Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

Salzach: Hochwasserschutz und Natura 2000

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Fridolfinger Deich mit Salbeiblüte (blau), Wiesenmagerite (weiß) und scharfem Hahnenfuß (gelb)

Fridolfing - Langjährige Beobachtungen an der Salzach nach der Deichrückverlegung in Fridolfing zeigen positive Entwicklungen der Ökologie

Langjährige Beobachtungen an der Salzach nach der Deichrückverlegung in Fridolfing zeigen positive Entwicklungen der Ökologie. Der Zusammenschluss von Auwaldflächen und dem Uferbereich schuf neue Fließdynamiken und wertvolle Lebensräume. Diese führten in der Tendenz zu einer Aufwertung des FFH-Gebiets "Salzach und Unterer Inn".

Der Anschluss des Auwalds an die natürliche Flussdynamik schaffte wertvolle Vorteile für Flora und Fauna.Auwälder zählen zu den am meisten gefährdeten Waldtypen und bedürfen daher einer besonderen Unterstützung. Auf den Deichen sind wichtige Lebensraumtypen wie Salbei-Glatthaferwiese, Halbtrockenrasen, Magerrasen bzw. Kalktrockenrasen sowie magere Flachlandmähwiesen entstanden.

Beim jetzt abgeschlossenen, mehrjährige Überwachungsprogramm wurde systematisch die Entwicklung des abschnittsweise erhaltenen alten Deichs sowie des neuen Fridolfinger Deichs beobachtet. Untersucht wurden diverse Tier- und Pflanzenarten.

Der Lebensraum für Insekten hat sich demnach deutlich verbessert, vor allem für Schmetterlings- und Heuschreckenarten.Fünf zuvor noch nicht vorhandene Vogelarten der Roten Liste Bayerns konnten ab 2016 außerdem im neuen Auwaldbereich beobachtet werden, darunter auch der als stark gefährdet eingestufte Rotmilan. Unter den kartierten Laufkäfern liegt der Anteil der gefährdeten Arten bei rund einem Drittel. Der Bestand an konkurrenzschwachen, jedoch wertvollen Gräsern blieb erhalten und konnte sich an einigen Stellen sogar ausbreiten. Besonders bedeutende Arten wie die Pracht-Nelke, der Schweizer Moosfarn, das Tausendgüldenkraut sowie der Kreuz-Enzian konnten sich auf den Deichflächen ebenfalls bewähren bzw. etablieren. Inzwischen konnte sich eine stabile, hochwertige und auwaldtypische Arten- und Lebensraumvielfalt einstellen.

Im Jahr 2007 wurden an der Salzach bei Fridolfing der Deich zurückverlegt und rund 110 ha Auwald als Überschwemmungsfläche wieder an die Salzach angebunden. Grundlage für die Entwicklung des hochwertigen Pflanzenbestands ist die Art der der Deichherstellung. Es wurde Oberboden vom alten Fridolfinger Deich mit dem Bagger entnommen und auf den zurückverlegten, neuen Fridolfinger Deich übertragen. Mit dem Bodenübertrag konnte nicht die komplette neue Deichfläche bedeckt werden, deshalb wurden die restlichen Bereiche eingesät. Dafür wurde von nahegelegenen mageren Wiesen Saatgut gewonnen, sowie zertifiziertes gebietseigenes Saatgut von geeigneten Saatgutherstellern verwendet.

Ebenfalls bedeutend für die Entwicklung von artenreichen Beständen ist die regelmäßige Pflege der Deiche. In einer Expertenrunde wurde ein besonderes Mähkonzept ausgearbeitet, das möglichst den vielseitigen Anforderungen von Natur und Hochwasserschutz gerecht werden soll. Die Mahd der Deiche erfolgt daher auf besonders naturverträgliche Weise mit Balkenmähern. Landseitig wird der Deich ausschließlich im Herbst gemäht, zeitlich versetzt mit der Wasserseite. Letztere hingegen muss zweimal jährlich gemäht werden, um mit einer dichten Grasnarbe die Schutzfunktion der Deiche aufrecht erhalten zu können. Zum Schutz von Insekten erfolgt die Frühsommermahd auf der Wasserseite streifenweise und nicht vor Mitte Juni.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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