„Die Kunden, die wir 2015 verloren haben, müssten wir jetzt zurückgewinnen“

Grenzkontrollen sorgen nach wie vor für Umsatzeinbußen im Freilassinger Einzelhandel

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„Warum müssen die Grenzkontrollen immer vor den Toren Freilassings sein?“ fragt Anni Klinger, die Vorsitzende des Wirtschaftsforums. Der Einzelhandel müsste jetzt Kunden zurückgewinnen, mit ständigen Staus bei der Einreise könne das nicht gelingen.

Freilassing -  Von Anfang an zählt Anni Klinger, die Vorsitzende des Wirtschaftsforums, zu den heftigsten Kritikern der Grenzkontrollen. Um 50 Prozent sei 2015 der Umsatz eingebrochen. „Die Kunden, die wir 2015 verloren haben, müssten wir jetzt zurückgewinnen“, sagt Klinger.

Die Staus wegen der deutschen Grenzkontrollen an den vier großen Autobahnübergängen von Österreich nach Bayern kosten die österreichische Wirtschaft 760.000 Euro pro Stunde, das haben eine Anfrage der wirtschaftsliberalen NEOS im Salzburger Landtag und eine Schätzung der Wirtschaftskammer ergeben. Doch auch in der Grenzstadt Freilassing spürt man die Folgen der deutschen Grenzkontrollen an der Saalbrücke nach wie vor. Zu den heftigsten Kritikern zählt von Anfang an Anni Klinger, die Vorsitzende des Wirtschaftsforums. „Die Erfolge der Bundespolizei finde ich zwar toll, aber warum müssen die Kontrollen ausgerechnet immer vor den Toren Freilassings sein? Personen die mit Haftbefehl gesucht werden könnte man auch überall anders festnehmen“. Sie fordert ein „rollierendes System“, also dass die Grenzkontrollen auch andernorts durchgeführt werden.

Selbst am verkaufsoffenen Sonntag hat die Bundespolizei mögliche Kunden aus Salzburg bei der Einreise „kontrolliert“.

Schon mit dem Beginn der Grenzkontrollen im September 2015 hätte man in Freilassing viele Kunden verloren, damals sprach Klinger von Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent, „wir leben hier von österreichischen Kunden, und bei Wartezeiten an der Grenze von bis zu zwei Stunden überlegt es sich der eine oder andere Kunde natürlich den Einkauf in Bayern“, so Klinger im Herbst 2015. 

Mittlerweile hat sich die Situation zwar entspannt, da die Deutsche Bundespolizei nicht mehr 24 Stunden den Grenzübergang Saalbrücke kontrolliert, doch immer wenn die meisten Salzburger gewohnheitsmäßig nach Freilassing fahren wollen, also zum Beispiel am Samstagvormittag, stehen die Bundespolizisten immer auf der Brücke und sorgen für einen Rückstau, der dann oft bis Salzburg-Mitte zurückreicht. 

Klinger ist ohnehin überzeugt davon, dass sich viele ehemalige Kunden bereits im Herbst 2015 und in den Monaten danach andere Einkaufsmöglichkeiten gesucht haben, „die Kunden, die wir 2015 verloren haben, müssten wir jetzt zurückgewinnen“, ist die WIFO-Vorsitzende überzeugt, aber die andauernden Grenzkontrollen würden dies verhindern. „Wie kann zum Beispiel der Landrat für die 24-Stunden-Grenzkontrollen am Walserberg sein, auch wenn sie irgendwann dreispurig erfolgen sollten“, fragt sich Klinger.

Eher negative Stimmung

Aber auch abgesehen von den Grenzkontrollen sei die Stimmung im Freilassinger Handel „eher negativ, die Fußgängerzone müsste dringend modernisiert werden, also moderner und Familienfreundlicher“. Die Innenstadt brauche eine Belebung, „und wir müssen bald was machen, sonst brauchen wir es nicht mehr“. Der Einzelhandel stehe auch wegen der Online-Konkurrenz „mit dem Rücken an der Wand“, trotzdem gebe es in der Innenstadt erstaunlich wenig leer stehende Geschäfte. 

Den Salzburger Platz finden die Freilassinger Geschäftsleute wenig attraktiv, auch die Fußgängerzone müsste ihrer Meinung nach modernisiert werden.

Dass Freilassing als einzige Stadt Parkplätze im öffentlichen Raum ohne Gebühren bereitstellt findet Klinger zwar gut, „aber nur für zwei Stunden, es gibt auch Kunden, die länger in der Stadt bleiben und einkaufen möchten“, ist Klinger überzeugt. Mit dem gastronomischen Angebot in der Stadt zeigt sie sich zufrieden, „wir haben in der Hauptstraße und am Hermann-Ober-Platz schon ein mediterranes Flair“.

Das Eingangstor zu Freilassing, den Salzburger Platz, finden die Einzelhändler „nicht attraktiv, aber nachdem die beiden Banken am Platz jetzt umbauen und umbauen wollen wird der Platz am Ende vielleicht schöner gestaltet“, hofft Klinger. Auch die Tiefgarage unter den Platz könnte ihrer Meinung nach bei dieser Gelegenheit vergrößert werden.

hud

Quelle: BGland24.de

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