Höhlenretter haben keinen Winterschlaf

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Freilassing - Pause im Winter? Das gibt es bei den Bergwacht-Höhlenrettern ganz sicher nicht. Denn Peter Hogger und sein Team üben auch jetzt regelmäßig in den heimischen Höhlen:

 Die ehrenamtlichen Höhlenretter der Bergwacht Freilassing sind auch während der Wintermonate aktiv: Peter Hogger und seine Mitstreiter üben regelmäßig im Verborgenen, tief unter der Erde, im Reich der Maulwürfe und Fledermäuse, wo es keine Jahreszeiten gibt. Während der vergangenen Jahre haben sie mit unzähligen Übungen und Ausbildungen die Höhlenrettungsgruppe der Bergwacht-Region Chiemgau aufgebaut. Der große Einsatz in den unzähligen Löchern, Schächten und Gängen der heimischen Berge blieb bisher aus, doch für eine schwierige Rettung aus der Unterwelt am Tag X sind die eingespielten Spezialisten bestens vorbereitet und mittlerweile auch ausgerüstet.

Wir suchen uns bewusst Objekte aus, die regelmäßig begangen werden Nach einem kurzen Aufstieg durch den lautlosen Winterwald oberhalb des Parkplatzes am Bahnübergang steigt Dampf aus dem schneebedeckten Hang in die Lichtkegel der Stirnlampen auf; kranzförmig wachsen immergrün Moos und Gräser um den Eingang zum Nixloch, einer kleinen Versturzhöhle unterhalb der Gurrwand am Untersberg bei Hallthurm. Vollbepackt mit persönlicher Schutzausrüstung, Bohrmaschinen, Seilen und Felsankern gehts hinab in die Unterwelt. Im Rahmen ihres Aus- und Fortbildungsprogramms bauen die Höhlenretter heute eine Seilbahn auf, mit der im Ernstfall ein Verletzter schonend durch die unterirdischen Gänge und Schächte an die Oberfläche gezogen werden kann. Eine kurze Abendübung, die gerade einmal eine halbe Stunde dauert, da jeder der Retter genau weiß, was er zu tun hat: Löcher bohren, Haken setzen, Seile spannen und schon gleitet Peter Hogger als Patient zwischen den riesigen Felsblöcken scheinbar schwerelos in Richtung Ausgang. An den Wänden glitzern magisch viele tausend kleine Wassertropfen und von der Oberfläche hängen undzählige, meterlange, seidenfeine Pflanzenwurzeln herab, die irgendwie durch die winzigen Felsritzen ihren Weg gefunden haben. „Wir suchen uns immer wieder bewusst Objekte aus, die auch regelmäßig von Menschen begangen werden, da hier ein echter Notfall wahrscheinlich ist“, erklärt Hogger.

Die Höhlenretter sind fleißig am Üben

Die Bergwacht-Höhlenretter üben auch im Winter

Wichtiger Ort für Alpenschamanen Das Nixloch ist leicht zugänglich und gilt bei Alpenschamanen als wichtiger Ort, wobei es zwei Erklärungen für den Namen gibt: Das Nix hieß einst die weiße Kalzitablagerung, die auch Bergmilch genannt wird und als Heilerde früher hoch geschätzt war. Im Alpenraum gibt es viele Nixlöcher, wo Heilerde abgebaut wurde. Der Nix ist auch ein dämonischer Wassermann, ein Kobold, der womöglich in Zusammenhang mit der Zwergensage des Untersbergs steht. In einer Sage über das Nixloch wird erwähnt, dass im Nixloch die Untersbergmandl einen Gang gegraben hätten. Im Gebiet des Nixloches vermuten die Alpenschamanen auch die „Eiserne Thür“, das westliche Zeitportal des Untersbergs. Das Nixloch liegt unmittelbar hinter den Mauern der einstigen Festung Hallthurm. In seiner Umgebung finden sich Felsbilder aus prähistorischer Zeit, so genannte Petroglyphen. Die konstante Wärme im Höhleninneren führt im Winter zu markanten Nebelbildungen, die aus dem Höhleneingang emporsteigen.

Neue Höhlenrettungwache in Mitterfelden Gegen 21.30 Uhr gehts mit verdreckter Ausrüstung und Kleidung zurück zum Stützpunkt; Putzen ist angesagt – viel Arbeit für einen so kurzen Ausflug in die Unterwelt. Mittlerweile ist der Höhlenrettungsanhänger in einer angemieteten Garage im neuen Ainringer Feuerwehrhaus in Mitterfelden untergebracht. Hier haben die Ehrenamtlichen zusätzlichen Platz für ihre Spezialausrüstung; Fahrzeug, weiteres Material und Stüberl bleiben weiterhin im BRK-Haus Freilassing. Bundesweit ereignen sich pro Jahr nur eine Hand voll Einsätze; wenn aber etwas passiert, dann sind alle voll gefordert, denn was die Höhlenretter tun, ist mitunter das Schwierigste, Personal- und Materialintensivste, was der Bergwachtdienst zu bieten hat. Das weiß auch der Freistaat Bayern, der allein für die Höhlenrettung in Freilassing in den letzten beiden Jahren rund 35.000 Euro ausgegeben hat; für persönliche Schutzausrüstung, einen Anhänger, spezielle Rettungsgeräte wie eine hydraulische Spreize und 1,2 Kilometer Statikseil. „Höhlenrettung heißt in unserer Region mittlerweile Freilassing; wir haben deshalb den Status einer Rettungswache“, erklärt Hogger stolz, der Beauftragter für die Höhlenrettung in der Bergwacht-Region Chiemgau ist. Seit den Anfängen im Sommer 2007 hat sich einiges getan: Die Gruppe besteht mittlerweile aus 13 Höhlenrettern und weiteren Sympathisanten, die für größere Einsätze nachgefordert werden können. Regelmäßig, meist an Montagabenden sind die Spezialisten bei Übungen und Erkundungstouren in den heimischen Höhlen unterwegs; zusätzlich findet Trockentraining an Kletter- und Felswänden statt, denn in der Höhle, wo es stockdunkel ist, kann sich keiner Fehler erlauben.

Vom Dreck angelockt und begeistert „Im Einsatzfall muss jeder alles können!“, erklärt Hogger. Bei mehreren großen Übungen trainierten die Höhlenretter während der vergangenen Monate vor allem ihr Zusammenspiel mit der Salzburger Höhlenrettung, den anderen bayerischen Höhlenrettungsgruppen und den örtlichen Bergwachten. Hogger lobt dabei das Engagement der Aktiven: „Vom Dreck angelockt waren immer alle da, die sich irgendwie freinehmen konnten. Bravo! Als Bergwachtmänner mit solider Grundausbildung sind wir gewohnt, selbständig zu arbeiten und zu improvisieren.“

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz 

Quelle: BGland24.de

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