Miteinander neue Ideen entwickeln

Bürgerrat in Kirchanschöring widmet sich dem Ausbau der Kinderbetreuung

Kirchanschöring - Zum ersten Mal kommt in der zweiten Septemberwoche ein Bürgerrat in Kirchanschöring zusammen. Bei diesem Termin möchte der mit „Dynamic Facilitation“ moderierte Rat das Thema „Ausbau der Kinderbetreuung“ behandeln.

Die Gemeinde Kirchanschöring liegt im Südosten Bayerns und beheimatet in wunderschöner Landschaft 3430 Einwohner (Stand 2019). Sie ist eine sehr innovative Gemeinde und in vielen regionalen und überregionalen Projekten und Initiativen aktiv, wobei sie auch die Bürger auf ihrer Seite weiß. Zudem wurde sie im Jahr 2018 die erste gemeinwohlzertifizierte Kommune Deutschlands.


Mit der Beauftragung eines Bürgerrats beschreitet Kirchanschöring nun weiteres kommunalpolitisches Neuland: Denn in der zweiten Woche im September findet in der Aula der Schule der erste mit „Dynamic Facilitation“ moderierte Bürger- und Bürgerinnenrat statt.

Dabei geht es ausschließlich um das spannende Thema „Ausbau der Kinderbetreuung“, ein Thema, das viele Kommunen aktuell angehen. Ziel des Bürgerrats ist es, neue, zukunftsorientierte Ideen für die Ausgestaltung und Menschen zu gewinnen, die sich engagiert für dieses Projekt einsetzen und gemeinsam mit Leben füllen.


Bürgermeister Hans-Jörg Birner sieht dieses Projekt als strategische Aufgabe seiner Gemeinde an. „Wir benötigen für die Kinderbetreuung in Kirchanschöring einen Ausbau der Kapazitäten. Bevor wir mit dem Projekt starten, möchten wir die Bürger und Bürgerinnen bitten, sich aktiv zu beteiligen“, setzt sich Birner zielstrebig für das Vorhaben ein. Er ist überzeugt, „dass sich die zukünftige Strategie der Kinderbetreuung langfristig auf das Leben in der Gemeinde auswirkt.“ „Wir wollen von den Menschen, die hier leben, wissen, was aus ihrer Erfahrung heraus für einen guten Start ins Leben notwendig ist und was sie sich für unsere Kleinsten wünschen.“

In dem zweitägigen Bürgerrat, den zwei Moderatorinnen begleiten, werden 15 Personen der Frage nachgehen, wie der Mehrbedarf an Kinderbetreuung in der Zukunft abgedeckt werden kann. „Das freie Fließen der Gedanken, das gemeinsame Entwickeln von Ideen und auch kritische Anmerkungen sind in diesem Format, das mit der Moderations-Methode „Dynamic Facilitation“ moderiert wird, willkommen.“ Diese Methode erlaubt es, ohne starre Regeln und ohne starren Ablauf des Treffens kreative Ansätze zu finden. Der gesamte Ablauf basiert auf dem durch den amerikanischen Organisationsentwickler Jim Rough entwickelten sogenannten Wisdom Council-Prozess, der als ganzheitlicher Ansatz Widerstände transformiert, dadurch gebundene Energien freisetzt und in kreative, zumeist einmütige Lösungen umwandelt.

Die Teilnehmenden an diesem ersten Kirchanschöringer Bürgerrat wurden zufällig aus dem Melderegister ausgewählt und eingeladen. Das Gemeindeoberhaupt hält dieses Vorgehen für wegweisend. „Um möglichst gute Entscheidungen zu treffen, genügt es unserer Meinung nach nicht mehr, nur von „Experten und Expertinnen“ Vorschläge erarbeiten zu lassen“, begründet er seine Wahl, „wir wünschen uns, dass die Menschen, die in Kirchanschöring leben, ihre Meinung in diesen Prozess einbringen und das Projekt dadurch zum Leben erwecken.“

Die Bürger haben während der zwei Tage die Gelegenheit zu sagen, welche Themen ihnen ein besonderes Anliegen sind, was ihnen gefällt, wo Sie Verbesserungsbedarf sehen und in welche Richtung sich die Kinderbetreuung der Zukunft entwickeln sollte. Spezielle Vorkenntnisse oder besonderes Fachwissen sind nicht erforderlich, die persönliche Sicht der Dinge ist relevant.

Dynamic Facilitatorin und Gründungsmitglied des Dynamic Facilitation e.V. Tanja Schnetzer begleitet diesen Bürgerrat als Projektleiterin. „Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen durch Dynamic Facilitation mit sich selbst, ihren Anliegen und Wünschen und dann mit der gesamten Gruppe verbinden“, beschreibt sie die Wirkung dieses Prozesses, „dadurch entstehen ein Miteinander und eine Intensität, die mit anderen Methoden nicht zu erreichen sind.“

Bürger-Café zur Weiterentwicklung der Ideen und Konzepte

Ergänzt wird der zweitägige Bürgerrat dann um den dritten Teil des gesamten Prozesses, nämlich um das Bürger-Café. In diesem halbtägigen Workshop, der für alle interessierten Kirchanschöringer geöffnet ist, werden die Ideen und Konzepte des Rates dann der breiten Öffentlichkeit vorgestellt, diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt.

So entstehen in kürzester Zeit Verbindungen und Netzwerke – und das Wichtigste am ganzen Bürgerrat: Er weckt das Engagement der Menschen, aktiviert sie und motiviert sie, um Miteinander neue Wege zu beschreiten.

Die Ergebnisse des gesamten Prozesses werden schließlich im Gemeinderat als Grundlage für die weiteren Beratungen und Entscheidungen genutzt. Damit ist der Bürgerrat ein wunderbares Mittel der direkten Demokratie, indem er die Menschen vor Ort auf konsultative Art und Weise integriert.

Der Bürgerrat wird durch das Regionalbudget der ILE Waginger See – Rupertiwinkel gefördert. Eigentlich hätte er zum ersten Mal am 22. Mai in Kirchanschöring zusammenkommen sollen, aufgrund der Corona-Lage ist dieser Start jedoch nach hinten, auf den September verschoben worden.

Einladung zum Bürger-Café am 26. September

Während die Teilnehmer für die ersten beiden Tage des Bürgerrates bereits ausgewählt worden sind und somit feststehen, können sich Interessierte, die am Bürger-Café teilnehmen möchten, noch anmelden. Das Bürger-Café, zu dem die Gemeinde alle Kirchanschöringer Bürger herzlich einlädt, findet am Samstag, den 26. September von 9 bis 12 Uhr in der Aula der Grundschule statt. Da die Corona-Auflagen berücksichtigt werden müssen, können nur Personen teilnehmen, die sich vorher im Rathaus bei Sophia Reitschuh unter der Telefonnummer 08685/77939-14 oder unter der E-Mailadresse: reitschuh-sophia@kirchanschoering.de gemeldet haben und sich vormerken ließen.

Anneliese Caruso

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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