Entwicklung im Energiesektor ist zu langsam

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Freilassing - Bert Enzinger, Vorsitzender der FWG Heimatliste, legte schon bei der Begrüßung im Saal der Diakonie gleich voll los. Er meinte, "dass sich der Energiebezieher von den Großkonzernen lösen muß."

Der Vorsitzende der FWG Heimatliste, Bert Enzinger, begrüßte die Referenten und Besucher mit den mahnenden Worten, dass sich der Energiebezieher von den Großkonzernen lösen müsse. „Der massive Einsatz von Hackschnitzel ist dazu keine Alternative.“, betonte Enzinger. Echte Ansätze seien Energieeinsparen, Photovoltaik, Solarthermie, Biogas-Heizkraftwerke, Geothermie und Brennstoffzellen. „Dies sind alles Techniken von heute und können wirtschaftlich eingesetzt werden. Man muss nur zugreifen.

Manfred Reuß

Manfred Reuß führte aus, dass im Jahr 2050 etwa 50 Prozent der verbrauchten Energie aus dem erneuerbaren Sektor kommt und dann werden 28 Prozent der Solarenergie zuzuschreiben sein. Für die optimale Nutzung solarer Nahwärmeanlagen tragen große Kollektoren auf Dächern (mehr als 100 Quadratmeter) bei. Ferner wird eine Wärmespeicherung zur Anpassung von Angebot und Bedarf erforderlich. Es bedarf ferner eines Zusatzsystems zur Deckung des Restwärmebedarfs und eines Nahwärmenetzes zur Wärmeverteilung. Durch eine spezielle Systemtechnik wird der Verbrauch geregelt. Als Speichertypen können Erdbeckenspeicher mit Wasser, Erdwärmesonden im Boden oder Aquifer-KiesWasserspeicher verwendet werden. Eine Zusatzheizung sei mit einem Brennwertkessel, Biomasse und oder vorrangig Wärmepumpe möglich. Die Systemtechnik basiert auf einen großen Temperaturhub im Speicher sowie einer breiten Temperaturspreizung und einer möglichst niedrigen Rücklauftemperatur. Eine direkte Durchströmung der Heizung und Frischwasserstationen für das Brauchwasser wird angestrebt. Als kleines Beispiel nannte der Dipl.Physiker die solare Nahwärme in Attenkirchen bei Freising, wo auf einer Fläche von 6200 Quadratmeter zwanzig Einfamilien- und fünf Doppelhäuser mit einem Gesamtwärmebedarf von 487 MWh/Jahr versorgt werden. Die größere Variante sei die solare Nahwärme im Ackermannbogen in München. Dort werden 320 Wohneinheiten auf 30.000 Quadratmeter mit 1350 MWh/Jahr für Heizung und 650 MWh/Jahr für Warmwasser beliefert.

Die solare Nahwärme mit saisonaler Wärmespeicherung sei eine technisch und ökologisch interessante Lösung zum alternativen Heizen, aber wegen der hohen Investitionskosten vorerst nicht billiger. Biomasse wie Hackschnitzel bringe kontinuierlich die Brennstoffkosten, die den Schwankungen des Marktes unterliegen. Die solare Nahwärme habe feste Erstellungskosten, wobei diese klar berechenbar sind und Kostensicherheit bringen.

Alois Zimmermann

Alois Zimmermann bot in seinem Referat den Biowasserstoff für die preisgünstige regionale Energieversorgung an. Er bewohne im Landkreis Traunstein ein selbst geplantes Wohnhaus, das weder an ein Stromnetz, noch an eine zentrale Wärmeversorgung angeschlossen ist. Der Wasserstoff ermöglicht die Selbstversorgung bei Wärme, Strom und auch im Verkehr. Die Gewinnung des Gases kann mit stabilen Energiepreisen erfolgen, da der Rohstoff (Gras-Silage) aus der Region kommt und mit der Abnahme die heimische Landwirtschaft stärkt. Der Verbrauch von Wasserstoff ist ohne Schadstoffemission und absolut CO2-neutral. Wie funktioniert das? Die Gras-Silage wird mit einem Wirkungsgrad von 70 – 90 Prozent in Wasserstoff umgewandelt. Per Gasleitung kommt der Wasserstoff nahezu verlustfrei zum Kunden, wo in einer Brennstoffzelle mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent Strom und Wärme erzeugt wird. In Pkw mit Wasserstoff-Druckspeicher und Brennstoffzelle kann eine Strecke von 500 Kilometer zurückgelegt werden. Die Wasserstofferzeugung erfolgt zentral in einem Wirbelschichtvergaser, sowie einem Shift-Reaktor und einem Trennsystem. Die Verwendung der Brennstoffzelle ermöglicht dann eine Kraft-Wärme-Kopplung bis in das Einzelhaus. Ein Bio-Wasserstoff-Werk für 25 MW Leistung ist in Güssing in Erprobung. Im Wasserstoff-Kompetenzzentrum Herten im Ruhrgebiet ist ein Werk für 13 MW Leistung gefördert im Bau. Die Wasserstoff-Technik ist also bereits vorhanden, wobei aber noch Entwicklungsarbeit notwendig ist.

Der Dipl.Ing. blickte auf seinen Heimatlandkreis Traunstein, der bereits bis 2020 eine energieautarke Region sein will. Dazu sei es dringend erforderlich, dass Konzepte mit Erdgaserzeugern verifiziert und Standorte für Werke gesucht werden. Eine Betreibergesellschaft müsste gegründet und die Größe des Wasserstoffwerkes festgelegt werden. Weiter sind mögliche Förderungen auszuschöpfen und Beteiligungen zu suchen. Letztlich könnte mit Wasserstoff eine echte Unabhängigkeit von Energieexporten erreicht und das Ziel einer energieautarken Region erreicht werden.

Eine Vielzahl von Fragen aus dem Publikum mussten die Referenten noch beantworten, bevor Bert Enzinger in fortgeschrittener Zeit die informative Veranstaltung schließen konnte.

Fritz Braun

Quelle: BGland24.de

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