"Gegen was sind sie jetzt schon wieder?"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Von links: Florian Löw, Hias Kreuzeder, Ludwig Unterreiner, Wolfgang Wagner, Bert Enzinger

Freilassing - Die Freien Wähler kritisieren das Stadtentwicklungskonzept und fordern, dass auf die Identität als Eisenbahnstadt gleich am Ortseingang hingewiesen werden müsse.

„Gegen was sind sie jetzt schon wieder?“ Mit dieser Frage leitete der erste Vorsitzende der FWG-Heimatliste die Veranstaltung zum Thema „Stadtentwicklung“ ein, die im Gasthaus Rieschen stattfand und gut besucht war. Bert Enzinger, Florian Löw, Hias Kreuzeder, Wolfgang Wagner und Ludwig Unterreiner durchforsteten das Konzept und entdeckten dabei viele offene Fragen, die sie den Besuchern aufbereiteten.

„Was beinhaltet eigentlich das Schlagwort „gemeinsam.gestalten?“, versuchte Bert Enzinger zu hinterfragen. „Bereits 1998 arbeiteten etwa 70 Bürger der Stadt monatelang mit Begeisterung in der Agenda 21 und das Ergebnis verschwand still und heimlich in der Schublade. Und heute erscheint es wieder im Stadtentwicklungskonzept, das nur von teuer bezahlten Fachbüros modifiziert wurde.“ Nach verlorenen Bürgerentscheiden wurde das immer wieder verschobene Planungskonzept entstaubt und mit viel Aufwand als „gemeinsam.gestalten“ auf den Weg gebracht. „Aber das hatten wir schon alles - das mit den Bürgern zusammen etwas entwickeln.“, betonte der erste Vorsitzende. „Nur damals wollte man es eigentlich nicht.“

"Das ist eine Lüge mit schönen Zahlen"

In seinen weiteren Worten kritisierte er das geplante Wachstum der Ortsbevölkerung. „Ein Wachstum von 4000 Person kann niemals erreicht werden, wenn der Grundgedanke des Wohnens und Arbeiten beachtet wird.“, betonte Enzinger. „Das ist eine Lüge mit schönen Zahlen.“ Ferner habe er viele Allgemeinplätze entdeckt, wie beisielsweise die Koppelung von Gewerbe- an die Wohnbauflächenförderung. „Sollen per Stadtratsbeschluss die Grundstückeigentümer gezwungen werden, dass verdichtetes Wohnen mit bezahlbaren Wohnungen geschaffen werden?, hinterfragte Enzinger.

Interkommunale Zusammenarbeit funktioniere nicht

In das gleiche Horn blies Florian Löw: „80 Prozent der Vorgaben kann nicht umgesetzt werden, ist aber in dem Konzept vorhanden.“ Er stellte mit Beispielen die Planungsfreude , aber auch die Entscheidungslosigkeit der Stadt in Grundsatzfragen heraus. „Es ist heute modern, über Fortschritt und Entwicklung zu sprechen. Man muss aber gewachsene Strukturen erhalten, um die Identität eines Ortes zu schützen.“ Es habe sich gezeigt, dass interkommunales Zusammenarbeiten nicht funktioniere. Deshalb sei das auch mit Salzburg nicht möglich. „Die Fehler der Salzburger Politiker sollen nun die bayerischen Nachbargemeinden ausbaden“, mutmaßte Löw. Die Annahme sei ein Trugschluss, dass in Freilassing wohnende, aber nicht arbeitende Salzburger ihre Konsumgewohnheiten in ihren Wohnort verlegen würden. Das Stadtentwicklungskonzept gebe ein nicht natürliches Wachstum vor, sondern diktiere ein vorgegebenes. „Hat das Neubaugebiet 'Wiesenstraße' überhaupt eine Zukunft, nachdem das Baugebiet Schlenkenstraße nach Jahren noch nicht abgeschlossen ist?“, resümierte Löw.

