Ein Hof mit langer Tradition

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Ainring - Tradition in allen Belangen zeichnete das mit 2000 Personen außerordentlich gut besuchte Hoffest beim „Demei" in Ainring am vergangenen Sonntag aus.

400 Jahre Hofgeschichte und gleiches Bauerngeschlecht, tiefe Verbundenheit zur Aufrechterhaltung bäuerlicher Kultur und Landwirtschaft, Treue zur Heimat, Glaube, und Brauchtum, aber auch die Pflege urbayerischer Geselligkeit – all das verdeutlichte beeindruckend die Jubiläumsfeier.

Die junge Hofbesitzerfamilie Wolfgang und Maria Dusch hatte eingeladen und traf mit einem vielfältigem Programm, das auch mit seinen Angeboten sehr einfallsreich für Kinder war. Schon deshalb lohnte sich bei idealen äußeren Bedingungen ein familiärer Ausflug zum Ainringer Mitterweg. Gutes Essen und Trinken war in bester Organisation gewährleistet und noch vieles mehr.

In der speziell für das Jubiläum mit vielen Tisch- und Bankgarnituren ausgestatteten, neu erbauten landwirtschaftlichen Halle, schön geschmückt mit Blumen und Erntegaben, bildete ein beeindruckender Gottesdienst den Auftakt. Auf einem Podium mit schlichtem Altar gestaltete die Messfeier Anton Parzinger, Pfarrer im Ruhestand, unterstützt von Mesnerin Maria Utzmeier, in Ministranz begleitet von den in heimischer Tracht gekleideten Mädels Julia und Stephanie sowie einfühlsam musikalisch und gesanglich umrahmt vom Ainringer Vierg`sang.

Der Pfarrer wies eingangs auf den festlichen Anlass hin, segnete und weihte vorweg den imposanten Neubau mit dem Hinweis, dass darin künftig positionierte landwirtschaftliche Geräte und Erzeugnisse den Menschen von Nutzen sein mögen. Seit 1613 bestehe nunmehr bereits der Hof in Ainring, immer vom verwandtschaftlich gleichen Bauerngeschlechts verwaltet und in 13. Generation aktuell von Wolfgang und Maria Dusch. „Gott, unser Vater, du sorgst für deine Geschöpfe. Du hast den Menschen die Erde anvertraut. Nähre mit ihren Früchten unser irdisches Leben und gib uns und allen Menschen das tägliche Brot, damit wir dich und deine Güte preisen und mit deinen Gaben den Notleidenden helfen", so formulierte der Geistliche das Tagesgebet. Er erinnerte, die Zugehörigkeit zum Volke Gottes entscheide nicht Macht, Reichtum und Absehen, sondern Bescheidenheit, Herzensglaube und Güte.

Den Vortrag der Fürbitten übernahm die ihr drittes Kind erwartende Bäuerin Maria Dusch, die auch gleich die Gelegenheit nutzte, Ruhestandspfarrer Pfarrer Anton ein Vergelts Gott zu sagen für die Gestaltung des Gottesdienstes und der klangvollen Untermalung duch den Ainringer Vierg`gsang". In bayerischer Mundart sagte sie, 400 Jahre gleiches Bauerngeschlecht und „wir" als dreizehnte Generation sei ein Grund zur Freude und zum Feiern. Die Vorfahren hätten es bestimmt nicht immer leicht gehabt und trotzdem immer wieder am Erbe festgehalten um es dann wieder gleichen Geschlechts weiterzugeben.

Maria Dusch erinnerte an Brände, die Asche hinterlassen habe, politisch schwierige Zeiten oder frühes Sterben der Hofbesitzer. Doch es sei immer weiter gegangen und so sei man an diesem ersten Septembersonntag 2013 zusammen gekommen, denn das Jubiläum sei ein wahrer Grund zum Feiern. Sie sprach allen, die in aktiver Mithilfe jeglicher Art beigetragen hatten, auch im Namen ihres Mannes Wolfgang herzlichen Dank aus, ganz besonders aber „an meine Schwiegereltern Franz und Traudi". Nach Empfang der Kommunion, dem Wettersegen mit Gebet und gemeinsamen Gesang „Großer Gott wie loben Dich", klang die kirchliche Feier aus.

Bürgermeister Hans Eschlberger sagte einleitend in seiner Ansprache, Salzburg habe das berühmte Festspielhaus, Steinbrünning die bekannte Doman-Halle und Ainring jetzt die „Demei-Halle" Dieses Anwesen sei eigentlich gedacht für Lagerung von Ernteprodukten und allerlei landwirtschaftlichem Gerät, heute aber aus gegebenen Anlass festlich geschmückt und vor allem pünktlich fertig geworden für den Hoffesttag. Zu aller erst galt ein herzliches Vergelt`s Gott an die junge Hofbesitzerfamilie Wolfgang und Maria Dusch im Namen aller, „die wir heute da sind und miteinander feiern können".

400 Jahre Demei-Hofgeschichte – gelebte Heimat- und Familiengeschichte über vier Jahrhunderte in 13 Generationen – sei schon ein gewaltiges Erbe, argumentierte Eschlberger. Normalerweise könne höchstens der Hochadel auf so lange Familientraditionen zurückschauen Vier Jahrhunderte Demeihof in Ainring – das sei für Wolfgang und Maria Dusch Anlass genug, um mit der Bevölkerung zu feiern und neben der eigenen Geschichte gleichzeitig auch die Entwicklung der Landwirtschaft in Ainring zu präsentieren. Dafür gebühre Respekt und Anerkennung.

