Etappenziel „Tauernanflug“ geschafft

Fluglärm: Kommission tagte

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Freilassing - Der Fluglärm und kein Ende? Zwar konnte das Etappenziel „Tauernanflug“ erreicht werden - in der Statistik schlägt sich das aber noch nicht nieder:

„Der Weg zu Verbesserungen für die Bevölkerung im Umfeld des Flughafens ist mühsam, langwierig und man muss sich kontinuierlich dafür einsetzen“, stellte der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Bürgermeister Josef Flatscher, nach der Kommissionssitzung am 19. November im Freilassinger Rathaus fest. „Unsere beharrlichen Anstrengungen haben aber dazu geführt, dass am 3. Mai der sogenannte „Tauernanflug‘ von Süden offiziell eingeführt wurde.“

Erste Zahlen über das vergangene halbe Jahr weisen zwar bei der Verteilung der An- und Abflugrichtung noch keine größeren Auswirkungen auf, „aber wie die Proteste und Klagedrohungen aus dem Süden von Salzburg zeigen, finden nun doch schon vermehrt Starts und Landungen im Süden statt,“ so Bürgermeister Flatscher.

Seit Jahren kämpfen die bayerischen Anrainergemeinden für eine gerechtere Verteilung bei der An- und Abflügen zum und vom Flughafen Salzburg. Gefordert wird eine Entlastung bei den Anflügen von Norden bzw. bei den Starts nach Norden, die bisher zu etwa 90 Prozent über diese Richtung und damit über deutsches Gebiet erfolgen.

Der Vorsitzende sieht in der neuen Flugroute einen Schritt in die richtige Richtung, um die Bevölkerung vom Flugverkehr und Fluglärm zu entlasten. Zu weiteren Schritten gehören für ihn, Ainrings Bürgermeister Eschlberger und Saaldorf-Surheims Bürgermeister Nutz unter anderem die Reduzierung der Flugbewegungen an den Winterwochenenden (Wintercharter) und zu den Tagesrandzeiten.

Verkehrszahlen des Flughafens

Der Flughafen legte in der Sitzung seinen Bericht über die Entwicklung im Flugverkehr vor, wonach von Januar bis Oktober 2012 insgesamt 49.368 Flugbewegungen erfolgten, 6 % weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Auf Linienflüge und auf den touristischen Verkehr entfielen davon 14.732 Bewegungen, 13 Prozent weniger als im Vorjahr (16.901 Bewegungen). Den weitaus größeren Anteil an den Flugbewegungen hatte die Allgemeine Luftfahrt (34.636 Flugbewegungen), das sind Geschäftsflüge, Schul- und Rundflüge und ähnliches. Platzrundenflüge finden fast ausschließlich über österreichischem Gebiet statt, Schul- und Rundflüge können auch bayerische Gemeinden berühren.

Die Passagierzahlen gingen in 2012 (Januar bis Oktober) geringfügig um zwei Prozent auf 1,46 Millionen Passagiere zurück. Der Grund, dass die Passagierzahlen quasi gleichblieben, aber die Flugbewegungen bei Linienflügen und touristische Flügen deutlicher zurückgingen, liegt darin, dass größere Flugzeuge eingesetzt werden.

Die leidigen Betriebszeitenüberschreitungen waren auch wieder Thema in der Sitzung. Die Betriebszeit des Flughafens ist durch den Staatsvertrag auf 6 bis 23 Uhr beschränkt. Der Flughafen habe aber die Betriebspflicht, Flugzeuge bei Verspätungen auch außerhalb der Betriebszeit landen zu lassen, wie Flughafendirektor Hermann immer wieder betont. Der Flughafen bemühe sich, diese Überschreitungen so gering wie möglich zu halten. Bis einschließlich Oktober waren dieses Jahr 29 Betriebszeitenüberschreitungen zu verzeichnen, in 2010 waren die Zahlen mit 47 Überschreitungen deutlich höher. Moniert wird von der Kommisssion, dass Fluggesellschaften Landungen bis kurz vor 23 Uhr im Flugplan haben, hierdurch seien Betriebszeitenüberschreitungen praktisch schon vorprogrammiert. Der Flughafen soll stärker auf die Fluggesellschaften einwirken, dass Landungen wesentlich früher eingeplant werden.