Auch den Bereich Freizeit und Bildung die Freien Wähler bereits vor Jahren hingewiesen hätten. Der Versuch, Freilassing als Hochschulstandort zu qualifizieren, sei bereits zweimal fehlgeschlagen. Es sei ein schöner Traum, diesen Wunsch erneut im Stadtentwicklungskonzept festzuschreiben. Und wie gewinnbringend die Nachbarschaft mit Salzburg sei, zeige ein Beispiel, als Freilassing für eine Zusammenarbeit im Bäderbereich warb. Nach längerer Wartezeit wurde die Stadt mit der Aussage abgewiesen, dass dies ausschließlich die Angelegenheit des Nachbarn sei. „Deshalb sollte man auch den Masterplan mit kritischen Augen prüfen, für wen dieser wirklich von Nutzen ist“, betonte Löw.

Utopien von Ortsfremden

„Es kann nicht das Ziel sein, immer nur mehr Wachstum zu fordern,“, mahnte Kreuzeder. Er sei auch der Überzeugung, dass das Konzept pure Utopie sei und keine Nachhaltigkeit habe. Ortsfremde Fachplaner würden bestimmen, was für Freilassings Entwicklung gut sei. Wie widersinnig die schöngeschriebenen Vorschläge und Überlegungen wären, zeige sein Berufstand auf, wenn Bauernmorden als natürlicher Strukturwandel bezeichnet werde. Er hoffe nur auf eines, dass die Bürger ihren gesunden Menschenverstand für dieses Projekt eröffnen werden.

Zur Energiefrage äußerte sich Wolfgang Wagner mit der für ihn kennzeichnenden Deutlichkeit. Er erinnerte an die von der Stadt favorisierte Fernwärme mit einem zentralen Biomasseheizkraftwerk, dem eine Mehrheit der Freilassinger eine Abfuhr erteilt habe. Der Bürger würde nun vermehrt selbst sanieren und dabei das für ihn Notwendige durchführen, stellte Wagner fest. Wichtig sei das Einspar- und Effizienzpotential sowohl für den Einzelnen, als auch die Wirtschaft. Es seien alle Möglichkeiten des Einsatzes erneuerbarer Energieformen auf ihre Geeignetheit und Machbarkeit zu prüfen. „Und wenn alle zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen, dann kann auch die Energiewende gelingen.“, behauptete Wagner.

Identität als Eisenbahnerstadt

Ludwig Unterreiner machte keinen Hehl daraus, dass er die Sinnhaftigkeit des Stadtentwicklungskonzeptes nicht erkennen könne. „Wenn ein Fachplaner den Eichetwald als mögliches Industriegebiet vorsieht, dann hat er nichts Gutes mit Freilassing vor“, wetterte der Referent. Er forderte die Identität des Ortes als Eisenbahnerstadt ein und belächelte die "grausigen Eingangsschilder".

„Warum kann man am Ortseingang nicht auf unsere Eisenbahngeschichte hinweisen?, fragte er. Abschließend gab er zu verstehen, dass das Konzept als Paket bereits geschnürt sei und niemand gewillt wäre, dieses erneut zu öffnen. „Wenn jemand glaubt, jetzt noch mitwirken zu können, dann erliegt er einem Irrtum.“, betonte der 'rebellische Stadtrat'.

Wolfgang Hartmann legte Wert darauf, dass Freilassing als Eisenbahnerstadt nur gewinnen könne. Besonders betroffen waren die Zuhörer über die Aussagen von Maria Eichinger. Die 71-Jährige äußerte, dass alte Leute in Freilassing nicht angenommen würden. „Wo ist die Lobby für Senioren in der sozialen Stadt?“ Man bekomme keinen Fuß in die Stadt Freilassing - auch nach jahrelangen Versuchen sei ihr das nicht gelungen. Beim Stadtoberhaupt und der Verwaltung habe sie nie Gehör gefunden. „Auch im Konzept fehle ganz einfach der Mensch“, stellte Enzinger abschließend mit Wehmut fest.

Pressemitteilung Freie Wähler Freilassing

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser