Freilassing – die zukünftige „energetische“ Ausrichtung

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Bei einem Pressetermin in Freilassing schilderten FWG-Vorsitzender Bert Enzinger und Wolfgang Wagner vom Bürgerarbeitskreis intelligente Energieversorgung ihre Ideen zur zukünftigen Energieversorgung der Stadt.

Freilassing - In der Bürgerversammlung sind die Freilassinger Bürger aufgefordert worden, sich umfassend an der Entwicklung eines Stadtenwicklungskonzeptes zu beteiligen.

Im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes ist in Hinblick auf die künftige energetische Ausrichtung ein „Sanierungskataster“ zu erstellen. Dieses muss das gesamte Stadtgebiet abdecken, sollte sich aber besonders intensiv mit dem Gebiet „Zirbenstrasse“ befassen. Hier sollte eine Möglichkeit entwickelt werden, mittel- bis langfristig aus dem Versorgungs- bzw. Abnahmezwang auszusteigen. Nur auf diesem Wege kann in zuverlässigen Größenordnungen das wirkliche Einsparpotential des gesamten Stadtgebietes festgestellt werden.

Schnell umsetzbare Möglichkeiten:

Es gibt eine erhebliche Anzahl von Möglichkeiten in kurzer Zeit und mit verhältnismäßig geringem Kapitalaufwand bereits sehr effektiv Energie zu sparen. Dies betrifft nicht nur Wärme-Energie sondern deckt auch Strom mit ab. Dieses Potential zu heben muss unter anderem die Aufgabe eines ernst gemeinten Stadtentwicklungskonzeptes sein.

Von den für die Energieversorger so gut geeigneten "zentralen Versorgungseinrichtungen" muss Abstand genommen werden. Über entsprechende Bewusstseinsbildung beim Bürger muss die „dezentrale“ Versorgung möglichst schnell und bürgernah realisiert werden.

Aus grundsätzlichen Erwägungen sollte als erster Schritt für das Gebiet der Stadt eine Art „Sanierungskataster“ erstellt werden. Mit einer Fragebogenaktion könnte man die Bürger und Hausbesitzer der Stadt Freilassing in Hinblick auf bereits getätigte Sanierungsmaßnahmen am ursprünglichen Bestand abfragen. An Hand dieses groben Überblicks bekommt man die Möglichkeit seitens der Stadt-Verwaltung-FWG-sonstiges hier zukunftsorientiert einzugreifen.

Um schnelle Erfolge in der Energieverbrauchsvermeidung zu erzielen wird folgende Vorgehensweise vorgeschlagen:

1. Fragebogenaktion – Erstellung „Sanierungskataster“ - dadurch „Einsparpotential-Feststellung“

Unabhängig davon kann man unmittelbar damit beginnen, kraft Baujahres der Gebäude bekannten „Schwachstellen“ mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit anzusprechen. Hier ist größter Wert darauf zu legen, in kürzest möglicher Zeit mit möglichst geringen Kapitalaufwand den größten energetischen Einsparungseffekt zu erzielen.

2. benötigte Zeit – Aufwand in Geld – eingesparte Energiemenge

  • oberste Geschossdecke (Einsparung von max. 30 % möglich bei einem Materialkostenaufwand von ca. 18 Euro/m – Durchführung ggf. durch Hauseigentümer selbst)
  • Kellerdecke (Einsparung von max. 7 % möglich - Durchführung ggf. durch Hauseigentümer selbst)
  • Offensive „hydraulischer Abgleich“ (bei geeigneten Gebäuden erhebliches Einsparpotential – Durchführung durch Heizungsbauer)
  • Offensive „Intelligente Pumpentechnik“ (Pumpentausch - bei vorhandenen „alten“ Pumpen erhebliches Einsparpotential auf der „Strom-Seite“)
  • Offensive „schwefelarmes Heizöl“

Langfristige Möglichkeiten der Stadt/Verwaltung von Freilassing

Andere Gemeinden und Städte nutzen z.B. Konzessionsabgaben und Durchleitungserlöse zur gezielten Förderung von energetischer Beratung mit dem erklärten Ziel, energetische Sanierung anzustoßen. Es ist durchaus allgemein bekannt, dass im Durchschnitt jeder eingesetzte Euro eine Investition von acht Euro auslöst. Dies würde somit auch gezielt das heimische Handwerk unterstützen.

Den Bürgerinnen und Bürgern sollte vermittelt werden, dass sie sich möglichst unabhängig von großen Versorgern machen sollten. Neue Abhängigkeiten insbesondere unter Federführung der Stadt sollten tunlichst vermieden werden. Allseits wurde die ernst gemeinte Absicht zur Energieverbrauchsvermeidung kund getan. Deshalb sollten der Beschluss einer entsprechenden Fördersatzung sowie die entsprechende Umschichtung von Haushaltsmitteln fraktionsübergreifend möglich sein.

