Die Lokwelt in Freilassing

Früher vom Verfall bedroht – Nun Publikumsmagnet

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Lokwelt Freilassing - Von der Ruine zum Publikumsmagnet
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Freilassing – Ruinen, mal mehr oder mal weniger verfallen gibt es viele. In manchen Fällen noch gut erhalten, in manchen dem Untergang geweiht. Auch dem Lokschuppen in Freilassing drohte einst ein ungewisses Schicksal. Daraus wurde eine wahre Erfolgsgeschichte:

Lokwelt Freilassing - Von der Ruine zum Publikumsmagnet

Weit über 1.000 Mitarbeiter waren in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Bahnhof, im Bahnbetriebswerk, in der Bahnmeisterei und in der Fahrleitungsmeisterei der Lokwelt beschäftigt. Dann der große Schock in den 90er Jahren – mit der Privatisierung der Bahn wurden viele Dienststellen verlagert oder sogar ganz aufgelöst

Auch das Bahnbetriebswerk war davon betroffen. Still und verlassen sah es sich über Jahre einem ungewissen Schicksal entgegen. 

Einige Jahre später, Ende der 90er Jahre, wurde der Rundlokschuppen in die Denkmalliste aufgenommen, und die Stadt Freilassing entschied, die Gebäude von der Bahn zu erwerben und sie in Kooperation mit dem Deutschen Museum zu einem Eisenbahnmuseum - der "Lokwelt Freilassing" - auszubauen. 

Die erste Idee war ein begehbares Depot, damit die Loks des Deutschen Museums eine neue Heimat bekommen. Aus dieser ursprünglichen Idee hat sich ein wahrer Publikumsmagnet entwickelt.

„Ich bin ein 'Kind' der Eisenbahn“

Lokwelt Freilassing - Von der Ruine zum Publikumsmagnet

Ich bin, wenn man so will, ein 'Kind' der Eisenbahn: Aufgewachsen in Freilassing mit der Bahn, dem Bahnbetriebswerk und dem Rundlokschuppen – der heutigen Lokwelt. Das Bahngelände war unser Spielplatz“, so Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher. 

Und ergänzt: „Das Bahnbetriebswerk wurde in den 90ger Jahren nach und nach stillgelegt. Der Rundlokschuppen stand leer und war praktisch dem Verfall preisgegeben. Als ich 1999 zum Bürgermeister gewählt wurde, war es mir ein großes Anliegen, dieses Industriedenkmal zu erhalten. 

Wir hatten als Stadt sogar schon Haushaltsmittel bereitgestellt, um die notwendigsten Instandhaltungsarbeiten durchzuführen. Der Rundlokschuppen wurde jedoch unter Denkmalschutz gestellt, so dass die Bahn diese Arbeiten übernahm. 

Zu unserem großen Glück plante das Deutsche Museum ein neues Verkehrszentrum und suchte für etliche seiner Lokomotiven ein Depot, da nicht mehr alle Lokomotiven im neuen Verkehrszentrum ausgestellt werden konnten

Lokwelt Freilassing - Von der Ruine zum Publikumsmagnet

Über die seinerzeit in Freilassing ansässige Firma Rocco kamen wir und das Deutsche Museum in Kontakt. Und so entwickelte sich in enger Kooperation mit dem Deutschen Museum unsere heutige Lokwelt. Das Gelände haben wir von der Bahn erworben. Ich bin stolz darauf, dass wir dieses Zeugnis unserer Geschichte unseren Freilassingern erhalten haben und Eisenbahnbegeisterten und Gästen präsentieren können. Wer hat schon ein Eisenbahnmuseum in authentischer Umgebung, also direkt neben einer Bahnlinie! Der direkt an der Bahnstrecke München-Salzburg gelegene Rundlokschuppen wurde in den Jahren 1902-1905 errichtet. 

Er ist Teil eines ganzen Gebäudekomplexes, der unter anderem einen Verwaltungsbau, die Montagehalle, ein eigenes Elektrizitätswerk und verschiedene Werkstätten umfasst und somit ein bedeutendes Baudenkmal der Industriegeschichte darstellt“. 

Bildergalerie: Früher vom Verfall bedroht – Nun Publikumsmagnet

Freilassing zählte übrigens zu den ersten Betriebswerken, bei denen mit Eloks gefahren wurde, hier gab es bereits 1914 die ersten Fahrten mit Elektrolokomotiven. 

Relikte aus den aktiven Zeiten 

Ein Relikt aus den aktiven Zeiten des Lokschuppens ist die Drehscheibe aus dem Jahr 1924, mit einem Durchmesser von 23 Metern. 

Dazu gehört eine Oberleitungsspinne, mit der die Bahn für sich das Zeitalter der Elektrizität einläutete. 

Vom Lokschuppen zur Lokwelt 

  • 1860 Eröffnung der Bahnstrecke München–Salzburg: Die Maximiliansbahn
  • 1902-1905 Errichtung des Lokschuppens Freilassing 
  • ab 1922 Erweiterung um die Elektrohalle 
  • 1924 Einbau einer neuen Drehscheibe 
  • 1994 Auflösung des Freilassinger Betriebswerkes 1998 Lehrwerkstätte wird aufgelöst; Aufnahme des Gebäudes in die Bayerische Denkmalliste
  • 2002 Die Stadt Freilassing beschließt, den Lokschuppen von der Deutschen Bahn zu kaufen 
  • 2003 Grunderwerb von der Deutschen Bahn AG: Der Lokschuppen geht in den Besitz der Stadt über. In Kooperation mit dem Deutschen Museum entstand ein Eisenbahnmuseum, die "Lokwelt Freilassing". Von den 20 radial angeordneten Gleisständen des Lokschuppens stehen 17 für die museale Nutzung zur Verfügung, die verbleibenden 3 werden als Werkstätte genutzt. Besonders schön ist der Innenraum des Lokschuppens, dessen Weite von der hölzernen Tragkonstruktion geprägt wird. 
  • 2004 Gründung des Vereins „Freunde des Historischen Lokschuppens 1905 Freilassing e.V.“, Beginn der Sanierungsmaßnahmen im Lokschuppen 
  • 2005 "100 Jahre Lokschuppen": Ausstellung über die Geschichte des Bahnbetriebswerks; Neuauflage der Chronik über das Bahnbetriebswerk Freilassing Sanierungsmaßnahmen: Dachtragewerk wird saniert, Dachoberlicht versetzt, neue Dachhaut, Verputz- und Malerarbeiten, Drehscheibe wieder funktionsfähig 
  • 2006 Die ersten historischen Loks des Deutschen Museums werden am 9. April im Lokschuppen eingestellt. 2. September 2006: Eröffnung der Lokwelt 

Musik – Kultur – Geschichte 

Lokwelt Freilassing - Von der Ruine zum Publikumsmagnet

Seit der Neueröffnung im Jahre 2006 präsentiert die Lokwelt nicht nur die Geschichte der Eisenbahn. Regelmäßige sonntägliche Jazzfrühshoppen laden zum kulturellen Brunch ein, ein stets gut besuchter Weihnachtsmarkt und zahlreiche Sonderausstellungen sowie die unterschiedlichsten allgemeinen Veranstaltungen locken begeisterte große wie kleine Besucher in die Lokwelt Freilassing. 

Unter der Leitung der Kunsthistorikerin Mag. Ingrid Gattermeier hat sich die Lokwelt Freilassing zu einem Projekt entwickelt, dass Besucher und Fans aus der ganzen Welt anzieht.

Tolle 360 Grad Panono Bilder der Lokwelt Freilassing finden Sie hier.

Quelle: BGland24.de

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