Hochwasser: Wohin flossen Spendengelder?

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Ludwig Unterreiner mit Hias Kreuzeder bei der Versammlung

Freilassing - Warum blieben dringend benötigte Soforthilfen nach dem Hochwasser aus? In einer Diskussionsrunde berichteten Betroffene von ihrem Leid.

Bernd Strasser bei seiner Wortmeldung

Warum erhielten die Geschädigten des Hochwassers keine Soforthilfe von der Stadt? Es waren doch genug Gelder infolge der Spendenfreudigkeit vieler Menschen vorhanden. Diese Frage warf Bernd Strasser in der Diskussionsrunde bei der Jahreshauptversammlung der FWG Heimatliste auf, die kürzlich im Gasthaus Rieschen abgehalten worden war. Weitere Wortmeldungen zu diesem Thema kamen von Ludwig Unterreiner, Christine Schaider und Bettina Oestreich.

Lucian Breuninger mit Günter Neuhofer als Wahlleiter

So schlimm das Hochwasser im Juni dieses Jahres für viele Freilassinger war, so heftig wird auch über die Bewältigung dieses Ereignisses gesprochen. Besonders Bernd Strasser traf es besonders hart. Seine damalige Wohnung ging in den Fluten im wahrsten Sinne des Wortes unter. Er konnte nichts mehr retten und verlor alles. Er fand zum Glück eine neue Wohnung und muss seine Existenz als Rentner neu aufbauen. Überraschend nüchtern und abgeklärt berichtete der 61-Jährige von seinen Erfahrungen. „Ich habe als Ersthilfe 500Euro vom Staat bekommen, was aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war. Deshalb versuchte ich, etwas aus dem Spendentopf beherzter Bürger zu bekommen.“, erzählte der Freilassinger und fuhr fort: „Ich fragte beim Thomas Berger an. Dieser teilte mir mit, dass ihm die Stadt eine Auszahlung untersagt hätte.“ Später traf er unterwegs Max Aicher und bedankte sich bei ihm für die gespendeten Waschmaschinen. Seine Ehefrau erwiderte darauf, dass ihr so etwas noch nicht untergekommen sei. Er nannte noch weitere ähnliche Beispiele. „Eine ausreichende Soforthilfe wäre für uns Geschädigte dringend notwendig gewesen.“, resümierte er.

Florian Löw im Gespräch mit Christine Schaider (links) und Julia Albrecht (rechts)

Aufgebracht ergänzte Ludwig Unterreiner zur Spendenbereitschaft vieler Menschen. „Meine Familie hat beim Benefizkonzert am Rathausplatz die Bewirtung der Gäste übernommen und den gesamten Erlös als Spende für die vom Hochwasser Geschädigten abgegeben.“ berichtete er. „Aus diesem Betrag ließ sich die Stadt dann aber die Kosten für die Leistungen des Bauhofes bezahlen. Das kann`s doch nicht sein.“ Er könne das so nicht akzeptieren. Christine Schaider war ebenfalls sichtlich betrübt über das Erlebte. „Ich sprach im Werk 71 vor und wollte eine Geldspende für einen Mitbürger geben, der alles verloren hatte.“, äußerte sie. „Ich erhielt die Auskunft, dass dies aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich sei.“ Deshalb habe sie den Betrag dort einbezahlt. „Ich habe später nur mehr Sachspenden selbst angeliefert und verteilt.“ Einbezahlen bei der Annahmestelle käme für sie nicht mehr in Frage. Auch Bettina Oestreich konnte Erlebtes zu dem Thema beitragen, zumal ihr Bruder mit Familie vom Hochwasser massiv betroffen war. „Die Geschädigten fanden bei mir eine vorläufige Bleibe und ich konnte hautnah miterleben, wie zögerlich alles von Statten ging, obwohl sie dringend Unterstützung brauchten.“, betonte Oestreich.

Zum Ende der Diskussion wollte noch Fraktionssprecher Fritz Braun von den Anwesenden wissen, wie ihre Meinung zur Frage: `Restaurierung oder Neubau des Badylons´ sei. Und wie erwartet, gab es ganz unterschiedliche Aussagen dazu. Altbürgermeister Lucian Breuninger breitete zum allgemeinen Verständnis die Entwicklung des Hallenbades auf und konnte verdeutlichen, dass gründliche Untersuchungen zu einem möglichen Hochwasser durchgeführt worden waren. Auch das Auftreten von Grundwasser und dessen Auswirkungen fanden Eingang in die Nachforschungen der Gutachter. Und es wurde erst gebaut, nachdem alle Zweifel beseitigt waren. Ferner erinnerte er daran, dass der ganze Bereich eine Schulsportanlage sei. Deshalb wäre man an den Standort gebunden, was auch sinnvoll sei. Das Badylon sei weitläufig ein Markenzeichen und deshalb sollte man es, soweit möglich, wieder erneuern. Hans Stadler dagegen votierte ebenso wie Walter Kinzel für einen Neubau, da kein guter Stern auf dem alten Gebäude liegen würde und nunmehr die Möglichkeit bestünde, die neuesten Errungenschaften der Architektur und Technik einzubringen. Fritz Braun versicherte abschließend, die Ergebnisse der Diskussion in die Entscheidungsfindung der Fraktion einzubringen.

Fritz Braun, Pressesprecher FWG Heimatliste Freilassing

Quelle: BGland24.de

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