  • eigene Fördermaßnahmen – beispielhaft: Kirchanschöring mit der gezielten Förderung der CO2- Einsparung in kg
  • Bürgerstiftung „Energiewende“
  • Gründung eines Energiebüros mit Ausgestaltung zur zentralen Bürger-Infostelle. Hier könnte die Gemeinde bzw. Stadt vielleicht (anteilige) Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wie dies z.B. beim Seniorenbüro in Freilassing schon passiert.

       o kostenlose Energie(anstoß)beratung

       o die Bürger beraten über die „richtige“ Beratung

  • Bewusstseinsbildung beim Bürger durch Organisation von Veranstaltungen mit Energieexperten
  • Anstoßen von Modernisierungsvereinbarungen zwischen Mieter und Eigentümern

Baurecht - Bebauungspläne

Neubaugebiete sollten grundsätzlich energetisch ausgerichtet werden. Unter Ansatz aller bisher bekannten Erkenntnisse bei der Neuausweisung von Baugebieten sollte bereits die Aufstellung von Bebauungsplänen konsequent auf die Nutzung von solarer Energie ausgerichtet werden. Dies wird sicher Änderungen in der bisher gewohnten Architektur von Gebäuden mit sich bringen. Die erwünschte Zielvorgabe sollte die Autarkie der zu erstellenden Gebäude sein.

  • Ausrichtung sämtlicher Neubauvorhaben mit einer Dachfläche nach Süden
  • dieselbe Bauvorschrift für sämtliche Neubauvorhaben und vor allem öffentliche Gebäude
  • Regenwassernutzung mindestens für gartentechnische Zwecke

Baurecht für Klimaschutz?

  • Wer bei der Wärmedämmung hervorragende Standards erreicht darf größer bauen. Besonders interessant für Gemeinden in denen Baugrund bereits knapp ist bzw. wird.

Bewusstseinsbildung beim Bürger

Um „Energieverbrauchsvermeidung“ in Freilassing salonfähig zu machen müssen insbesondere die Bürgerinnen und Bürger „mitgenommen“ werden. Hierzu sollten zu Beginn auch wieder einfache bzw. bereits vorhandene Mittel genutzt werden. Diese Wege sollten auch insbesondere in Hinblick auf die für jeden einzelnen ohne Komfortverlust mögliche Einsparung von Strom gegangen werden.

Stadtjournal

  • Einführung einer „Energie-Doppelseite mit Einsparungsvorschlägen
  • spezielle, wiederkehrende Hinweise auf Möglichkeiten der Stromeinsparung im Haushalt
  • Energieversorger-Wechsel: Berechnungen anbieten (Linksammlung, ggf. Hilfestellung durch noch zu gründendes „Energiebüro“)
  • Energiesparwettbewerb
  • Ideenbörse zum Energiesparen
  • energiesparende Leuchtmittel (bei Leuchten mit hohen Betriebsstunden hocheffektive LEDs unter Berücksichtigung der Lichtqualität und Lichtfarbe)

Schulen

  • Lerngarten der erneuerbaren Energien
  • Dauerausstellung

Bestehende Energie- bzw. Infrastruktur

Bestandsbau

  • Anregung der nachträglichen Bestückung mit Fotovoltaikanlagen sämtlicher größerer Dachflächen wie Bau-, Lidl-, Aldi- und Penny-Märkten (u.a.). Dies gezielt zur Deckung des StromEIGENbedarfs der Kühlregale, Beleuchtung u.a.
  • Zur Kundengewinnung aus o.g. Anlagen wirklichen „ökologischen“ Strom zur möglicherweise kostenlosen Aufladung von E-Fahrzeugen der Kunden anbieten.
  • Nutzung von Parkflächen. Diese könnten ebenfalls mit Fotovoltaik „überdacht“ werden. Ein Vorteil würde in der Beschattung der Parkplätze liegen. Zudem würde wertvolle Ackerfläche eingespart.

    - „grüner“ Marketingvorteil, es sollte ggf. von der Stadt mit den Hausverwaltungen der o.g. Anwesen Kontakt aufgenommen werden

  • Photovoltaik als Kapitalanlage für Eigenversorgung „verkaufen“

   o keine langen Vertragslaufzeiten

   o Preissteigerungen für Strom über Eigenverbrauch selbst „mitnehmen“

Leuchtturmprojekte

  • Prozesswärme/KWK aus Biogas

   - konsequente Nutzung der BHKW-Technik in kommunalen wie in privaten Gebäuden

  • kommunale Mobilität durch E-Autos (Photovoltaik)
  • Ökoenergietourismus

Bauern-Bürger-Genossenschaft „Biogas-Anlage-Freilassing“

Im Landkreis Berchtesgadener Land ist der Umfang der Viehhaltung immer noch sehr umfangreich. Hier würde sich deshalb anbieten, im Rahmen einer Bauern-Bürger-Genossenschaft in die Herstellung von Biogas einzusteigen. Um einer zwingenden Konkurrenzsituation zur Nahrungsmittelerzeugung vorzubeugen sollte der Schwerpunkt auf der Verwertung von Gülle liegen. Die Gründung einer entsprechenden Genossenschaft sollte daher auch zu einer Verteilung des wirtschaftlichen Risikos führen. Gemeindegrenzen sollten keine Rolle spielen. Über die Biogasgewinnung könnte z.B. das bestehende Fernheizwerk „Zirbenstrasse“ in Verbindung mit der BHKW-Technik wesentlich effizienter versorgt werden.

Pressemitteilung Bürgerarbeitskreis intelligente Energieversorgung

Quelle: BGland24.de

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