Mit Bürgerarbeit zurück in die Gesellschaft

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Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Betreuung der Senioren bei ganz alltäglichen Bedürfnissen, die im Alter aber zunehmend schwerfallen. Frau G. und M. bei ihrer Tätigkeit im Domus Mea Seniorenzentrum.

Bayerisch Gmain - Die "Bürgerarbeit" hat seit dem Start am 15. Januar ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Zwei Langzeitarbeitslosen brachte es in Bayerisch Gmain den Job zurück.

Am 15. Januar startete das Modellprojekt Bürgerarbeit zur Integration von Langzeitarbeitslosen. Bundesweit durchliefen 160.000 Hartz-IV-Empfänger eine sechsmonatige Aktivierungsphase mit Schulungen und intensiver Beratung, eine so genannte „Aktivierungsphase“. Die Bürgerarbeitsplätze sind sozialversicherungspflichtig und werden drei Jahre lang vom Bundesarbeitsministerium und aus dem Europäischen Sozialfond zu 100 Prozent gefördert. Die Förderung wird an den Arbeitgeber bezahlt und die Beschäftigten aus dem Projekt arbeiten 20 bis 30 Wochenstunden. Im Berchtesgadener Land fördert das Jobcenter 60 Stellen, zwei davon im Domus Mea Seniorenzentrum in Bayerisch Gmain.

Die Redaktion hat sich mit den zwei Bürgerarbeiterinnen über ihre gemachten Erfahrungen unterhalten. Ihre Selbsteinschätzung fällt zwiespältig aus. Frau G: „Es ist generell nicht leicht, nach Jahren mit Jobs und Phasen längerer Arbeitslosigkeit, wieder in ein reguläres Arbeitsverhältnis zu treten. Man ist unsicher, traut sich vieles nicht zu und weiß nicht was einen erwartet.“ Anderseits wird das Projekt klar als eine Chance für eine positive Wende wahrgenommen. „Es ist ein gutes Gefühl und gibt Selbstvertrauen nun auch für erhaltene Leistungen einer sinnvollen Arbeit nachzugehen. Man ist wieder integriert und versteht sich viel stärker als Teil der Gesellschaft.“

Keine Selbstverständlichkeit für Menschen die über Monate oder Jahre nur mit Hilfe von Hartz IV leben können. Frau M. ist Mutter mehrerer Kinder und seit ihrer Trennung vom Mann kann sie davon ein Lied singen: „Wenn am 25. das Geld aus ist, muss man schon oft zaubern und zusehen, dass man für die Kinder immer was zum Essen auf den Tisch bringt. Kinder fragen da nicht lange, sie wollen einfach was zu essen.“ Das hat sich längst gebessert, die Kinder sind ‚aus dem Gröbsten raus‘, und man hat ja jetzt einen richtigen Job. Dabei geht es bei 20 Wochenstunden noch nicht ganz ohne ‚Stütze‘.

Für Frau M. war die neue Stelle keine ‚Liebe auf den ersten Blick‘. „Ich habe nicht viel Erfahrung im Umgang mit alten Menschen und habe die Stelle mit sehr gemischten Gefühlen angetreten. Doch heute, vier Monate später, habe ich viele positive Seiten der Tätigkeit kennen gelernt, ja es bringt Selbstbestätigung und ich finde Spaß an der Arbeit.“ Die Tätigkeiten der Bürgerarbeiterinnen im Domus Mea Seniorenzentrum besteht in der Betreuung der Menschen. Dazu gehören Spaziergänge, Spielnachmittage, Zeitungslesen oder einfach das Gespräch.

Einrichtungsleiter Peter Michalik erklärt: „Die Personalsituation unserer Einrichtung unterscheidet sich nicht viel von anderen Seniorenheimen. Ein Betrieb rund um die Uhr ist sichergestellt und Personal in der Pflege gibt es zu wenig. Dabei ist die Tätigkeit anspruchsvoll und die Vorgaben der Kassen und Behörden sind eng gesteckt. Aber dennoch sollen die persönlichen, zwischenmenschlich so wertvollen Kontakte nicht zu kurz kommen und so sind wir über die Verstärkung durch unsere zwei Bürgerarbeiterinnen sehr froh. Es ist auch schön mitzuerleben, wie die Beiden sich gut in dem Arbeitsumfeld zurechtfinden und eingliedern.“

Die beiden Bürgerarbeiterinnen sehen sich in der öffentlichen Wahrnehmung aber noch nicht rehabilitiert. „Wir erleben es immer wieder, dass viele Menschen Bürgerarbeit mit Hartz IV abtun und sich abfällig darüber äußern. Das ist sehr schade, denn wir wissen es einfach besser aufgrund unserer selbst gemachten Erfahrungen.

Pressemitteilung Domus Mea Management GmbH

Quelle: BGland24.de

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