Emotionen in Freilassing gehen hoch

"Sie tun mir nur noch leid" - Wahlempfehlung sorgt weiter für erhitzte Gemüter

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Flatscher zu Aicher: "Sie tun mir nur noch leid".

Freilassing - Bürgermeister Flatscher findet „Pamphlet der Herren Aicher und Himmler abstoßend“: „Gier nach Geld und Macht hat alle Hemmungen ablegen lassen“

Eine Art Wahlempfehlung mit einem ausgefüllten Stimmzettel für die Kreistagswahl des Unternehmers Max Aicher, sowie Christoph Himmlers vom Verein der Krankenhausfreunde, verteilt über die Heimatzeitung unmittelbar vor der Wahl, erhitzt auch zwei Wochen nach der geschlagenen Wahl die Gemüter. In dieser Broschüre gaben beide Herren Wahlempfehlungen für den Kreistag ab, auf einem Muster-Stimmzettel waren Kandidaten angekreuzt, die nach Meinung von Aicher und Himmler wichtig wären für die Zukunft des Krankenhauses in Freilassing. Die meisten „Stimmen“ am Muster-Wahlzettel der beiden hatten dabei Vertreter der Freien Wähler erhalten, aber auch CSU, SPD und Grüne wurden angekreuzt und damit „empfohlen“. Jetzt reagiert Bürgermeister Josef Flatscher in einer Stellungnahme ungewohnt scharf vor allem gegen Aicher: „Wie sehr muss einen die Gier nach Geld und Macht alle Hemmungen ablegen lassen. Sie tun mir nur noch leid, Herr Unternehmer“.

Hier die Stellungnahme von Bürgermeister Josef Flatscher im Original:

„Es ist seit Jahrzehnten eine unsägliche Praxis, dass gerade zum Ende der Kommunalwahlen Pamphlete und Diffamierungen als letzte Mittel der Stimmengewinnung in den Ring geworfen werden. Auch in diesem Wahlkampf war es wieder so – und es wird mit Unterstellungen und Halbwahrheiten agiert, denen Angesprochene und Betroffene in der Kürze der Zeit nicht mehr entgegentreten können. Was mich als scheidender Freilassinger Bürgermeister hierin besonders betrifft, sind Aussagen, die weder wahr noch belegbar sind, mir aber persönlich in den Mund gelegt werden. Subtil und frivol ist solch eine Vorgehensweise, wissend, dass sich die Betroffenen vor der Wahl nicht mehr wehren können. Allerdings offenbaren diese perfiden Methoden auch, wer und was eigentlich hinter all den Aktionen stecken. Insofern kann man dankbar sein, dass unser Presserecht so transparent ist und verlangt, bei solchen Veröffentlichungen Ross und Reiter benennen zu müssen. Es wird klar: Hinter gewissen Bürgerinitiativen stecken insgeheim die persönlichsten Interessen von Vertretungen und gewinnorientierten Unternehmen. Das kann man als puren Lobbyismus bezeichnen – also als Aktivität im Eigennutz. Hinzu kommt: Immer dann, wenn der besagte umtriebige Unternehmer bei einem Grundstücksverkauf selbst nicht zum Zuge kommt, wird  mit allen Mitteln versucht, die mögliche Umsetzung seiner Mitbewerber zu verhindern. Übrigens – sollte der Unternehmer selbst einmal zum Zuge und zur Umsetzung kommen, scheinen ihn Anwohner und genehmigte Baupläne keineswegs mehr zu interessieren. Da macht man dann wie an der Schlenkenstraße schnell mal aus neun Wohneinheiten 27 – und setzt sich über alle Planungen hinweg. War dies eigentlich abgestimmt mit den Anrainern? War dies im Interesse der Stadt? War dies im Sinne der demokratischen Abstimmung im Stadtrat? Übertragen auf die Matulusstraße, kann man durchaus spekulieren: Wäre der Unternehmer beim Grundstücksverkauf zum Zuge gekommen, würden gut 150 Sozialwohnungen gebaut – und ich nehme an, die Bäume wären heute schon weg. Danke, Herr Unternehmer, dass Sie uns am Beispiel der Schlenkenstraße gezeigt haben, wie Sie sich tatsächlich eine Zusammenarbeit der Anrainer und des Stadtrates mit ihrem Bauunternehmen vorstellen. Ich bin wirklich nicht stolz, dass sie meinen Namen in ihrem Pamphlet erwähnen, zumal das mir in den Mund gelegte Zitat völlig falsch ist. Der Kampf um den Erhalt unseres Krankenhauses war für uns alle Freilassinger immens, für mich besonders. Dazu kam, dass die damalige Krankenhausleitung eine wichtige Entwicklung verschlafen hatte und deshalb die Situation sich so zuspitzen konnte. Dass sich diese Leitung nun heute als Heilsbringer und Mahner aufspielt, ist schon eine sagenhafte Verdrehung der Geschichte. Übrigens auch bei Ihnen, Herr Unternehmer, der Sie persönlich für die Privatisierung unserer Krankenhäuser (unter Ihrer Beteiligung natürlich) eintraten – und das Freilassinger Haus lediglich als Zulieferer für Bad Reichenhall sahen. Und als nicht mehr. Man nannte das damals „Portalklinik“ und „Zentralklinik“. Können Sie sich noch erinnern? Und wie so oft: Wo Sie als Unternehmer nicht zum Zuge kommen, versuchen Sie, alles andere zu verhindern. Dass wir heute die Psychiatrie haben, im Verbund der Kliniken des Bezirks Oberbayern, das ist eine kleine Sensation. Wie viele – auch Freilassinger – sehen in dieser Einrichtung einen echten Segen und einen Mehrwert vor Ort. Die Stigmatisierung dieser Einrichtung durch das Pamphlet ist ein Schlag in die Gesichter aller Betroffenen. Ich kann nur abschließend betonen: Wahlkampf ist gut, der Austausch der Meinungen wichtig, der Wettstreit der besten politischen Ideen der Motor unserer Demokratie. Wer aber unsere Werte mit Füßen tritt, mit Unsolidarität Wahlkampf macht und Menschen gegeneinander aufhetzt – der bewegt sich außerhalb unseres christlichen Verständnisses und unseres humanitären Menschenbildes. Wie sehr muss einen die Gier nach Geld und Macht alle Hemmungen ablegen lassen. Sie tun mir nur noch leid, Herr Unternehmer. Sehr traurig - denn bei all dem, was Sie auch Gutes getan haben. Ich wünsche Ihnen gerade in Zeiten wie diesen einen echten Frieden im Herzen – bleiben Sie gesund!“.

Soweit die ungekürzte Stellungnahme von Josef Flatscher zu einer Wahlempfehlung der Herren Aicher und Himmler zur Kreistagswahl am 15. März 2020.

-hud-

Quelle: BGland24.de

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