Wie der Bürgermeister weiter äußerte, spiele in der Ainringer Gemeinde die bäuerliche Landwirtschaft seit Jahrhunderten eine große Rolle. Einst sei das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels Kornkammer der Salzburger Erzbischöfe gewesen. Heute habe man hervorragend ausgebildete Landwirte mit moderner Betriebsausstattung, vor allem aber mit großem Verantwortungsbewusstsein gesunde Nahrungsmittel produzieren, und das gentechnikfrei. Eschlberger: „Es waren Bauern, die unsere Heimat durch ihrer Kopf- und Hände-Arbeit geprägt haben, durch harte Arbeit über viele Generationen." So gesehen stehe der Demeibauer stellvertretend im Mittelpunkt, „stellvertretend für alle Bauern unserer Heimat, die unsere Gemeinde lebenswert erhalten und gesunde Mittel zum Leben produzieren, die unser Vertrauen verdienen. Unsere Bauern machen uns seit Jahrhunderten vor, was nachhaltiges Wirtschaften bedeutet."

Fotos von den Feierlichkeiten:

2000 Besucher kamen zum Hoffest nach Ainring

Besonders – so der Bürgermeister – hätte ihn beeindruckt, wie Bäuerin Maria Dusch mit ihrem unermüdlichem Forschergeist, mit dem sie die Demei-Familiengeschichte in historischen Urkunden und Aktenstapeln buchstäblich ausgegraben habe. Dies alles zeige sehr deutlich, wie beschwerlich die vergangene Arbeitswelt der Bauern gewesen war. Es werde auch deutlich, dass immer wieder Schicksalsschläge das bäuerliche Leben vor große Herausforderungen gestellt habe. Diese Feststellungen münden – so Eschlberger – in die Erkenntnis, dass es immer wieder weitergegangen sei, weil man zusammen geholfen habe und vor allem, weil man sich vom Schicksal habe nicht „unterkriegen" lassen.

So gesehen, könne das Hoffest nicht nur die Leistungsfähigkeit der bäuerlichen Landwirtschaft speziell in der Gemeinde demonstrieren sondern vor Augen führen, „dass wir alle in der heutigen Zeit in einem Wohlstand leben dürfen wie nie zuvor in der Geschichte, einem Wohlstand, zu dem unsere Bauern einen ganz wesentlichen Beitrag leisten." Das Gemeindeoberhaupt wünschte dem Hoffest, dass diese Tatsache in der Bevölkerung bewusster werde und vielleicht sogar mehr Dankbarkeit und Zufriedenheit fördere. So bestehe die gute Hoffnung, dass dieser Hoffesttag zur Wertschätzung der bäuerlichen Landwirtschaft und zum Verständnis ihrer Belange beitragen könne. Gleichzeitig sprach Eschlberger die Bitte an die Landwirte aus, die Belange der Gemeinde zu unterstützen wo immer möglich. Für eine zukunftsfähige Gemeinde sei und bleibe ein gutes Verhältnis zwischen Rathaus und Bauernschaft wichtig.

Abschließend betonte Hans Eschlberger, die heimischen Bauern könnten stolz sein auf ihre Leistungen und die Allgemeinheit froh und dankbar, tüchtige Bauern zu haben, die die geschichtlichen Wurzeln ihrer Herkunft nicht vergessen und das zu schätzen wissen, was frühere Generationen geleistet und geschaffen haben. Namens der Bürgerschaft wünschte der Bürgermeister weiterhin Glück, Gesundheit und Gottes Segen für viele weitere Generationen. Als Geschenk hatte er eine Jubiläumslinde, die seitlich die Bühne zierte, mitgebracht. Der Baum gelte als Symbol für langes Leben und für Dorfgemeinschaft sowie für die Schönheit und Zukunftsfähigkeit der Heimat.

Der weitere Verlauf in der Halle wurde gestaltet von den Leonharder Musikern, der 6Egg Musi aus Waging, Brauchtumstänze und Plattler der Kinder- und Jugendgruppe des Trachtenvereins „Edelweiß" Ainring-Hammerau unter der Leitung von Hansl Auer, Mathias Schweiger und Vroni Auer. Großes Interesse galt der Ahnentafel, in denen mit Peter Dusch und Johann Dusch aus der familiären Tradition als Hofbesitzer auch zwei Bürgermeister hervorgegangen waren. Die Ainringer Drischldrescher zeigten das frühere Handwerk des Strohdreschens, Der BBV-Ortsverband zeugte als Premiere auf Leinwand selbst erstellte Filme und Powerpoint-Präsentation über den Einsatz landwirtschaftlicher Geräte und Landwirtschaft allgemein in Ainring.

Außerhalb des Festgeschehens stellten Direktvermarkter von Teisendorf und Ainring ihre Bio-Produkte vor. Von den Gastgebern war der nahegelegene Rinderstall für den Publikumsverkehr geöffnet. Reichlich und unterhaltsam war das Kinderprogramm mit Reiten auf den Ponys Walli und Flipsi, Streicheln von Kleintiere, wie unter anderem heuer geborene Zwergziege und Lamm. Umlagert war ein Heuschober, in denen goldgelbe Küken mit kleinen Körnern per Hand gefüttert werden konnten. Das Melken an einem Euter einer Plastikkuh, Bemalen von Bildern, Kettkar-Fahren und Hüpfburg viele mit bemalten Gesichtern, denn auch das Angebot des Kinderschminkens wurde rege in Anspruch genommen, rundeten das Programm im Freien ab.

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Quelle: BGland24.de

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