Irlmaier: der Nostradamus der Neuzeit

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Berchtesgaden – Er ist ein ausgewiesener Experte in Sachen Alois Irlmaier, jenem Hellseher, der Mitte des vergangenen Jahrhunderts für Aufsehen in der Bevölkerung gesorgt hatte - Stephan Berndt.

Dessen letzter Vortrag über den Mann mit seherischen Fähigkeiten stieß am Dienstag in Laufen auf große Resonanz bei der Bevölkerung. Hier spricht er über Irlmaiers Visionen.

Was für ein Mensch war Alois Irlmaier, der Ihres Erachtens der größte „Prophet“ seit Nostradamus ist?

Stephan Berndt: Alois Irlmaier war kein „Prophet“, sondern ein Hellseher. Propheten gibt es nur in der Bibel und im Koran. Ein Vergleich mit Nostradamus rechtfertigt sich insofern, als Irlmaier dieselbe Aufmerksamkeit gebührt. Irlmaiers Visionen sind zwar zeitlich und räumlich sehr viel begrenzter als die von Nostradamus, dafür sind Irlmaiers Voraussagen zur Zukunft Deutschlands und insbesondere Bayerns so klar und umfangreich, dass er diesbezüglich Nostradamus um Längen schlägt.

Welche Faszination geht von Irlmaier aus? Sie beschäftigen sich mit ihm ja schon seit zwei Jahrzehnten…

Grundsätzlich ist Alois Irlmaier nicht faszinierender, als jeder andere Hellseher, dem man guten Gewissens echte seherische Fähigkeiten zusprechen kann. Bemerkenswert ist an Irlmaiers Fall jedoch, dass seine Voraussagen frühzeitig und umfassend dokumentiert wurden, und sogar noch amtliche Dokumente existieren, die ihn, vom Vorwurf ein Betrüger zu sein, freisprechen. Er wurde ja 1947 wegen betrügerischer Hellseherei angeklagt – jedoch mit Bravour freigesprochen. Ein Teil der Gerichtsakten kann man noch heute im Staatsarchiv München einsehen (auch im Internet unter www.alois-irlmaier.de\Amtliche Dokumente.htm).

Irlmaier setzte seine seherischen Fähigkeiten auch ein. Nicht immer wollte er die Wahrheit sagen – warum dieser Drahtseilakt?

Irlmaier wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg oft gefragt, was mit den vermissten Soldaten respektive Ehemännern und Söhnen passiert war. Da hat er halt hin und wieder geschwiegen oder drum herum geredet, wenn er die Fragenden nicht schockieren wollte. Außerdem waren in Bayern Anfang der 50er Jahre die wahren Herren ja die Amerikaner, und da hat er manches verklausuliert, weil er keinen Ärger wollte.

Wirtschaftliche Probleme, Unruhen, Sittenverfall – all jene Dinge hatte Irlmaier vorhergesagt. Wie kann man seine Fähigkeiten erklären?

Grundsätzlich geht es bei dieser Frage nicht um die Fähigkeiten des Menschen Irlmaier, sondern um die Frage, ob der Mensch an sich die Zukunft sehen kann. Inzwischen bestätigt die Wissenschaft grundsätzlich, dass manche Menschen das können. Das wurde experimentell nachgewiesen. Es ist aber nach wie vor unmöglich zu beweisen, welche Voraussagen sich in Zukunft erfüllen werden. Auch ein Hellseher, der bisher 100 Mal richtig lag, kann sich beim nächsten Mal mit der Zukunft irren. Im Kern bleibt das eine Glaubensfrage.

Wenn man will, kann man es so erklären, dass man sagt: „Die Zukunft existiert schon, und manche Menschen können sie eben sehen.“ Dieses Erklärungsmodell steht natürlich im Widerspruch zum Ideal des freien Willens, für den die Zukunft ein leeres Blatt ist. Der Gott des freien Willens duldet zudem keine anderen Götter neben sich. Ein eifersüchtiger Gott. Das hat er sich wohl vom Christentum abgeguckt – oder vom Islam.

Einiges, was der Seher Irlmaier vorhersagte, wird erst eintreten, sagen Sie. Um was handelt es sich dabei?

Vieles von dem, was Alois Irlmaier vorausgesagt hat, ist tatsächlich noch nicht eingetreten. An dieser Stelle wichtiger ist aber das, was von seinen Voraussagen bereits nachweislich eingetroffen ist – nämlich etwa der Umbruch in Osteuropa. Erst Irlmaiers bereits erfüllte Voraussagen machen die ganze Sache interessant. Auch den Klimawandel hat er nachweislich vorausgesagt. Nach Irlmaier sollen in Bayern irgendwann süditalienische Temperaturen herrschen, ohne Winter und mit Palmen am Königssee. Allerdings mit reichlich Niederschlägen, sodass zweimal im Jahr geerntet werden soll. Und Bayern soll in dieser Zeit wieder Monarchie sein. Das hat er immer wieder vorausgesagt.

Das glaubt heutzutage natürlich kein Mensch mehr, dass wir irgendwann „Goodbye Demokratie“ sagen. Aber vergessen wir nicht: Auch der Kaiser, Hitler und Honecker dachten, ihr Staat sei für die Ewigkeit. Man sagt es zwar nicht, aber irgendwie glauben wir doch alle: „Die Demokratie in ihrem Lauf hält weder Ochs’ noch Esel auf.“ Glaubt man Irlmaier, lautet die Antwort: „Denkste!“. Auf jedenfall sagt Alois Irlmaier eine tiefgreifende Krise unserer Gesellschaft voraus, die im Übrigen gleichzeitig ganz Europa betreffen soll. Konkret bezieht er sich auf Deutschland, Italien und Frankreich.

In diesem Zusammenhang spricht er auch von hoher Inflation und Steuererhöhungen. Da kommt man natürlich ins Grübeln, wenn man heutzutage die Nachrichten hört. Viele seiner Voraussagen klingen natürlich unglaublich, aber wer hätte schon geglaubt, dass einmal innerhalb von wenigen Minuten zwei Passagierflugzeuge in New York in die Twin-Towers krachen. Das ist im Grunde eine zentrale Botschaft Irlmaiers: „Ihr werdet so überrascht werden, dass Euch die Ohren schlackern und Ihr aus dem Staunen nicht mehr raus kommen werdet."

Quelle: BGland24.de

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