Lkw-Feuer: Er rettete drei Fahrer vor Flammen

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Mischa Hasenöhrl-Jecmenica aus Freilassing: Er war als erster am Unfallort in Burghausen. Drei Lkw-Fahrer rettete er vor Schlimmerem.
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Burghausen/Freilassing - Für den polnischen Lkw-Fahrer auf dem Werksgelände kam auch er am Sonntag zu spät - doch die Flammen griffen bereits über: Wie Mischa (45) drei weitere Fahrer rettete.

Es muss ein grausiger Anblick gewesen sein: Als Werkschutzmitarbeiter Mischa Hasenöhrl-Jecmenica am Sonntagabend bei den Burghauser Chemiewerken auf Streife war, sah er auf dem Lkw-Parkplatz eine Zugmaschine lichterloh in Flammen. Als er näher kam erkannte er, dass das Feuer bereits auf einen weiteren Auflieger übergegriffen hat - eine ganze Reihe von Lkw steht dicht an dicht.

Der ukrainische Sattelzug, auf den die Flammen schon übergriffen.

Bei dem Lkw-Brand am Sonntag fand ein polnischer Brummi-Fahrer den Tod in den Flammen. Wie sich am Dienstag herausstellte, starb er an einer Rauchgasvergiftung. Noch immer ist seine Identität ungeklärt - die Führerkabine brannte komplett aus. Wahrscheinlich war ein technischer Defekt die Ursache, mit vorsätzlicher Brandstiftung rechnet die Polizei nicht. Seit zwölf Jahren arbeitet Mischa Hasenöhrl-Jecmenica für den Werkschutz von OMV und Borealis. Er wusste was zu tun ist - sofern man in dieser Situation noch einen klaren Kopf hat:

Die Lkw standen dicht an dicht - die Fahrer schliefen

"Die Lastwagen standen ganz eng beieinander", sagt der 45-Jährige, der in Freilassing zuhause ist, und deutet mit den Händen. Vielleicht 70 Zentimeter liegen zwischen seinen beiden Handflächen. Der Fahrer des ukrainischen Lkw, auf dessen Anhänger die Flammen schon übergegriffen haben, stand fassungslos neben seiner Maschinen und schlug die Hände über seinem Kopf zusammen: ",Ajajaj...' Der hat nur noch gejammert!" Mischa vermutet, dass der Mann in der Führerkabine geschlafen hatte, und nach dem Aufwachen im Schockzustand war. Wie reagiert man in so einer Situation? Was tut man zuerst?

Lkw brennt auf Firmengelände

"Ich hab dem Ukrainer nur noch irgendwie gesagt, dass er sofort wegfahren soll. Der musste raus aus der Gefahrenzone!" Mischas nächster Schritt: Er rannte zu den beiden nächsten Lkw, trommelte gegen die Türen, weckte die Fahrer und vermittelte auch ihnen "weg hier!". Nebenbei informierte er die Alarmzentrale der Chemiewerke. Von einem der Fahrer bekam er einen Feuerlöscher in die Hand gedrückt. Der Freilassinger eilte zu dem brennenden Auflieger, stieg am Anhänger hinauf so gut es ging, die Flammen waren schnell gelöscht.

"Ich habe nur gehofft, dass da niemand drin ist"

Das Führerhaus des Lastwagens, in dem ein polnischer Fahrer den Tod fand. Die zwei Feuerlöscher, die Mischa hier verschoss, blieben wirkungslos.

Nun brannte nur noch der polnische Lastwagen: das nächste Ziel von Mischa Hasenöhrl-Jecmenica. "Ich habe nur noch gehofft, dass da niemand drin ist", erzählt er. Der Werkschutzmitarbeiter pausiert kurz, seine Augen werden feucht: "Wie sich später herausgestellt hat, war leider jemand drin." Die anderen Lkw-Fahrer, die er aus dem Schlaf gerissen hat, warfen ihm nun weitere Feuerlöscher zu: "Sofort habe ich zwei der Feuerlöscher da reingeballert. Es war eine wahnsinnige Hitze, das Führerhaus stand ja immer noch in Vollbrand. Bis auf zwei Meter bin ich an den Lkw rangekommen."

Zehn Minuten kämpfte er ganz alleine

Während Mischa versuchte zu löschen, platzten schon die Scheiben: "Die Scherben flogen mir nur so entgegen, fast ein Wunder, dass mir nichts passiert ist." Zwei Gedanken quälten ihn währenddessen immer wieder: "Hoffentlich ist der Fahrer davor ausgestiegen" und "hoffentlich ist keine Gasflasche im Führerhaus - sonst würde ich heute nicht hier sitzen", so der 45-Jährige. Nachdem er gute zehn Minuten allein versuchte, die Situation auf dem Parkplatz unter Kontrolle zu kriegen, rückte die Werksfeuerwehr an. "Einer von denen stieg unter vollem Atemschutz in das brennende Führerhaus... und hat dann den Fahrer dort gefunden", erzählt der Ersthelfer.

Mischa Hasenöhrl-Jecmenica zwei Tage nach der Nacht, die ihm keine Ruhe mehr lässt.

Nach und nach erreichen die anderen Einsatzkräfte den Unfallort: Polizei, Rettungsdienst, Kriseninterventionsteam. Es war Mischa, der den Rettungskräften am Parkplatz erklärte, was passiert ist. Die anderen Lkw-Fahrer standen noch immer unter Schock: Sie zitterten und heulten. Als alles unter Kontrolle war, ließ sich auch Werkschutzmitarbeiter Mischa vom Rettungsdienst überreden, in die Klinik zu mitzukommen: "Ich hatte einen Reizhusten, das hat bis in die Lunge runtergezogen und meine Stimme war weg."

"Es hätte viel, viel mehr passieren können"

Am Montag konnte Mischa Hasenöhrl-Jecmenica das Burghauser Klinikum wieder verlassen. Auf den ersten Blick geht es ihm gut, doch was am Sonntagabend auf dem Parkplatz passiert ist, lässt ihn nicht los: "Ich habe da nicht an mich gedacht." Die Flammen hätten weiter um sich gegriffen, das Ende mag sich Mischa erst gar nicht ausmalen: "Es hätte viel, viel mehr passieren können."

xe

Quelle: BGland24.de

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