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Das sind die Gründe dafür

Aus für ein klassisches Tiefen-Geothermie-Kraftwerk in Kirchanschöring

Die ruhende Bohranlage der Tiefen-Geothermie in Kirchanschöring.
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Die ruhende Bohranlage der Tiefen-Geothermie in Kirchanschöring.

Kirchanschöring – Alle Studien zur Geothermie verweisen auf das riesige Potenzial von Strom und Wärme durch die Tiefen-Geothermie. Sie betonen aber auch, dass es für die Nutzung der Wärme und den Ersatz fossiler Brennstoffe zu Heizzwecken nötig ist, Fern- und Nahwärmenetze auf- und auszubauen, was speziell abseits großer Städte oft sehr schwierig ist.

Beim Projekt Geothermie-Rupertiwinkel in Kirchanschöring hingegen war sowohl für die direkte Wärmeauskopplung aus dem Thermalwasser als auch für die Restwärme aus der Stromerzeugung die Konzeption eines sinnvollen Wärmenutzungskonzeptes in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und der Region geplant. „Die lokale Wärmenutzung war und ist integraler Bestandteil des Kooperations-Übereinkommens der Betreiber mit den Kommunen“, hieß es, ehe die Bohrstelle hinter dem Gewerbegebiet „Leobendorfer Straße II“ komplett erschlossen und samt den Bohrkellern eingerichtet worden war. Vor knapp zwei Jahren ging es dann mit den Tiefbohrungen los, die jetzt aber nicht mehr weiterverfolgt werden. Das Gestein hat lokal eine zu geringe Durchlässigkeit, wodurch die Förderrate sehr gering ausfällt. Dies trägt damit auch zur Unwirtschaftlichkeit des geplanten Kraftwerkes bei. Für die Verstromung des heißen Wassers hätten deutlich über 100 Liter pro Sekunde aus dem Inneren nach oben strömen müssen. Der Untergrund von Kirchanschöring ist also für klassische Geothermie nicht geeignet.

Die Nutzung der Erdwärme ist aber theoretisch immer noch möglich. Der Bohrplatz wird deshalb auch nicht endgültig geräumt. Es gibt nämlich noch eine Reihe weitere Optionen, um etwas Vernünftiges aus dem Projekt zu machen. So könnte zum Beispiel eine neue Technologie zum Einsatz kommen, wie sie derzeit in Geretsried (Geothermie Gelting) nach den ersten beiden gescheiterten Anläufen eingesetzt wird. Die nennt sich „Eavor-Loop“, wird dort bei einer dritten Bohrung eingesetzt und gemeinsam mit dem jungen Start-up-Unternehmen Eavor aus Kanada realisiert. Eavor Loop ist im Grunde nichts anderes als ein großer Wärmetauscher. Ein weiteres Beispiel, der zahlreichen anderen Nutzungsmöglichkeiten des Bohrplatzes wäre eine Erdsonde. In einem gewissen Abstand zueinander ließen sich sogar mehrere Erdsonden in einer Tiefe von rund 1000 Metern platzieren.

Die erste Bohrung in Kirchanschöring war ein bedeutender Meilenstein des Geothermie-Projekts und entscheidend für seinen weiteren Verlauf. Erst als die erste Bohrung abgeteuft und getestet war, wusste die Projektgesellschaft Geothermie Rupertiwinkel GmbH, ob sie fündig geworden ist und ob sie heißes Thermalwasser in ausreichender Menge fördern kann, um damit eine Erdwärmeanlage wirtschaftlich zu betreiben.

Das Ergebnis war ernüchternd für das Unternehmen, denn aus dem Gestein, das man in einer Tiefe zwischen 4000 und 6.000 Metern antraf, ließ sich bei Weitem nicht so viel heißes Wasser gewinnen, wie erhofft.

Doch damit stand ein Ende des Projektes noch lange nicht fest. Nach einer kurzen Ruhephase, in der das weitere Vorgehen geplant wurde, ging die Suche nach anderen Bohrzielen weiter.

Die Projektgesellschaft Geothermie Rupertiwinkel verfüllte das erste Bohrloch in der wasserführenden Schicht mit einem „Zement-Pfropf“. Das untere Ende der bisherigen Bohrung wurde also verschlossen, bevor man einen neuen Bohrungsast in einem bestimmten Winkel bohrte, und so erneut die wasserführenden Schichten an anderer Stelle erreichte. Bei dem erneuten Versuch ließ man den Bohrer zur Seite ausscheren, was in der Fachsprache als „Side Track“ bezeichnet wird. Durch die Untersuchungen erhielt die Wissenschaft auch zugleich enorm wichtige Daten über die geologischen Verhältnisse, die das Unternehmen an die staatlichen Behörden weitergegeben hat, damit sie auch anderen Geothermie- Unternehmen zur Verfügung stehen.

„Wir haben gehofft, mit einem Side Track auf eine Kluft-Struktur zu treffen, die mindestens 100 Liter heißes Wasser pro Sekunde liefert, dann wäre es ein wirtschaftlicher Erfolg geworden“, teilt die Pressestelle der Geothermie-Rupertiwinkel nun mit. Der Side Track konnte im Juni 2021 abgeschlossen werden. Aus den Ergebnissen der Produktionstests, die eine sehr geringe Fließrate ergeben haben, folgerten die Fachleute, dass die Bohrung kommerziell nicht nutzbar ist. Eine sehr umfassende Ursachenanalyse des geologischen Beraters des Unternehmens habe in Zusammenarbeit mit weiteren Laboren und Universitäten ergeben, dass geologische Gründe für die geringe Fließrate ursächlich sind.

Die Geothermie Rupertiwinkel stand in den letzten Monaten in Kontakt mit diversen Universitäten und Forschungseinrichtungen, um Vorschläge zu Forschungsprojekten mit dem Ziel der Ertüchtigung der Bohrung einzuholen, um sie doch noch ökonomisch nutzen zu können. Weil die entsprechend eingegangenen Vorschläge aber entweder nicht umsetzbar sind oder weil sich die Fließrate nicht im erforderlichen Maße steigern ließe, hat das Unternehmen entschieden, die Option „Forschungsprojekt“ nicht weiter zu verfolgen.

„Da die Bohrung (GT2) weder kommerziell nutzbar ist, noch ertüchtigt werden kann, wird die Geothermie Rupertiwinkel diese im Herbst 2022 verfüllen. Die Bohranlage verbleibt mindestens bis dahin auf dem Bohrplatz. Weiterhin erhalten bleibt zudem der Bohrplatz inklusive dem Bohrkeller und die Zufahrt auf das Bohrstellengelände. Auch von der Aufsuchungserlaubnis für das Feld Ruperti II wird man sich nicht trennen, womit die Geothermie Rupertiwinkel auch in der Region bleibt. „Es gibt nämlich noch weitere Optionen, um etwas Vernünftiges aus dem komplett erschlossenen Bohrplatz zu machen und die Wärme in der Tiefe zu nutzen.“

Die Geothermie Rupertiwinkel stehe weiteren Ideen zur Nutzung aufgeschlossen gegenüber. Sie sei auch offen für die gemeinsame Umsetzung anderer Projekte im Bereich „Erneuerbare Energien“ wie etwa der Erzeugung von Strom und/ oder Wärme oder etwa bei Erzeugung von Wasserstoff für die Industrie und die Mobilität.

Anneliese Caruso