Kritik gab es erneut vom Schutzverband Rupertiwinkel und den Vertretern der Gemeinden an der Darstellung der Daten, die vom Flughafen in das Internet gestellt werden. Diese Daten wie zum Beispiel Flugverkehrszahlen, Lärmdaten oder Umweltkennzahlen, sollten detaillierter aufgeführt und dargestellt werden. Ein Arbeitskreis, bestehend aus Vertretern des bayerischen Verkehrsministeriums und des Umweltministeriums, dem Flughafen, dem Schutzverband Rupertiwinkel, der Stadt Salzburg und der Stadt Freilassing, wird sich sich dieses Themas annehmen.

Einen Termin für die Umweltverträglichkeitsprüfung, dem sogenannten UVP-Verfahren, zu den geplanten baulichen Maßnahmen am Flughafen konnte die Flughafenleitung noch immer nicht nennen, da noch ein Klageverfahren beim Europäischen Gerichtshof anhängig sei. Das ursprünglich für dieses Jahr angekündigte UVP-Verfahren werde erst im Lauf des nächsten Jahres in angegangen.

Den Berechnungen der Fluglärmschutzzonen für die deutsche Seite ist man nun einen Schritt näher gekommen, wie Ministerialrat Rainer Köstler vom Bayerischen Verkehrsministerium mitteilte. Die noch fehlenden Daten übergaben die österreichischer Vertreter in der Kommisssionssitzung an das Verkehrsministerium. Die Daten müssen nun überprüft und ausgewertet werden, dann erfolgen die Berechnungen der Zonen. Bis zum Erlass einer Rechtsverordnung über die Festlegung der Zonen kann noch ein Jahr vergehen. „Wir haben es hier mit zwei Staaten zu tun und grenzüberschreitend ist es aufwendiger, die entsprechenden Daten zu erhalten. Wir liegen aber trotzdem gut im Mittelfeld“, stellte der Vorsitzende fest, „denn viele deutsche Fughäfen sind auch noch nicht weiter, wie ich kürzlich bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fluglärmkommisssionen erfahren habe.“

Vorgestellt wurde auch das Ergebnis der Machbarkeitsstudie „Innovative An- und Abflugverfahren zur Erhöhung der Lebensqualität am Flughafen Salzburg“, die von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land, den Gemeinden Freilassing, Ainring, Saaldorf-Surheim sowie dem Flughafen Salzburg in Auftrag gegeben wurde. Die im Projekt beauftragten wissenschaftlichen Partner waren die Universität Salzburg, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Technische Universität München.

Die Studie beinhaltet im eine Darstellung der aktuellen An- und Abflugrouten mit den derzeit angewendeten Flugverfahren und Technologien. Zusätzlich wurde die Machbarkeit von den in den kommenden Jahren verwertbaren Technologien geprüft. Das Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung aus dem Projektefonds der „EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein“ durchgeführt.

Als Ergebnis aus der Machbarkeitsstudie kann festgehalten werden, dass neue Technologien und Flugverfahren möglich sein werden. Es muss allerdings mit einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren gerechnet werden, bis sie eingesetzt werden können, da entsprechende technische Aufrüstungen nicht nur am Flughafen sondern auch in den Flugzeugen notwendig sind.

„Wie die Studie zeigt, gibt es zukünftig Möglichkeiten um Flugrouten zu verbessern. Es gibt noch viel zu tun in der Fluglärmkommisssion. Wir wollen weitere Verbesserungen für unsere Bevölkerung erreichen“ so das Fazit von Bürgermeister Flatscher.

Pressemitteilung Stadt Freilassing

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser