Ehemaliger Bauamtsleiter will unabhängiger Bürgermeister werden

Flatscher geht, Hiebl kommt?

Freilassing - Am 15. März 2020 sind in Bayern Kommunalwahlen, fix ist in Freilassing schon vor der Wahl, dass es einen neuen Bürgermeister geben wird, denn Josef Flatscher (CSU) tritt nach 20 Jahren nicht mehr an. Fix ist bisher auch ein Kandidat, Markus Hiebl. Der 45-jährige, ehemalige Bauamtsleiter der Stadt will es als unabhängiger Kandidat auf den Chefsessel im Rathaus schaffen. In einem ausführlichen Interview mit BGLand24.de beschreibt Hiebl, warum es ihn in die Politik zieht, wie unabhängig er tatsächlich sein kann, welche Parteien ihn womöglich unterstützen und wie er den Stadtrat und dessen Arbeit aufwerten möchte.

Quereinsteiger haben es in der Politik zu Beginn oft leichter, im Alltag kann das Fehlen eines politischen Backgrounds ein Nachteil sein. Hiebl war zwar noch kein Politiker, hat aber zwölf Jahre lang in der Stadt Freilassing und zuletzt im Kreistag die Arbeit von Politikern genau beobachtet, warum will er jetzt die Seiten wechseln und in die Politik? „Weil ich mir denke, dass ich 2017 nach meinem Wechsel in das Landratsamt in meiner Heimatstadt Freilassing nicht ganz fertig geworden bin“. Er meint damit vor allem zahlreiche Bauprojekte, die er gemeinsam mit der Verwaltung mit angeschoben hat, darunter die Planung und den Bau von Schulen und Kindergärten. „Man greift ja zum Beispiel mit dem Bau von Schulen auch in die Bildungspolitik ein“, so Hiebl und meint damit die Art und Qualität, wie man baut.

Chancengleichheit wegen Flatscher-Ende

Dass der 45-Jährige ausgerechnet jetzt antritt hat auch mit der Nicht-mehr-Kandidatur von Langzeit-Bürgermeister Josef Flatscher zu tun. „Dadurch herrscht eine gewisse Chancengleichheit für alle Kandidaten“. Dass Flatscher aufhört hatte Hiebl im Januar in der Zeitung gelesen, „ich habe mich dann mit meiner Familie beraten und später auch Josef Flatscher angerufen und ihm von meinem Vorhaben erzählt, das habe ich als fair empfunden“. Wie Flatscher reagierte und ob es Tipps gab will Hiebl nicht verraten, „da müssen Sie Herrn Flatscher fragen“, so Hiebl diplomatisch. In der Familie und vor allem im Freundeskreis habe es unterschiedliche Reaktionen bis hin zu „Warum tust Du dir das an?“ gegeben.

Wer will noch Bürgermeister werden?

Die Frage, warum er sich das „antut“ kommt nicht von ungefähr, in vielen Kommunen wird es bekanntermaßen immer schwerer engagierte Personen für den verantwortungsvollen Posten des Bürgermeisters zu finden. Bis auf eine Partei haben sich die anderen noch nicht aus der Deckung gewagt, ob und wie viele Gegenkandidaten es geben wird ist also noch ungewiss. Sicher ist nur, dass Hiebl nicht ohne jegliche Unterstützung von anderen Parteien in das Rennen geht.

Auch in diesem Punkt ist Hiebl aber noch zurückhaltend und vorsichtig in den Aussagen, fast schon wohltuend in einer Zeit, in der sich auch Politiker hierzulande gerne den US-Präsidenten zum Vorbild nehmen und polternder und twitternder Weise für Aufregung und Aufmerksamkeit sorgen.

Hiebl zahlt Wahlkampf aus eigener Tasche

Ein Wahlkampf kostet natürlich auch Geld, Plakate, Werbung in den Medien und Veranstaltungen, wer zahlt das eigentlich alles? Werden sich die möglichen Unterstützer an den Kosten beteiligen, nimmt er Spenden an? Dazu kommt von Hiebl sofort ein klares „Nein“, er will seine Unabhängigkeit bewahren, „es wird keine finanzielle Unterstützung geben und ich nehme auch keine Spenden an“. Die Kosten des Wahlkampfes will er aus eigener Tasche bezahlen, er rechnet mit einem vier- bis fünfstelligen Betrag. Die „Unterstützung“ der helfenden Parteien sei, dass sie ihn zu Veranstaltungen einladen und er sich dort präsentieren könne. 


Bleibt die Frage, ob diese „Unterstützung“ nicht eine Art „Gegengeschäft“ nach sich zieht, also eine Rechnung, die der womöglich nächste Bürgermeister irgendwann bezahlen wird müssen. Hiebl glaubt das nicht, „denn ein Bürgermeister hat nur eine von 25 Stimmen im Stadtrat, wenn sich Unterstützer etwas wünschen muss das immer eine Mehrheit im Stadtrat entscheiden“.

Privat hat sich Hiebl schon einen Unterstützerkreis aufgebaut, „das sind fünf Personen aus dem engsten Freundeskreis, die mir im Wahlkampf und jetzt bei der Vorbereitung helfen werden, also zum Beispiel Angebote einholen und später dann Plakate kleben“. Diese Form von Unterstützung wird Hiebl auch dringend brauchen, denn er will beim Landratsamt weiterhin zu 100 Prozent, sprich 40 Stunden seine Leistung bringen, „da werde ich auch streng darauf achten dass ich mich mit der Wahl erst nach Dienstschluss oder höchstens in der Mittagspause beschäftigte“.

Neue Zusammenarbeit zwischen Stadtrat und Verwaltung

Bei der Frage nach seinen politischen Zielen, nach seinen Visionen für die Stadt bittet Hiebl noch um Geduld, er habe seine Ziele noch nicht genau definiert, „aber wenn im Herbst der Wahlkampf beginnt werde ich mein Programm präsentieren“. Wenn auch ein Wahlprogramm und entsprechende Ansagen noch fehlen steht eines schon fest, Hiebl will „die Zusammenarbeit zwischen dem Stadtrat und der Verwaltung auf gesunde Beine stellen“. Was soll das konkret heißen? „Also Transparenz ist für mich sehr wichtig, ich werde in die Offensive gehen und alle Gremien immer rechtzeitig informieren“. Beim Neubau des Badylon habe man gesehen, wie wichtig frühe Info-Veranstaltungen für alle sind.

Doch nicht nur den Stadtrat und die dort vertretenen Parteien muss ein womöglich parteiunabhängiger Bürgermeister mehr im Blick haben, auch der Kontakt mit den Bürgern soll ausgebaut werden, allerdings nicht auf seinen Schultern alleine. „Nach dem Vorbild von Bad Reichenhall stelle ich mir vor dass es Referenten geben soll, die als eine Art Kümmerer ein Bindeglied zur Verwaltung sind“. Vorstellen kann er sich zum Beispiel Referenten für die Bereiche Bildung, Soziales, Sport und Freizeit, aber auch Wirtschaft und Kultur. Diese Referenten sollten parteiunabhängig auftreten und Ansprechpartner für die Bürger sein.

Hiebl will bleiben

Welche Chancen Hiebl im März nächsten Jahres haben wird ist derzeit mangels anderer Kandidatennamen noch schwer einschätzbar, er selbst denkt schon weiter, „wenn ich gewählt werde will ich in sechs Jahren auf alle Fälle noch einmal antreten, denn viele Aufgaben wie zum Beispiel ein neuer Flächennutzungsplan ist in sechs Jahren nicht zu schaffen“, auch wenn Freilassing mit dem Integrierten Stadtkonzept schon viel an Vorarbeit geleistet habe.

hud

Quelle: BGland24.de

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