Jede Minute zählt

+

Teisendorf – Mitarbeiter des BRK-Rettungsdienst, Notärzte und Feuerwehrkräfte aus Teisendorf und Waging am See haben in Teisendorf ein ganztägiges Praxisseminar zum Thema Verkehrsunfall veranstaltet.

Veränderungen im Fahrzeugbau und aktuelle Studien zu den Überlebenschancen von Patienten, die weniger vor Ort versorgt und dafür schneller in ein geeignetes Krankenhaus transportiert werden, konfrontieren die Einsatzkräfte mit neuen Herausforderungen und Möglichkeiten. Studien haben gezeigt, dass bei vielen Verletzungsmustern die Überlebenschance maßgeblich von der Einhaltung der so genannten "golden hour of shock" abhängt:

Zwischen Unfalleintritt und Beginn der klinischen Versorgung des Patienten soll ein Zeitraum von einer Stunde nicht überschritten werden. Eine Vorgabe, deren Einhaltung ausgerechnet durch den technischen Fortschritt eher schwieriger geworden ist: Zwar haben die Veränderungen im Fahrzeugbau den passiven Insassenschutz deutlich verbessert – dafür erschweren und verzögern hochfeste Materialien und zahlreiche Sicherheitseinrichtungen in den Fahrzeugkonstruktionen die Befreiung von Eingeklemmten.

Notarzt Dr. Axel Müll stellte zu Beginn der Veranstaltung die wichtigsten notfallmedizinischen Änderungen vor. Er verdeutlichte dabei, dass in der Praxis den Einsatzkräften vor Ort häufig nur noch 15 bis 20 Minuten für die medizinische Erstversorgung und die Befreiung aus dem Fahrzeug bleiben. Michael Schramm von der Feuerwehr Waging am See informierte die Teilnehmer über die Möglichkeiten der technischen Rettung und die feuerwehrspezifische Ausrüstung der Einsatzfahrzeuge bei Verkehrsunfällen. Auch über künftige Organisation und Logistik in Zusammenarbeit mit der neuen Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr berichtete Schramm.

"Golden Hour"-Übung in Teisendorf

Martin Waldhutter, Kommandant der Feuerwehr Ainring und KFZ-Meister, informierte über neue Antriebe der Automobile, wie Erd-und Autogas, Hybrid oder Strom, und deren spezifische Gefährlichkeit für die Einsatzkräfte. Auf Airbags, welche in fast jedem Fahrzeug und in unterschiedlichsten Positionen verbaut werden und die Besonderheiten, insbesondere bei der technischen Rettung, wies Waldhutter hin. Fast alle Autohersteller haben mittlerweile eine fahrzeugspezifische Rettungskarte entworfen, wo die Lage von Airbags, Gurtstraffern, Batterien, Gaskartuschen und Verstärkungen eingezeichnet sind. Die Karte sollte an der Fahrer-Sonnenblende eingesteckt werden; erhalten kann man die Rettungskarten in der Fachwerkstatt, im Internet des Fahrzeugherstellers oder beim ADAC.

In der anschließenden Stationsausbildung wurden verschiedene Möglichkeiten der technischen Rettung durchgespielt. Geübt wurde die schonende Rettung von Verletzten aus einem Lkw mit Hilfe einer Rettungsplattform der Feuerwehr sowie der kombinierte Einsatz von Drehleiter und Schleifkorbtrage – eine Vorgehensweise, die sich schon mehrfach bei schweren Unfällen bewährt hat. Zusammen mit der Feuerwehr Teisendorf musste ein Fahrzeug zerschnitten werden. Vorher war jedoch der Airbag aufzufinden und zu sichern sowie die Lage der Gaskartuschen und Verstärkungen zu benennen. Eine verletzte Person, welche im Inneren des Fahrzeuges eingeklemmt war, erhöhte den Druck auf die Einsatzkräfte. Auch den Umgang mit dem Feuerlöscher konnten die Teilnehmer alle üben.

Beim abschließenden Erfahrungsaustausch zeigten sich die Teilnehmer mit dem Verlauf der nicht alltäglichen Ausbildungsveranstaltung sehr zufrieden und wünschten sich eine baldige Wiederholung. Besonders bedankte sich Georg Bräumann vom BRK-Rettungsdienst Teisendorf bei den Sponsoren: TOP Getränkemarkt Teisendorf, Bäckerei Andreas Neumaier und Metzgerei Windfellner.

Pressemitteilung BRK BGL

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser