Stadtrat Freilassing beschließt

Im dritten Anlauf: Ja zu Container für sieben Grundschulklassen

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Wie viel Platz Schülern im Pausenhof zusteht ist in der Schulbauverordnung geregelt, es sind 3 m² pro Schüler.

Freilassing - Einstimmig beschloss der Stadtrat am Montagabend doch noch, dass die Stadt für 1,5 Millionen Euro Container in Modulbauweise ankaufen darf, um auf dem Vorplatz der zentralen Grundschule rund 200 Schüler unterrichten zu können.

Grund ist, dass zum einen die Zahl der Schüler in den nächsten Jahren von derzeit 560 auf über 700 anwachsen wird, außerdem hatte der Stadtrat bereits im Juni 2019 beschlossen, Schüler von der Außenstelle in Salzburghofen zurückzuholen.

Bereits Ende Januar sollte der Stadtrat beschließen, dass für rund 200 Schüler Module aufgestellt werden bis ein Neubau und eine mögliche Teilung der Grundschule auf Schiene sind. Damals sperrte sich aber die CSU, 1,5 Millionen Euro waren Wolfgang Krämer (CSU) „einfach zu viel“, auch konnte er damals den Zeitdruck nicht verstehen. 

Ähnlich wie bei der Mittelschule werden auch die Module, also hochwertige Container, an der Grundschule aussehen und rund 200 Schüler aufnehmen können.

Jetzt musste der Rektor der Grundschule, Helmut Mayer, noch einmal in den Stadtrat ausrücken um Überzeugungsarbeit zu leisten. „Wir sind schon jetzt bis unter das Dach voll, selbst der Mehrzweckraum wird schon als Klassenzimmer genutzt“, es fehlten schon jetzt drei Klassenräume, zudem würde der Raumbedarf durch das weitere Anwachsen der Schülerzahlen steigen. Für die Inklusion und Sprachförderkurse würden zusätzliche Räume gebraucht, „und die gewünschte und beschlossene ‚Digitale Bildung‘ beschränkt sich bisher auf einen Overhead-Projektor pro Klasse“.

Mit einer Modullösung für einen Übergangszeitraum erwartet sich Mayer große Synergieeffekte, er wolle dort vorrangig vierte Klassen unterbringen, die dann in digital bestens ausgestatteten Räumen unterrichtet werden können. Mehrmals wiederholte Mayer, „ich möchte keinen Klotz hin bauen und keine Schule schließen (gemeint ist die Außenstelle Salzburghofen. Anm.), ich möchte nur dass es meinen bald über 700 Schülern gut geht“.

Das jetzt noch für die Grundschule genutzte Gebäude in der Laufenerstraße in Salzburghofen ist eigentlich auch schon wieder verplant, es soll einen Kindergarten aufnehmen, denn nicht nur die Zahl der Schüler wächst in Freilassing. Sollten die vier Schulklassen in Salzburghofen bleiben müssen, so müsste die Stadt für die Kinderbetreuung neue Standorte suchen, zwei Grundstücke am Petersweg müssten dann entsprechend adaptiert werden.

Noel Kress vom technischen Bauamt der Stadt stellte die Containerlösung ausführlicher vor. Die Module sollen im südlichen Teil des Geländes am Birkenweg aufgestellt werden, während des Umbaus des Mittelschule in unmittelbarer Nähe waren hier schon einmal Schulcontainer aufgestellt, zahlreiche Anschlüsse sind daher noch vorhanden. Die Module könnten dauerhaft genutzt werden, ein Kauf sei daher für 1,5 Millionen Euro auch wirtschaftlicher als das Anmieten für fünf Jahre für rund 1,7 Millionen Euro.

Pausenfläche und Hühnerhaltung

Wolfgang Krämer von der CSU fand aber auch am Montagabend erst noch ein Haar in der Suppe, „die Freiflächen sind schon jetzt an der Kapazitätsgrenze“, soll heißen, in der Pause hätten die Schüler zu wenig Platz, „ähnlich wie bei der Hühnerhaltung gibt es ja auch für Schüler Vorschriften, wie viel Platz ein Schüler in der Pause haben muss“, so Krämer. Rektor Mayer konnte hier eine ganz pragmatische Lösung anbieten, die Stadt möge doch einfach den Park vor der Schule dauerhaft für die Schüler öffnen, „da haben wir dann viel Raum“. 

Krämer konnte sich am Ende doch für einen „kompromissbehafteten Befreiungssschlag“ durchringen, aber es brauche sehr schnell eine dauerhafte Lösung, also einen Neubau und eine Teilung der Grundschule. Man hätte vor vier Jahren schon Grundschulen besichtigt und sich um das Thema gekümmert, „so viel Zeit darf jetzt nicht mehr vergehen“, warnte Krämer. Bürgermeister Josef Flatscher erinnerte daran, dass der Stadtrat bereits im Juni 2019 die Module hätte genehmigen können.

„Hühnerregelung damals nicht wichtig“

Wie nützlich langjährige Erfahrung im Stadtrat sein kann bewies der Fraktionslose Stadtrat Fritz Braun, er erinnerte daran, dass vor 15 Jahren schon einmal über eine Trennung der Grundschule diskutiert wurde, also zwei eigenständige Grundschulen an zwei Standorten. 

Damals habe man sich dafür entschieden, das zentrale Schulhaus am Georg-Wrede-Platz zu belassen, „und das ist auch heute noch gut, und damals war eine Hühnerregelung noch nicht so wichtig, man hat die Kinder in der Pause einfach raus geschickt“. Braun war am Ende auch für die Modulbauweise, „aber müssen die Container vor dem Park aufgestellt werden, kann man die nicht im Innenhof aufstellen, wenn der Pavillon abgerissen wird?“.

Nach einer ausführlichen Diskussion zeigten die drastischen Worte von Rektor Helmut Mayer am Ende Wirkung, einstimmig beschloss der Stadtrat die Modulbauweise als Übergangslösung, damit bekommen rund 200 Schüler modern ausgestattete Klassenzimmer. Die Ausschreibung wird Anfang März starten, mit zwei Anbietern hat die Stadt bereits Vorgespräche geführt, die Lieferzeit liegt zwischen sechs und acht Monaten.

hud

Quelle: BGland24.de

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