„Gesundes Maß an Kirchturmdenken ist angebracht“

Braucht Freilassing eine Notfallversorgung? 50 Betriebe sagen: „Na klar“

Sonnenuntergang beim Krankenhaus Freilassing
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Steht der Sonnenuntergang beim Krankenhaus Freilassing symbolisch für eine Ende der Notversorgung? Kritische Stimmen meinen „ja“, es seien schon viele Gerätschaften abgebaut worden.

Freilassing - Die Diskussion um den möglichen Neubau einer Zentralklinik im Landkreis sieht Bad Reichenhall bekanntlich schon für sich entschieden, Freilassing gibt sich allerdings nicht geschlagen. Ein Stadtrat startete Anfang November eine Online-Befragung bei Unternehmern, das erwartbare Ergebnis:

Nur 26 Prozent der 50 teilnehmenden Firmen bewerten die aktuelle Notversorgung in Freilassing als „gut“, 38 Prozent sagen, eine Notversorgung in direkter Nähe sei „definitiv“ wichtig für die Standortwahl oder eine Erweiterung. Ex-Stadtrat Fritz Braun zeigte sich als Besucher nach der Präsentation im Stadtrat enttäuscht, „leider hat niemand den Ist-Zustand im Krankenhaus angesprochen, in dem immer mehr abgebaut wird“.

Der Wirtschaftsreferent des Stadtrates, Christoph Bräuer, wollte die Stimmung in den Unternehmen testen und schrieb Anfang November 234 Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Industrie und Handel, sowie Bildung, Dienstleister, Gastronomie und Tourismus an. 50 von ihnen beteiligten sich am Ende an einer Online-Umfrage, davon die meisten aus dem Handel (47 Prozent), die wenigsten aus der Industrie und dem Handwerk (15 Prozent), wo die meisten Arbeitsunfälle vermutet werden könnten.

Eine Antwortquote von 21 Prozent ist nach Ansicht Bräuers „akzeptabel“. Die Hälfte der befragten Firmen befindet sich im Umkreis von drei Kilometern zum Krankenhaus, 30 Prozent aus einem Umkreis von fünf Kilometer, also inklusive Firmen aus Ainring und Saaldorf-Surheim. Die restlichen 20 Prozent der 50 Teilnehmer stammen aus Radius von zehn Kilometer, also aus Piding, Teisendorf und Laufen.

Bei der Frage nach der Notversorgung wollte Bräuer von den Unternehmen zuerst wissen, wie viele „meldepflichtige Arbeitsunfälle“ sie pro Jahr haben, also Unfälle am Arbeitsplatz, nach denen jemand mindestens drei Tage krankgeschrieben ist. Die Antwort der 50 beteiligten Firmen: 42 Prozent sagten „keinen Unfall“, 46 Prozent sagten „1 bis 5 Unfälle“, „wobei ein großer Anteil der Arbeitsunfälle im Handwerk, der Industrie und in Bildungseinrichtungen passiert“, so Bräuer.

Notfallversorgung „unabdinglich“

Bei der „no-na-ned“-Frage, wie wichtig eine Notversorgung in Freilassing ist, sagen auf einer Skala von 1 („unwichtig“) bis 10 („unabdinglich“) 28 der 50 teilnehmenden Unternehmen, diese sei „unabdinglich“, also notwendig. Nicht mehr ganz so einig waren sich die 50 teilnehmenden Unternehmen bei der Frage, ob eine Notversorgung in direkter Nähe eine wichtige Rolle bei der Standortwahl oder einer möglichen Erweiterung spielt? Hier sagten laut Bräuer-Befragung 38 Prozent „Ja, definitiv“, ebenfalls 38 Prozent „bedingt“, was immer das genau heißen mag, und immerhin 24 Prozent „nein, spielt keine wichtige Rolle“.

Die aktuelle Notfallversorgung in Freilassing wird von den teilnehmenden Betrieben mittelmäßig bewertet, 22 Prozent sagen, sie sei „schlecht“ und 52 Prozent meinen, sie sei „mittelmäßig“, nur 26 Prozent meinen, die Notfallversorgung sei „gut“. Bräuer hält das Ergebnis der quantitativen Befragung für „repräsentativ“, weil alle Branchen entsprechend vertreten seien und ortet durchschnittlich einen Arbeitsunfall je Arbeitstag bei den 50 teilnehmenden Firmen.

Sein erwartetes Fazit am Ende der Befragung: „Freilassing und Umgebung benötigt dringend eine eigene Notversorgung“.

Stimmung machen für Krankenhaus Freilassing

Bürgermeister Markus Hiebl meinte am Ende der Präsentation, „das Ergebnis zeigt, dass man über den Standort nachdenken muss und dabei auch die Wirtschaft und die Bevölkerung einbinden muss“. Für SPD-Stadtrat Helmut Fürle ist klar, „dass wir die Kliniken im Landkreis in kommunaler Trägerschaft erhalten müssen, was wir nicht brauchen sind private Anbieter“. Und für FWG-Stadtrat Thomas Ehrmann steht fest, „dass jetzt ein gesundes Maß an Kirchturmdenken angebracht ist“, das jetzt mit Fakten unterfüttert sei. Seiner Meinung nach solle die Stadt jetzt auch in den Sozialen Medien Stimmung erzeugen, „denn die Leute sollen sich Gedanken machen über die Zukunft des Krankenhauses“.

hud

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