Bringt telent Elend?

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Rund 250 Interessierte lockte das Thema Digitalfunk/Tetrafunk in die Salzachhalle Laufen.

Laufen - Die Informationsveranstaltung über den geplanten Tetra-Funk-Sendemasten in Laufen hat mehr Interessierte in die Salzachhalle gelockt als die Bürgerversammlung.

Das stellte zumindest Bürgermeister Hans Feil bei seiner Begrüßung fest. Rund 250 Interessierte waren gekommen, um Befürworter und Gegner zum Thema Tetrafunk zu befragen.

Roland Radler kommuniziert das Thema Digitalfunk/Tetrafunk in den Gemeinden. Er betonte bei der Informationsveranstaltung, dass das Bayerische Innenministerium von Anfang an um Transparenz bemüht gewesen sei, weswegen die Standortsuche auch direkt vor Ort diskutiert werde. Es war nicht das letzte Mal, dass der ehemalige Polizeibeamte dafür von den Gegnern ein Lachen erntete. Sie fühlen sich vor allem schlecht beraten, schlecht beraten mit dem Tetrafunk. "Gibt es keine Alternative?" trat immer öfter die Frage auf, die Antwort blieb die Gleiche: "Der Digitalfunk wird bundesweit eingeführt. Er wird kommen und 2013 senden. Wenn wir in Laufen keinen Sendemast aufstellen, benötigen wir mobile Funkstationen."

"Es gibt Alternativen zum Digitalfunk", ist sich Baubiologe Siegfried Zwerenz sicher.

So einfach sind die Laufener aber nicht bereit, diese politische Entscheidung hinzunehmen. Siegfried Zwerenz, seinerseits Heilpraktiker und Baubiologe, stocherte in den offenen Wunden. Es gebe Alternativen zum Digitalfunk, ist er sich sicher. "Wir sind vertraglich verpflichtet", betonte Radler daraufhin noch einmal. "Der Digitalfunk ist alternativlos." Das sehen auch Polizeibeamte und Feuerwehrmänner so. Peter Lebek von der Polizeiinspektion Laufen betonte nach einer längeren Diskussion, die Polizei brauche den neuen Funk, da der 'alte' Analogfunk viele Mängel aufweise, die dringend behoben werden müssten, um mehr Sicherheit und schnellere Hilfe für die Bürger zu gewährleisten. Auch Kreisbrandrat Rudi Zeif sprach für den Digitalfunk: "Wir haben massive Probleme und brauchen den Tetrafunk."

Die Vorteile legen auf der Hand, versuchte Roland Radler noch einmal Werbung für den 'neuen' Funk zu machen. "Aus sechs parallelen Funknetzen wird ein Netz für alle mit 942 Standorten statt bisher 3500. Die alten Sender können nach und nach abgebaut werden. Außerdem wird die Verständigung deutlich besser und flächendeckender." Auch das wollten die Bürger nicht ganz glauben. "In München wird das System bereits getetestet, dort soll es erhebliche Probleme gegeben haben?" Dem widersprach Radler, lediglich in der U-Bahn hätten die Rettungskräfte keinen Empfang, diese Mängel würden mit Objektversorgungen behoben sobald das Netz stehe.

"Wir sind vertraglich verpflichtet", betonte Roland Radler vom Bayerischen Innenministerium. " Der Digitalfunk ist alternativlos."

Keine befriedigende Antwort für die Gegner. Für sie würden die Verantwortlichen das Thema Gesundheit zu sehr vernachlässigen. Ihnen geht es um die hohe Strahlenbelastung durch die Sendemasten. "Wir unterschreiten die Grenzwerte deutlich", versuchten die Befürworter zu beschwichtigen. Sie hatten sogar einen Alternativstandort im Gepäck, der nördlich von Laufen wäre. Der Vorteil, er wäre statt 250 Meter 590 Meter von der Wohnbebauung weg. "Das ist der Osinger Wald und da ist der Waldkindergarten und nicht weit davon die JVA", konterte die Bürgerinitiative. "Wir wollen uns nicht auf die Fahnen schreiben, wir haben ihn anderen vor die Haustür gesetzt." Trotzdem sehen die Gegner ein, dass sie wohl wenig Chancen haben werden, den Digitalfunk in Laufen zu verhindern.

Ihre Hoffnung liegt jetzt auf einer Umweltverträglichkeitsprüfung, die der Bau- und Umweltauschuss am Dienstag beschließen könnte. Zumindest berät das Gremium noch einmal über den Gestattungsvertrag und auch der Bürgermeister ist sich sicher, dass zuerst alle Alternativen noch einmal von einem unabhängigen Umweltinstitut überprüft werden sollten. "Wir wollen einen Standort finden, der möglichst wenig belastet", versprach er zum Abschluss der Veranstaltung.

Seit August 2010 spielt das Thema Tetrafunk in Laufen eine Rolle. Damals ging ein Schreiben an die Stadt ein, in dem die Betreiberfirma "telent" darüber informierte, dass ein bundesweit einheitliches Sprech- und Datenfunksystem geplant sei und in Laufen beim Bauhof ein 30 Meter hoher Sendemasten für den Digitalfunk aufgebaut werden soll. Der Bau- und Umweltausschuss zeigte sich im September grundsätzlich bereit, das Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen - gegen eine Einmalzahlung von 5000 Euro. Der Vorvertrag wurde unterschrieben, es kam zu Bürgertreffen und der Gründung einer Bürgerintiative bis im Dezember die Gültigkeit des Vorvertrages erlosch. Nach einer technischen Beratung in einem Münchner Umweltinstitut und einem Gespräch der Bürgerintiative mit der Firma "telent" sollten mögliche Alternativstandorte gefunden werden. Außerdem haben die Gegner Unterschriften für ein "tetra-Funk-freies Laufen" gesammelt, die Bürgermeister Hans Feil am Montagabend den Vertretern des Bayerischen Innenministeriums übergab.

Christine Zigon

Quelle: BGland24.de

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