Sinnlosigkeit von Gewalt angeprangert

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Ainring - Der Volkstrauertag im Pfarrverband der Gemeinde Ainring war einmal mehr Anlass zu eindrucksvollen Gedenkfeiern.

Der Volkstrauertag im Pfarrverband der Gemeinde Ainring war auch heuer mit Kranzniederlegungen und Ansprachen an den Kriegerdenkmälern Anlass zu eindrucksvollen Gedenkfeiern. Sowohl in Feldkirchen als auch in Ainring und Thundorf stellte die 2. Kompanie des Fernmeldebataillons 210 aus Bad Reichenhall als Partnerkompanie der Gemeinde Ainring Ehrenwachen. Auch Kompaniechef Hauptmann Falko Heckenthaler und sein Spieß Oberstabsfeldwebel Anton Syhra zeigten ihre Verbundenheit mit persönlicher Teilnahme an der Gedenkfeier in Feldkirchen.

In Feldkirchen war es Pfarrer Wernher Bien, in Ainring Diakon Ulrich Portisch und in Thundorf Hans-Hermann Holm-elin, die jeweils den Gottesdienst zelebrierten, sowie anschließend an der Kriegerehrenmälern im Gebet der Verstorbenen, Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege gedachten und die Sinnlosigkeit von aktuellen Kriegsschauplätzen, Terror und Gewalt anprangerten. Abordnungen der örtlichen Musikkapellen begleiteten die kirchlichen Feiern und intonierten beim Libera das „Lied vom guten Kameraden", während Vereinsabordnungen die Fahnen senkten und traditionsgemäß drei Böllerschüsse aus der Salutkanone abgegeben wurden.

Kranzniederlegungen als Zeichen der Trauer, aber auch in ehrender Erinnerung und Mahnung zum Frieden, erfolgten im Namen der Gemeinde Ainring durch 1. Bürgermeister Hans Eschlberger in Feldkirchen, 2. Bürgermeisterin Gabriele Noreisch in Ainring und 3. Bürgermeister Gerhard Kern in Thundorf, zudem durch Abordnungen aus örtlichen Krieger- und Reservistenvereinen, Soldatenkameradschaft, den VdK sowie Repräsentanten der Bundeswehr, vertreten durch die Partnerkompanie.

Volkstrauertag in Ainring

Mahnung, Hoffnung, Verpflichtung

In Feldkirchen erinnerte 1. Bürgermeister Hans Eschlberger an ein Zitat des Friedensnobelpreisträgers und Missionar der Menschlichkeit, Dr. Albert Schweizer: „Die Soldatengräber sind die größten Prediger des Friedens". Eschlberger fügte dem hinzu: „Nicht nur Soldatengräber, sondern auch der Volkstrauertag und dieses vor genau 60 Jahren entstandene Kriegerdenkmals bei der Mariensäule an der wir versammelt sind, sind Prediger des Friedens, auch 67 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges." Die Botschaft, im Bezug auf die gefallenen Soldaten beider Weltkriege in Stein gemeißelt, sei heute genauso gültig wie damals: „Eure Ehre ist unsere Ehre, Euer Opfer unsere Verpflichtung, Frieder unser Ziel." Der Bürgermeister: „Ich denke, besser und treffender kann man den Sinn des heutigen Volkstrauertages nicht beschreiben."

Wie Eschlberger weiter ausführte, bleibe der Volkstrauertag ein Tag der Mahnung und gleichzeitig der Hoffnung. Der Hoffnung nämlich, dass die Menschen aus der Geschichte lernen, damit sie sich in ihren dramatischen Elementen nicht wiederhole. Die Toten mahnen, nicht zu vergessen. Der Volkstrauertag sei aber nicht nur ein Tag der Toten, sondern auch der Lebenden. „Er bringt uns zum Nachdenken". So gesehen sei dieses Krieger-Gedächtnis-Ehrenmal ein Ort, der den Toten eine Stimme gebe, wo diese uns sagen, was sie gesehen, erlebt, erlitten haben – und welchen Auftrag sie uns heute erteilen. Ihr Vermächtnis heiße Frieden. Diese Forderung sei aber von der aktuellen Wirklichkeit noch weit entfernt.

Kriege und Terror laute auch heute noch vielerorts die bittere Realität. „Wir alle tragen die Verantwortung dafür, dass aus der trauernden Erinnerung die Entschlossenheit wächst, und der persönliche Einsatz, den Frieden in uns selber, in unserem Land, in Europa und in der ganzen Welt zu bewahren und zu sichern", betonte Hans Eschlberger. Er dankte an dieser Stelle ausdrücklich den deutschen Soldatinnen und Soldaten, die sich dafür einsetzen, Frieden, Freiheit und Menschenwürde zu bewahren und zu schützen. Sie würden fern der Heimat ihr höchstes Gut, nämlich Gesundheit und Leben einsetzen. Mit diesen Worten verband das Gemeindeoberhaupt die Bitte an die anwesenden Vertreter der Patenkompanie, den Soldaten weiter zu vermitteln, wie sehr der verantwortungsvolle Einsatz anerkannt und respektiert wird.

