Erneute Diskussion über Dichte von Wohnbauten am Krankenhaus

Baupläne Matulusgarten für die Tonne?

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Freilassing - Auch am Tag nach der Stadtratssitzung wundert sich Bürgermeister Josef Flatscher, dass die geplanten Wohnbauten am Krankenhaus jedes Mal im Stadtrat zu einer Grundsatzdiskussion führen.

„Die neuen Eigentümer haben sicher ein Rücktrittsrecht in ihrem Kaufvertrag, wenn kein rechtskräftiger Bebauungsplan zu Stande kommt“. Am Montagabend stimmten die Stadträte bei neun Gegenstimmen am Ende doch dem Vorentwurf zum Bebauungsplan zu, nicht ohne vorher ausführlich darüber diskutiert zu haben, wie dicht das 1,3 Hektar Areal am Krankenhaus bebaut werden soll, oder ob man „das Gustostückerl so lassen soll wie es ist“, so FWG-Stadtrat Thomas Ehrmann, der damit das gesamten Projekt in Frage stellte und vorhandene Baupläne offensichtlich eher in die Tonne werfen würde.

Die ‚Matulus Garten GmbH‘ hatte bereits im Februar 2018 einen ersten Antrag auf den Neubau eingebracht, im November 2018 hatte der Stadtrat grob beschlossen, wie sich die Stadt die Bebauung an der Matulusstraße vorstelle. Gestritten wurde am Montagabend erneut über die sogenannte Geschossflächenzahl, diese Zahl gibt an, wie hoch das Verhältnis der gesamten Geschossfläche aller Vollgeschosse, also ohne Keller und Dach, der Bebauung auf einem Grundstück zu der Fläche des Grundstückes maximal sein darf. Bei einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 0,75 dürfen sich auf einem Grundstück mit 1000 m² maximal 750 m² Geschossfläche in den Vollgeschossen befinden. 

Baupläne für Wohnbauten werden wieder Thema

Die Stadt hatte bereits im November eine GFZ von 0,75 beschlossen und damit Wohnbauten mit drei bis maximal vier Stockwerken genehmigt. Insgesamt sind fünf Bauten auf dem Areal vorgesehen, davon drei einzeln stehende Gebäude im Osten, sowie zwei im Westen, diese sollen vier Geschosse haben. Dazu wird es zwei Tiefgaragen mit jeweils eigenen Zufahrten geben.

Als Gegner des vorliegenden Entwurfs outete sich unter anderem Robert Judl von ‚Pro Freilassing‘, der in einem eigenen Antrag gleich sechs Punkte kritisierte, unter anderem die Wandhöhen, die Form des Daches und die Baudichte, also die oben beschrieben GFZ. „Wegen des dichten Heranbauens an die geschützten Bäume sollte die Dichte auf 0,65 reduziert werden“, so Judl. Das würde dem Vernehmen nach rund zehn Wohnungen weniger bedeuten, was Stadtrat Max Standl (CSU) zu der Vermutung veranlasste, „der Bauinvestor macht sowieso 0,75, auch wenn wir 0,65 vorschreiben“. 

Jan-Michael Schmiz vom Stadtbauamt bemühte sich zu erklären, dass der zu beschließende Vorentwurf noch keine rechtliche Bindung habe, „weder für die Stadt, noch für den Bauträger, alles wird weiter angepasst“, die nächsten Informationen kämen in den weiteren Schritten. Und an die kritisierenden Stadträte gewandt: „Sie wollen einen fertigen Entwurf vor einem vorzeitigen Vorentwurf haben, das geht nicht“, so Schmiz“, da beißt sich die Katze in den Schwanz“.

„Rede um den heißen Brei"

„Spannend“ fand CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Krämer die Diskussion, „die Zuschauer hier sind sicher verwundert, wie wir hier um den heißen Brei reden“, es gehe schlicht und einfach um die Massivität der Bauten, „das müssen wir hier beschließen und kein Gutachter“, so Krämer, und wollte einen neuen Antrag zur Frage, ob die GFZ bei 0,75 bleibt oder auf 0,65 reduziert wird, anscheinend vergessen wollend dass der Stadtrat vor einem halben Jahr eben diese Entscheidung schon gefällt hatte. Selbst Parteikollege Flatscher erinnerte Kremer, dass man das ja schon festgelegt habe.

„Gustostückerl freihalten“

Kremers Vorstoß blieb nicht die einzige Überraschung des Abends, Thomas Ehrmann (FWG) stellte gleich das ganze Bauvorhaben in Frage, „es bestehen viele Zweifel, die einen machen das an der Baudichte fest, die anderen an den Bäumen, wieder andere an den Fassaden“, so Ehrmann. „Für mich stellt sich die Frage, wollen wir das so wie geplant oder sollten wir das Gustostückerl so lassen wie es ist und interessanter nutzen?“. Applaus gab es an dieser Stelle von den rund 20 Besuchern, großteils Anwohner der Matulusstraße. Ehrmanns Fraktionskollegin Julia Albrecht meinte, man müssen „den Mut haben einfach mal Nein zu sagen“. Sie mache sich zudem Sorgen um den alten Baumbestand am Areal. „Die Städte heizen sich immer mehr auf, in der Hauptstraße gibt es einen großen Aufschrei wegen ein paar Seinen und an der Matulusstraße sollen jetzt Bäume weg?“

„Wollen wir günstigen Wohnbau oder nicht?“

Interessanterweise nicht für den Baumbestand sondern um günstigen Wohnraum kämpfend zeigte sich Wolfgang Hartmann von den Grünen/Die Bürgerliste. „Nur weil jetzt Zuschauer dasitzen sollen wir die Zahlen wieder ändern“, der Entschluss für 0,75 sei doch nach einer langen Diskussion gefallen, „jetzt wollen wir’s wieder anders? Wie soll da der Stadtrat verlässlich sein“, man wolle günstigen Wohnbau in Freilassing und das sei nun mal nur mit Geschossen zu erreichen und nicht mit einem einzigen Stockwerk. „Wenn wir hier im Stadtrat immer wieder alles in Frage stellen macht die Stadtratsarbeit keinen Sinn“.

Hudelist


Quelle: BGland24.de

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