"Ein besseres Müllkonzept ist möglich"

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Peter Aumeier, Guido Hillebrand und Dirk Reichenau beim „Praxistest“: Es fehlt die Wertstofftonne für alle Kunststoffe, Verbundstoffe und Weißblech.

Kirchanschöring - Der SPD-Kreisverband will ein besseres Müllkonzept einführen und fordert ein bürgerfreundliches Holsystem bei Wertstoffen.

SPD-Ortsvorsitzender Peter Aumeier konnte bei der letzten Monatsversammlung im Kirchanschöringer Felberwirt auch Kreisrat Dirk Reichenau begrüßen. Dieser beleuchtete in seinen Ausführungen mögliche Veränderungen im Abfallwirtschaftskonzept des Landkreises Traunstein.

Da das Müllheizkraftwerk Burgkirchen abgeschrieben sei und die bislang bindenden Verträge des Landkreises mit dem Dualen System Ende 2012 auslaufen, habe der SPD-Kreisverband es sich zur Aufgabe gemacht, in möglichst vielen Ortsvereinen die Frage der künftigen Abfallwirtschaft zu diskutieren, um innerhalb der SPD zu einer breit getragenen Position zu kommen. „Wir sollten die Chance nutzen, dass jetzt eine Wende zu einem besseren Müllkonzept möglich ist“, forderte Reichenau und gab nach einem Rückblick auf die Entwicklung seit 1986 eine Einschätzung der derzeitigen Situation.

In den 90er Jahren setzte die „Bürgeraktion DAS BESSERE MÜLLKONZEPT“ die getrennte Sammlung von Wertstoffen und Mehrwegsysteme durch, das Müllaufkommen wurde deutlich reduziert, Arbeitsplätze und Wertstoffhöfe geschaffen, die Müllverbrennung fiel wesentlich kleiner aus.

Das Gebiet des Zweckverbandes Abfallverwertung Südbayern (ZAS) umfasst seit 1984 die Landkreise Altötting, Mühldorf, Berchtesgaden, Traunstein, Rosenheim, Dingolfing-Landau und Rottach-Inn. Das Restmüllaufkommen im Landkreis Traunstein mit 170.000 Einwohnern beträgt rd. 25.000 t/jährlich, 1989 produzierten 148.000 EW noch 114.000 t im Jahr. Restmülldeponien sind seit 2005 verboten, die letzte Landkreisdeponie in Litzlwalchen wird derzeit rekultiviert.

„Vorbildliches Handeln jetzt möglich!“

Die Frage, ob man künftig im Landkreis Traunstein auch Nassmüll in einem Holsystem erfassen und die Bioabfälle zusammen mit Grüngut der Kompostierung oder Vergärung in einer Biogasanlage zuführen solle, sei eine politische und müsse auch so diskutiert werden. Umweltfragen würden aber im Landkreis leider meistens von der Verwaltung erledigt, ohne die gewählten Volksvertreter in die Entscheidungen einzubeziehen, oder aber an die Kommunen delegiert. Angesichts der gebildeten Landkreis-Rücklagen im Bereich Abfallwirtschaft sei jedoch „vorbildliches Handeln jetzt möglich“ und sinnvoller, als einfach die sowieso schon sehr niedrigen Abfallgebühren nochmals zu senken und weiterzumachen wie bisher. Dazu komme, dass die Verbrennung des Biomülls aufgrund einer EU-Richtlinie, die zu „stofflicher Verwertung“ verpflichte, gar nicht länger rechtens sei. Daher plädierte Reichenau eindringlich für eine Einführung der grünen Tonne zusätzlich zu einer gelben, welche im Holsystem die Stoffe mit dem grünen Punkt erfassen solle, die man bislang selbst zum Wertstoffhof bringen müsse. „Das ist auch bei reduzierten Gebühren durchaus möglich.“

In der angeregten Diskussion wurden vielerlei Fragen aufgeworfen, welche etwa die Machbarkeit und Rentabilität einer landkreiseigenen Biogasanlage betrafen, aber auch das Aufkommen an Biomüll in einer ländlich strukturierten Gegend.

Viele Kirchanschöringer hätten sich damals bei der „Bürgeraktion DAS BESSERE MÜLLKONZEPT“ engagierten, weil der Landkreis eine Mülldeponie im Gemeindebereich bauen wollte. Alois Strasser meinte, es sei nicht sinnvoll, eine zentrale Biogasanlage für den gesamten Landkreis zu bauen. Er wies auf die Möglichkeit der Verwertung des Bioabfalls in landwirtschaftlichen Biogasanlagen hin. Für Gernot Strasser sei jedoch noch immer der Grundsatz von damals „Müll vermeiden und verwerten“ wichtig.

Reichenau stellte klar, die Kompostierung im eigenen Garten sei zwar die ökologischste und auch naheliegendste Lösung für viele Bürger im ländlichen Raum. In den Städten, für Wohnbaugesellschaften oder größere Betriebe etwa, wo ebenfalls viel Biomüll anfalle, gebe es diese Möglichkeit jedoch nicht. Es sei jetzt Sache des Landkreises, genau diese Fragen zu prüfen, ehe über die weitere Vorgehensweise in Sachen Müll entschieden werde. Man war sich einig, dass es auch weiterhin die Möglichkeit des Bringsystems über die gemeindlichen Wertstoffhöfe geben sollte.

Gemeinderat Guido Hillebrand informierte über das Angebot der Firma Schauer speziell für Kirchanschöring, einmal monatlich den Sperrmüll gegen eine geringe Gebühr abzugeben. Dies wurde kaum angenommen. Zum ersten Termin am extra aufgestellten Container gaben nur wenige Bürger Sperrmüll ab!

Am Achenausbau festhalten

Hillebrand berichtete auch über den Sachstand zum Ausbau der Achen im Sinne eines besseren Hochwasserschutzes und einer verbesserten Gewässerökologie. Derzeit liege ein erneuter Widerspruch vor. Der Gemeinderat werde aber an dem im letzten Jahr begonnenen Ausbau festhalten.

Pressemitteilung SPD-Kirchanschöring

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