Einsätze der Bundeswehr in Krisenländern

2. Bürgermeisterin Gabriele Noreisch zeigte in Ainring nach einer Israelreise vor zwei Jahren ihre Betroffenheit über die dortigen aktuellen erschreckenden kriegerischen Vorgänge, aber auch in Syrien und in den afrikanischen Kriegsgebieten, wo viele Unschuldige ihr Leben lassen. „Und wer weiß von uns, wo ein Krieg endet", hinterfragte sie. Sie leitete dann über auf den Volkstrauertag, an dem man sich in Deutschland seit 1952 der Kriegstoten sowie Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen erinnere.

Besonders richte sich das Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege hier aus Ainring und der ganzen Gemeinde. Aber die Erinnerung gelte auch allen Opfern von Krieg und Gewalt in der Vergangenheit – wie in der Gegenwart. Gabriele Noreisch mahnte an im Hinblick auf Terror und Fanatismus trotz 67 Jahre Leben in Frieden hierzulande den Blick für die Gegenwart und Zukunft zu schärfen. In den weltweiten Krisenländern seien deutsche Soldaten unter Einsatz ihres Lebens mit dem Auftrag stationiert, den Frieden zu sichern.

„Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern", so appellierte 1952 der damalige Bundespräsident Theodor Heuss. Diese Worte verband die 2. Bürgermeisterin damit, dass der Frieden beginne in den Familien, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde. Nur wer im Kleinen durch Respekt und Solidarität den Mitmenschen begegne, könne auch im Großen die Hoffnung auf Frieden weiter bestehen. Gewaltlosigkeit vorleben und die Würde des anderen achten, Toleranz und Versöhnung zeigen, so könne jeder zu Völkerverständigung und Frieden beitragen, „damit auch unsere Kinder und Enkelkinder in Frieden und Freiheit leben können".

Vergangenheit darf nicht vergessen werden

In Thundorf verwies 3. Bürgermeister Gerhard Kern mit Blick auf die zahlreich Versammelten, dass deren Anwesenheit dokumentiere, wie wichtig ihnen der Volkstrauertag sei zum würdigen Andenken an alle, die Opfer von Hass, Krieg und Gewalt geworden seien. Damit verband Gerhard Kern seinen Dank aus deshalb, weil dieses Gedenken leider gar nicht mehr selbstverständlich sei. Zeitzeugen der beiden Kriege des letzten Jahrhunderts in unserem Land gebe es immer weniger. Gleiches gelte für betroffene Familien und Angehörige. Krieg und dessen Folgen gerate in Vergessenheit, denn 67 Jahre Frieden, von 1945 bis heute, so eine lange Friedenszeit habe es in Mitteleuropa zuvor noch nie gegeben. „Gerade weil Frieden bei uns so selbstverständlich und Krieg so weit entfernt scheint, ist es wichtig immer wieder der Opfer von Krieg und Terror zu gedenken. Die Vergangenheit darf nicht vergessen werden. Das Erinnern gehört zu unserem Menschsein. Denn wer nicht mehr der Opfer gedenkt, wer verschweigt oder verdrängt, der begibt sich in die Gefahr, Fehler zu wiederholen", so der 3. Bürgermeister.

Gerhard Kern erinnerte, die Auslandseinsätze der Bundeswehr hätten wieder deutlicher gemacht, was Krieg heiße und der auch näher heranrücke. „Lassen Sie uns deshalb heute vor allem nicht vergessen, dass zur selben Zeit, wo wir hier stehen, auch deutsche Soldatinnen und Soldaten in einem Krieg in Afghanistan verwickelt sind und sich an vielen anderen Stellen der Welt im Einsatz befinden. Wir haben alle die Bilder in Erinnerung, wie auch junge Deutsche aus einem Einsatz in einer fernen Region in einem Sarg heimkehren. Oft wird vergessen,, dass zurzeit über 7.000 junge deutsche Bundeswehrangehörige im Ausland eingesetzt sind. Uns muss klar sein, dass uns Frieden und Freiheit nicht geschenkt werden oder gar selbstverständlich sind. Wir alle müssen dafür etwas tun – und das beginnt auch im Kleinen, für jeden in seinem eigenen, unmittelbaren Umfeld."

Sich erinnern heiße nicht, sich in die Vergangenheit vergraben. Sich erinnern heiße vielmehr, sich in der Gegenwart tatkräftig für eine friedvolle und menschliche Gesellschaft zu engagieren. Gerhard Kern beendete seine Ansprache mit dem mahnenden Hinweis: „Lernen wir aus der Vergangenheit für die Zukunft. Begreifen wir die Sinnlosigkeit von Krieg, Terror und Gewalt.. Werden wir nicht müde, zu erinnern, zu mahnen und dabei Fragen zu stellen und Antworten zu suchen."

schl

Quelle: BGland24.de

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