Wespenart bedroht unsere Gebirgswälder

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Alarmstufe bei Forstbehörden und Waldbesitzern: Die Gebirgsfichtenblattwespe breitet sich rasant aus

Saaldorf-Surheim- Höchste Alarmstufe bei Forstbehörden und Waldbesitzern: Mit der Gebirgsfichtenblattwespe breitet sich ein neuer Waldschädling rasant in der Region aus!

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein hat deshalb zu einer Informationsveranstaltung in eines der betroffenen Gebiete in der Gemeinde Saaldorf-Surheim eingeladen. „Nur gemeinsam können wir mit dem Problem fertig werden“, appellierte Leitender Forstamtsdirektor Alfons Leitenbacher gleichsam an Waldbesitzer, Jägerschaft und Fachbehörden. Interessante Details rund um die Gebirgsfichtenblattwespe erläuterte Maria Egginger, Spezialistin für Forstschutz.

Als zuständiger Revierleiter konnte Forstamtsrat Stefan Köcher in der Heininger Lohe, nahe Gausburg, ein interessiertes Fachpublikum begrüßen. Neben Waldbesitzern und Vertretern der Jägerschaft waren auch Saaldorf-Surheims Bürgermeister Ludwig Nutz, Franz Eder als 2. Bürgermeister der Stadt Laufen und Dr. Ludwig Wiener von der Landesforstdirektion Salzburg gekommen. „Unser Ziel muss es sein, weiterhin von den Fichten-Reinbeständen wegzukommen und einen gesunden Mischwald aufzubauen“, beschrieb Stefan Köcher die wirksamste Methode zur Schädlingsbekämpfung. Ideal wäre ein Fichtenanteil von dreißig Prozent in den chronischen Befallsgebieten, doch auch mit der teilweise schon erreichten Reduzierung des Fichtenbestands auf über 68 Prozent sei man auf dem richtigen Weg.

„Nicht hoch genug kann man beim Umbau des Waldes die Rolle der Jagd einschätzen, denn nur ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wald und Wild ermöglicht das Aufkommen naturnaher Mischwaldbestände“, erklärte Stefan Köcher. An die Waldbesitzer appellierte er, nicht nur beim Umbau des Waldes tatkräftig mitzuwirken, sondern auch die Pflegemaßnahmen, wie das Auslichten, nicht zu vernachlässigen.

„Warum taucht die Gebirgsfichtenblattwespe gerade hier auf und dort nicht?“, mit dieser Frage befasste sich der Salzburger Forstmann Dr. Ludwig Wiener. Wichtig sei es, zwischen sichtbaren Symptomen einer Schädigung und den Ursachen zu unterscheiden. Bei früheren Aktionen habe man beispielsweise die Kleine Fichtenblattwespe durch Spritzen zu bekämpfen versucht, sei aber selten den eigentlichen Ursachen auf den Grund gegangen. Wegen dieser Erfahrungen gehe man bei dem neu aufgetauchten Schädling mit wissenschaftlicher Akribie an die Ursachen heran.

„Geschätzt waren in den Wäldern zwischen Laufen und Freilassing, sowie im salzburgischen Flachgau in den 90iger Jahren Tausende von Hektar Fichtenflächen beeinträchtigt, aber die Ausbruchsherde dürften sich auf lediglich 500 Hektar beschränken“, erläuterte Dr. Wiener. Nur das Zusammenwirken einer ganzen Reihe von Standortfaktoren begünstigten die Entwicklung und Ausbreitung des Schädlings. „Diese Bedingungsfaktoren müssen wir erforschen, um wirksame Maßnahmen setzen zu können“, zeigte sich Ludwig Wiener überzeugt.

Wie ernst die zuständigen Fachbehörden das Auftauchen der Gebirgsfichtenblattwespe nehmen ist auch daran zu erkennen, dass zur Bekämpfung der Fichtenblattwespen mit Maria Egginger eine wissenschaftliche Fachkraft beim AELF Traunstein angestellt wurde. In Zusammenarbeit mit Revierleiter Stefan Köcher untersucht sie die gefährdeten Bereiche und steht den Waldbesitzern mit Rat und Tat zur Seite.

„So richtig kann man das Risiko durch den neuen Waldschädling noch nicht einschätzen und trotzdem muss man vorbeugend handeln“, umschrieb Maria Egginger ihre nicht ganz leichte Aufgabe. Anschaulich erklärte sie den Teilnehmern der Informationsveranstaltung Entwicklung, Lebensweise und Verhalten der Gebirgsfichtenblattwespe. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit seien umfassende Bodenuntersuchungen, mit deren Hilfe man Verbreitungsschwerpunkte herausfinden könne. „Bis zu vierhundert Kokons mit lebenden Larven lassen sich auf einem Quadratmeter Waldboden einsammeln“, berichtete Maria Egginger und gab zu bedenken: „Wenn man weiß, dass jede dieser Larven bis zu hundert Nadeln frisst, dann werden die Dimensionen der Schädigung fassbar.“ Hinzu komme, dass die Gebirgsfichtenblattwespe im Unterschied zur Kleinen Fichtenblattwespe neben den Maitrieben auch Altnadeln fresse und so einen Bestand erheblich schädigen kann.

Auf eine weitere Gefahr wies Stefan Köcher hin: „Wenn die Fichten kahl gefressen werden, ist in der Folge die Anfälligkeit für einen Borkenkäferbefall besonders groß.“ Ob und inwieweit die Verbreitung der Blattwespen-Art auch im Zusammenhang mit der Klimaveränderung zu sehen ist, diese Frage konnte von den Fachleuten nur spekulativ beantwortet werden. „Es ist auch für uns überraschend, denn das Insekt fraß bisher nur an Bäumen in mindestens 800 Meter Meereshöhe und im Zuge des Klimawandels hätte man eher erwartet, dass es nach oben wandert“, zeigte sich Dr. Ludwig Wiener etwas ratlos. „Hier haben wir es mit Neuland zu tun und es wartet eine Menge Untersuchungs- und Forschungsarbeit auf uns.“

Auf einen möglichen Zusammenhang mit der Klimaveränderung wies Maria Egginger hin: „Die Eiablage der Blattwespen ist sehr eng mit einem bestimmten Austriebs-Stadium der Fichten verknüpft. Da die Gebirgsfichtenblattwespe ein wesentlich größeres Zeitfenster zur Eiablage zur Verfügung hat, als die Kleine Fichtenblattwespe, könnte der durch zunehmende Temperaturen früher einsetzende Fichtenaustrieb die Ausbreitung begünstigen.“

Als letzte Station der Informationstour hatten sich die Forstleute einen symbolischen Platz ausgesucht: Hunderte kleiner Tannensprösslinge, Abkömmlinge eines alten Samenbaums, bedeckten den Waldboden. Die Natur wüsste sich schon selbst zu helfen, wenn wir sie nur hinreichend unterstützen, nahm Stefan Köcher Bezug auf das „Tannen-Biotop“.

Und wie meinte Forstdirektor Alfons Leitenbacher in seinem Resümee: „Die beste und wirksamste Schädlingsbekämpfung ist der Umbau zu einem gesunden und naturnahen Mischwald. Ich möchte alle Beteiligten und Betroffenen zum Mitmachen ermuntern und einladen.“

Norbert Höhn

Infotermin zur Gebirgsfichtenblattwespe

Infotermin zu Gebirgsfichtenblattwespe

Quelle: BGland24.de

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