Grüne entsetzt über Schottersteine statt Grün

Stein-reiches Freilassing: "an Hässlichkeit nicht zu überbieten“

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Freilassing - „Ich bin gelinde gesagt entsetzt über diese Schotterfläche“, so beginnt ein offener Brief von Grünen-Stadträtin Edeltraud Rilling an den Bürgermeister. Stein des Anstoßes im wahrsten Sinne des Wortes sind Steine am Ende der Fußgängerzone auf einer Fläche, wo bisher eine Art Hecke zu finden war, zumindest war sie grün. Die Stadtverwaltung antwortet sinngemäß, die Hecke sei nur mehr hässlich gewesen, man habe die Bepflanzung bestmöglich entfernt und durch „grobkörnige Steine“ ersetzt. In den nächsten Wochen sollen neben den Steinen auch wieder Gräser und Blumen die Steinfläche zieren.

Rilling bleibt dabei, das derzeitige Dreieck aus Steinen an der Kreuzung Hauptstraße und Rupertusstraße „ist an Hässlichkeit nicht zu überbieten“, auch wenn Freilassing die Stadt der Eisenbahn sei dürfe ein Bahndamm nicht als Vorbild für die Gestaltung dienen. Und, auch wenn Freilassing zum Berchtesgadener Land gehöre gebe es keinen vernünftigen Grund, das Wimbachgries in die Freilassinger Fußgängerzone zu verlegen. „Entschuldigung, aber ich muss mich aufregen, wäre nicht schon Juli, möge man an einen schlechten Aprilscherz glauben und sich verwundert die Augen reiben“, so Rilling weiter in ihrem Brief an Josef Flatscher.

"Schotterflächen sind kontraproduktiv für Klimaschutz"

Grund der Aufregung ist auch die allgegenwärtige Klimasituation und die Tatsache, dass sich die Innenstädte wegen der vielen Beton- und Asphaltflächen immer mehr aufheizen. „Dem muss mit mehr Grün begegnet werden, also mehr Bäume und Wiesen“, nur so könnten angenehme Temperaturen und eine höhere Lebensqualität geschaffen werden. „Schotterflächen dagegen erhitzen sich und sind kontraproduktiv für Klimaschutz und Artenvielfalt“. 

Die Stadt habe eine Vorbildfunktion und sei verpflichtet den Herausforderungen des Klima- und Artenschutzes wirksam entgegenzuwirken. „Schotter ist nicht die Lösung, auch wenn die ‚aufgewertete Fläche‘ nicht groß erscheint ist es doch eine weitere versäumte Gelegenheit“. Die Grünen-Stadträtin ärgert in diesem Zusammenhang auch, dass die Stadt viel Geld für die Gestaltung der Innenstadt ausgeben, ein Gestaltungshandbuch habe „und dann wird trotzdem- ich möchte fast sagen - unüberlegt - anders gehandelt“.

"Mondlandschaft" in Freilassing

„Begleitgrün“ hässlich

Der angesprochene Bürgermeister antwortete prompt, „die Bepflanzung des Straßenbegleitgrün am südlichen Ende der Fußgängerzone entsprach sowohl optisch als auch qualitativ nicht mehr den Ansprüchen einer innerstädtischen Grünfläche“. Das tiefliegende Wurzelwerk der unerwünschten und unterirdisch wuchernden Pflanzen könne nicht vollständig entfernt werden, ohne nicht auch die Wurzeln der naheliegenden Bäume zu beschädigen. „Deshalb wurde diese Bepflanzung bestmöglich entfernt und durch grobkörnige Steine, die aber farblich im Kontrast zur gepflasterten Fläche stehen, ersetzt“. 

Mit relativ wenig Pflegeaufwand könne jetzt das unerwünschte Wachstum eingeschränkt werden. Die gute Nachricht zum Schluss: „In den nächsten Wochen wird die Fläche noch entsprechend mit verschiedenen Gräsern, Büschen und Blütern bepflanzt“, so Flatscher. Da dies eine langfristige Maßnahme sei werde es allerdings einige Zeit dauern, bis sich die Pflanzen voll entfalten könnten.

Auf Facebook reagierten User unterschiedlich auf das Nicht-mehr-Grün, die Reaktionen reichen von „Steine sind pflegeleicht, langfristig spart man sich Personal und Pflegekosten“ bis zu „Muss es denn ausschauen wie ein Steinbruch, die Körnung der Steine ist viel zu groß“. Ein User meinte ironisch, dass die Steine zum Erscheinungsbild der Fußgängerzone passen würden.

Michael Hudelist

Quelle: BGland24.de

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