So is des, mit dem Klo

Freilassing - Die Bahn schließt das Bahnhofsklo in Freilassing und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kommt, um zu demonstrieren. Auch anderen Freilassingern ist die Situation ein Dorn im Auge.

Die öffentliche Toilettenanlage im Bahnhof Freilassing ist eigentlich schon seit vielen Jahren ein Trauerspiel. Nicht erst mit der endgültigen Schließung der Bedürfnisanstalt in einem Zentralbahnhof, wo unzählige Berufspendler und Touristen warten, um zu ihren Arbeitsplätzen und Urlaubsorten zu kommen, begann die Misere, sondern mit dem andauernd unmöglichen Gesamtzustand.

Der Drang musste schon übermächtig sein, um den Weg in den Keller zu wagen. Die Optik der Schüsseln und Becken bot nicht zum Verweilen – vorausgesetzt sie waren überhaupt benützbar und nicht gesperrt. Das Waschen der Hände konnte zwar in kaltem Wasser erfolgen, aber ein Abtrocknen leider nicht. Sollte sich der Kunde deshalb nicht eine Verbesserung erwarten dürfen?

Weit gefehlt – kurzerhand schloss die Bahn ersatzlos die Toilettenanlage. Als Begründung nannten die Verantwortlichen, dass keine Verpflichtung zum Betrieb bestehen würde und sich die Reisenden ja in den Zügen entleeren könnten. Und damit ist Freilassing kein Sonderfall, da die Regelung bundesweit für alle Bahnhöfe gilt. So musste wie auch in anderen Städten der Steuersäckel herhalten.

Der Stadtrat beschloss, für den Erhalt und Wiederbetrieb der Toiletten Gelder zur Verfügung zu stellen. Kaum vereinbart, war die Anlage erneut geschlossen – und diesmal für dauernd. Denn die Bahn erweiterte zur Gewinnoptimierung in einer für sie ungewöhnlichen Schnelligkeit die Buchhandlung und den Kioskbereich. Schon die kleinsten Gaststätten und Einkaufsbereiche müssen nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für ihre Kunden eigene WC-Anlagen anbieten. Nicht jedoch die Bahn, die hier einen absolut unverständlichen Freiraum genießt.

Es darf nicht sein, dass nur der „Rubel“ rollen soll und der Service bei einem angeblich kundenfreundlichen Unternehmen so an den Rand gestellt wird. Mit ihrem angeschlagenen Image sollte sich die Bahn AG wirklich nicht diese Blöse leisten. Der Hinweis auf die städtischen Toiletten am anderen Ende der Unterführung sind bei einer gefüllten Blase notleidender Menschen kaum ein tragendes Argument.

Bereits am 17.05.2010 habe ich im Stadtrat aufgrund Hinweisen von Bürgern nachgefragt, wie sich die kommunale Unterstützung auswirke und ob mit einem Ende der „Bieselanlage“ zu rechnen ist. Mir wurde dabei eine Prüfung und Zuversicht signalisiert. Und tatsächlich – bei den Besuchen von Bahnchef Grube und Bundesminister Ramsauer zum Jubeltag in der Lokwelt schien Bewegung in die Sache zu kommen. Aber was sind die Proteste zigtausender aufgebrachter Personen in Stuttgart gegen den Abriss des Kopfbahnhofes gegenüber dem „Bieselverbot“ in Freilassing.

Vielleicht überfiel Verkehrsminister Ramsauer ebenfalls ein menschliches Bedürfnis, als er nach Urlaubsende auf dem Weg nach Berlin im Bahnhof Freilassing einen Zwischenstopp einlegte. Flugs waren die Kameras des Rosenheimer Fernsehens und Medienvertreter vor Ort, als er sein Entsetzen über das Fehlen von Toiletten im Bahnhof zum Ausdruck brachte. Oftmals steckt in der Presse ein mächtiger Motor, der Bewegung in die unendlich traurige Geschichte der Notdurft bringen kann. Ich hoffe nur, dass Dr. Peter Ramsauer bei seiner Ankunft in der Bundeshauptstadt sich trotz Sparzwänge noch an sein Abhilfeversprechen erinnert.

Fritz Braun, Freilassing

Quelle: BGland24.de

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