso schockierender, dass einige davon auch bei der Polizei selbst beschäftigt sind und für einen Staat arbeiten, den sie eigentlich ablehnen und leugnen. Je nach Schattierung akzeptieren die Reichsbürger den deutschen Staat nur in den Grenzen von 1871 oder 1937

xe

Quelle: BGland24.de

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