Energiesparen als soziales Projekt

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Ein Energiesparpaket der SWM als Gastgeschenk und Anstoß für eigene Ideen (von links nach rechts): Roman Niederberger (SPD-Kreisvorsitzende), Michael Hangl (3. Bürgermeister von Freilassing), Martin Janke (Projektleiter Stadtwerke München), Margitta Popp (SPD-Stadt- und Kreisrätin)

Freilassing - Die SPD will der Energiewende eine soziale Dimension geben. Doch im Gespräch unter den Projektleitern wurde deutlich: Dies wird nicht einfach!

Wir müssen der Energiewende eine soziale Dimension geben: unter diesem Motto stand eine Informationsveranstaltung mit dem Titel „Energiesparen für Haushalte mit geringem Einkommen“, zu der in der vergangenen Woche der SPD-Kreisverband Berchtesgadener Land in den Gasthof Rieschen in Freilassing eingeladen hatte. Vorgestellt und mit heimischen Kommunalpolitikern, Sozialverbänden und interessierten Gästen diskutiert wurde ein Projekt der Stadtwerke München, in dessen Rahmen in den vergangenen Jahren über 7.000 Haushalte eine Energieberatung, ein Starterpaket zum Energiesparen und einige von ihnen auch verbrauchsarme neue Haushaltsgeräte erhalten haben. Im Gespräch mit dem Projektleiter und Geschäftsführer der Bildungsstiftung der Stadtwerke München Martin Janke wurden die Chancen und Schwierigkeiten deutlich, die mit der Umsetzung eines solchen Projekts vor Ort verbunden sind.

In seiner Begrüßung kam der SPD-Kreisvorsitzende Roman Niederberger auf die aktuelle energiepolitische Diskussion im Landkreis zu sprechen. „Die Antwort auf steigende Energiepreise kann nicht darin bestehen, privaten Haushalten zugunsten der Industrie den Strom abzudrehen. Stattdessen brauchen wir eine Strategie, um alle Einsparpotentiale in der Region zu nutzen, wobei Wirtschaft und Verbraucher gleichermaßen gewinnen“, erklärte er. Nachdem Haushalte mit geringem Einkommen einen relativ großen Teil davon für Heizung und Strom ausgeben, könne man hier erfolgreich mit einem sozialen und ökologischen Anspruch ansetzen.

Die Strategie der Stadtwerke München stellte anschließend Martin Janke vor, der zunächst allgemein die SWM als weiterhin zu 100 Prozent in kommunaler Hand befindlichen Betrieb der Daseinsvorsorge präsentierte. „Viele Städte und Gemeinden beneiden München zwischenzeitlich um unabhängige Stadtwerke und die Möglichkeit, dadurch Energiepolitik zu gestalten“, so der Referent. Dazu gehört auch die „Ausbauoffensive erneuerbare Energien“, die im vergangenen Jahr der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung Dr. Kurt Mühlhäuser bei einer SPD-Veranstaltung in Freilassing vorgestellt hat. „Wir liegen dabei voll im Plan: Bis 2025 wollen wir soviel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, dass wir damit den Verbrauch ganz Münchens decken könnten. München wird damit weltweit die erste Millionenstadt sein, die dieses Ziel erreicht!“, stellte Martin Janke den aktuellen Stand dar.

Im sozialen Bereich habe man sich von Seiten der Stadtwerke bewusst gegen besondere Preisnachlässe für Haushalte mit geringem Einkommen entschieden und stattdessen das Projekt „Energieberatung für Haushalte mit geringem Einkommen“ finanziert. In Zusammenarbeit mit den Münchner Sozialverbänden wurden dabei ehrenamtliche Energieberater ausgebildet, die bei ca. eineinhalbstündigen Besuchen Menschen mit niedrigem Einkommen Möglichkeiten zum Energiesparen aufzeigen. Als Anreiz für die Beratung wird dabei ein Energiesparpaket übergeben, zu dem zwei Energiesparlampen, ein Kühlschrankthermometer und eine Steckerleiste mit Kippschalter gehören. Nach einem schwierigen Start wurden zwischenzeitlich über 7.000 Haushalte auf diesem Wege beraten; das Projekt wurde vor kurzem verlängert. Zum Konzept gehört, dass in Einzelfällen Altgeräte durch neue, verbrauchsarme Kühl- und Gefrierschränke ersetzt wurden.

„Wir sahen zunächst als größtes Problem die Gewinnung der ehrenamtlichen Berater. Tatsächlich war es am schwierigsten, den Zugang zu den betroffenen Haushalte herzustellen und eine Vertrauensbasis aufzubauen“, stellte Martin Janke die Anfangsphase des Projekts dar. Neben den klassischen Sozialverbänden hat dabei in der Anfangsphase die israelitische Kultusgemeinde eine wichtige Rolle gespielt.

In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass auch in der Region Bedarf für ein ähnliches Projekt besteht. Ludwig Stadler von der Tafel Freilassing erklärte, dass er auf Anhieb 30 bis 40 Haushalte nennen könnte, die Interesse an einer solchen Beratung hätten. SPD-Stadt- und Kreisrätin Margitta Popp meinte, dass ein lokales Projekt nicht den gleichen professionellen Anspruch wie in München erfüllen müsse, aber trotzdem einen wichtigen Beitrag für die betroffenen Haushalte und zum Energiesparen leisten könne. SPD-Geschäftsführer Günter Wolf beschäftigte die Frage nach einem Träger für das Projekt, während die Kaminkehrer Wolfgang Wagner und Thaddäus Mußner Fragen zur technischen Umsetzung und Ausbildung der ehrenamtlichen Berater hatten. Klar wurde dabei, dass es zwar verschiedene Wege zur Finanzierung gibt, aber Anstoß und Organisation wohl von öffentlicher Seite erfolgen müssen. Martin Janke machte in seinen Antworten deutlich, dass das Münchner Projekt keinesfalls einen Musterplan darstellt, sondern lediglich den Anstoß für eigene Überlegungen vor Ort bilden kann.

Nach einer engagierten und intensiven Aussprache überreichte Martin Janke im Namen der Stadtwerke München ein Starterpaket zum Energiesparen an den 3. Bürgermeister Michael Hangl und wünschte den Verantwortlichen von Ort viel Erfolg bei der Arbeit an eigenen Konzepten.

Quelle: BGland24.de

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