"Viele Gründe gegen Olympia-Bewerbung"

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Einig gegen Olympia: Grünen-Kreissprecher Dr. Bernhard Zimmer und sein Vorgänger Franz Eder

Anger - Klare Ansage: Der Grünen-Kreisverband Berchtesgadener Land spricht sich einhellig gegen „den Größenwahn von Olympischen Spielen“ aus.

„Wir unterstützen den Breitensport, aber wir sind gegen den Größenwahn von Olympischen Spielen“, fasste Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer die Haltung des Kreisverbandes zur Münchner Olympiabewerbung 2022 zusammen. Einstimmig hatten sich vorher die Teilnehmer der kürzlichen Kreisversammlung auf der Fürmannalm (wir berichteten) für die Unterstützung des Aktionsbündnisses „NOlympia“ ausgesprochen.

Kreisrat Edwin Hertlein erinnerte daran, dass sich das Berchtesgadener Land bereits zum sechsten Mal für Olympische Winterspiele bewerben will. „Außer der Verschwendung von Steuergeldern hat es bisher nichts gebracht“, resümierte Hertlein. Es habe weder wirtschaftliche Impulse gegeben, noch sei ein spürbarer Werbeeffekt für den Tourismus zu beobachten gewesen. Zum bevorstehenden Bürgerentscheid meinte Hertlein: „Hier vermisse ich den sportlichen Fairnessgedanken der Pro-Olympioniken. Es wäre rechtlich leicht möglich gewesen, in dem steuerfinanzierten Bewerbungs-Flyer, der zusammen mit den Abstimmungsunterlagen an alle Haushalte verschickt worden ist, auch die Contra-Argumente unterzubringen.“ Leider sei ein diesbezüglicher Grünen-Antrag, mit Ausnahme der ödp, von allen Kreistagsfraktionen abgelehnt worden. Überhaupt handle es sich im Vorfeld des Bürgerentscheids um einen Kampf „David gegen Goliath“. „Mit der geballten Kraft von Politik, Wirtschafts- und Sportverbänden und ausgestattet mit einem Millionen-Etat wird für Olympia geworben“, so Hertlein. Ganz aussichtslos sei dieser Kampf aber nicht, verwies der Referent auf das Beispiel „Graubünden“, wo sich in einem Volksentscheid die Bürger gegen die Winter-Olympiade ausgesprochen hätten.

„Das jetzige Bewerbungskonzept ist besser, als das für 2018“, räumte Hertlein ein und begründet dies vor allem damit, dass Ruhpolding in die Planung miteinbezogen worden sei. Inzell bleibe allerdings nach wie vor „draußen“, weil die bestehende Eislaufhalle lediglich als Pressezentrum vorgesehen sei. Stattdessen solle in München eine neues Eis-Stadion entstehen und nach den Spielen wieder abgerissen werden. Stark in Zweifel zog Hertlein das Argument, dass mit der Olympiade eine Stärkung der Wirtschaftskraft einhergehe. Als abschreckende Beispiele führte er die ehemaligen Olympiastädte Vancouver und Turin an, die beide auf riesigen Schuldenbergen sitzengeblieben seien. Als ein gewichtiges Argument der Olympia-Gegner führte Hertlein schließlich die „Knebelverträge“ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an, die dem Gastgeberland aufgezwungen würden. „Diese Verträge setzen bestehendes Landesrecht de facto außer Kraft und gewähren dem IOC uneingeschränktes Zugriffsrecht bis in kleinste Detail.“

Auf Nachfrage von Willi Alt erläuterte Kreisrat Winfried Köpnick, dass der Etat für die erneute Olympia-Bewerbung bei 400.000 Euro liege. Elisabeth Hagenauer zog in Zweifel, ob die in jüngster Vergangenheit mit einem Aufwand von 23 Millionen Euro sanierte Bob und Rodelbahn auch den Ansprüchen von 2022 noch genügen würde: „Bedenkt bitte, bis dahin sind es noch neun Jahre!“ Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer appellierte, unbedingt beim Bürgerentscheid am 10. November teilzunehmen, „denn wenn das Quorum nicht erreicht wird, geht die Entscheidung wieder zurück an den Kreistag – und da sind ja die Mehrheitsverhältnisse bekannt“. „Wir sind für den Sport, aber es spricht nichts dafür, für ein kurzes Spektakel Landschaft zu verbrauchen, wirtschaftliche Risiken einzugehen und rechtsfreie Räume zuzulassen“, fasste Zimmer zusammen. In einem einstimmigen Votum beschlossen die Versammlungsteilnehmer, das Aktionsbündnis „NOlympia“ uneingeschränkt zu unterstützen.

Abschließend verwies Bernhard Zimmer auf eine Veranstaltung am 29. Oktober in Berchtesgaden. „Wie und warum „Graubünden 2022“ abgewählt wurde“ – zu diesem Thema spricht Stefan Grass, Leiter der dortigen Kampagne im Gasthaus „Goldener Bär“.

nh

Quelle: BGland24.de

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