Renaturierung des Weihers in Lackenbach

Bauarbeiten für Neugestaltung der Fischteichanlage bei Kirchanschöring im Gange

Am Ufer des Herrnöder Bachs stehend, ließen sich die Verwaltungsmitarbeiterin Martina Drechsler und die Geschäftsleiterin der Gemeinde, Sabine Strohammer von Regierungsbaumeister Ulrich Remmelberger vom Siegsdorfer „Ingenieurbüro Aquasoli“, die Pläne zur Renaturierung der Fischteiche erläutern.
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Am Ufer des Herrnöder Bachs stehend, ließen sich die Verwaltungsmitarbeiterin Martina Drechsler und die Geschäftsleiterin der Gemeinde, Sabine Strohammer von Regierungsbaumeister Ulrich Remmelberger vom Siegsdorfer „Ingenieurbüro Aquasoli“, die Pläne zur Renaturierung der Fischteiche erläutern.

Aktuell renaturiert die Gemeinde Kirchanschöring die ehemalige Fischteichanlage mit den insgesamt acht Becken am südlichen Ortsrand von Lackenbach und legt an gleicher Stelle einen naturnahen Weiher an.

Kirchanschöring - Im Zuge der Maßnahme lässt die Kommune auch das angrenzende linksseitige Ufer des Herrnöder Bachs und die unmittelbare Umgebung naturschutzfachlich aufwerten.

Dadurch ergibt sich eine für alle Seiten vorteilhafte Situation. Denn so profitiert der Natur- und Klimaschutz und die Gemeinde kann gleichzeitig ihr Ökokonto auffüllen. In einem Ökokonto sammelt eine Kommune unbebaute Flächen an, die sie beispielsweise bei Baumaßnahmen im Außenbereich als Ausgleichsflächen nutzen kann. Für eine ökologisch wertvolle Fläche erhält eine Kommune drei Prozent „Zinsen“ (Wertepunkte) pro Jahr, ausgelegt auf einen Zeitraum von maximal zehn Jahren.

Das bedeutet, dass aus dem etwa 800 Quadratmeter großen neuen Weiher-Areal binnen zehn Jahren rechnerisch eine Ökokonto-Fläche von 1040 Quadratmetern entstehen würde. Die Fläche wurde nämlich in dieser Zeit ökologisch deutlich wertvoller. Wenn die Gemeinde dann unbebaute Flächen mit der Ausweisung neuer Baugebiete versiegelt, kann sie ihre Ökokontengebiete als Ausgleichsflächen einsetzen, und zwar sofort und ohne weitere Prüfung. Damit ist das Ökokonto nicht nur ein Planungshilfeinstrument, sondern auch ein Naturschutzinstrument, das die Schaffung zusammenhängender Biotope ermöglicht.

Zuständig für die Neugestaltung der Fischteichanlage ist die „Teilnehmergemeinschaft Waginger-Tachinger See“, die auch für den Ausbau des Kernwegenetzes in ihren Gemeinden verantwortlich ist und sich dafür das gemeindliche Ökokonto zunutze machen kann. Die Teilnehmergemeinschaft, der auch Kirchanschöring angehört, hat praktisch die Stellung einer Flurbereinigungsbehörde und agiert als Vollzugsorgan der staatlichen Verwaltung nach dem Flurbereinigungsgesetz. Sie handelt im eigenen Ermessen und im Interesse der Grundstückseigentümer. Dabei kooperiert sie mit dem Amt für Ländliche Entwicklung, dem Geldgeber, der die Vorhaben nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch und fachlich begleitet. Das heißt, dass die Teilnehmergemeinschaft die Maßnahme in Kirchanschöring zu 77 Prozent bezuschusst. Der prozentuale Anteil ist hier so hoch, weil die Maßnahme als Ausgleich für den Ausbau und die Ertüchtigung des ländlichen Hauptwirtschaftswegenetzes dienen soll, was ja auch mit einer Flurneuordnung einhergeht. Die übrigen 23 Prozent trägt die Gemeinde Kirchanschöring. Die Gesamtkosten belaufen sich voraussichtlich auf rund 63.000 Euro.

Die ehemalige Fischteichanlage soll also nicht, wie ursprünglich von der Grundstücks-Eigentümerin vorgesehen, verfüllt und als Wiese genutzt, sondern als naturnaher Weiher mit Flachwasserzonen, Schilfgürtel, Baum- und Gehölzpflanzung und naturnahen, abgeflachten Ufern zum Herrnöder Bach umgestaltet werden. Mit den entsprechenden Planungen ist das Ingenieurbüro „Aquasoli“ aus Siegsdorf betraut.

Die bis vor kurzem kaum mehr sichtbaren Fischteichbecken wurden nicht mehr bewirtschaftet und verfielen zunehmend. Die Becken waren mit Holz- und Betonwänden eingefasst. Die Gemeinde ließ das Gebüsch im Februar, vor der Fortpflanzungs- und Brutzeit einheimischer Tierarten, schneiden, um Platz zu schaffen für das neue Stillgewässer. Dessen Tiefpunkt liegt etwa 70 bis 80 Zentimeter unterhalb der angrenzenden Bachsohle des Herrnöder Baches.

Die Wasserfläche will man für die Tierwelt, vor allem für Amphibien, durch das Anlegen von möglichst breiten, flachen wechselfeuchten Uferzonen aufwerten. Die Böschung zum höher liegenden Gelände soll mit artenreichen Staudenfluren (Grasland- und Gebüsch-Gesellschaften) entwickelt werden. Die Ansaat erfolgt mit einer standortgerechten, arten- und blütenreichen Ansaat- Mischung autochthoner (heimischer) Herkunft. Für den Zu- und Ablauf zum Teich lässt die Gemeinde eine neue, etwa acht Meter lange Rohrleitung (DN500) legen, die etwa 20 Zentimeter unter dem Sohlniveau des Herrnöder Baches verläuft. Ein Teil des Herrnöder Bachs wird in das Projektgebiet miteinbezogen und dessen linkes Ufer ein Stück weit ebenfalls naturnah und strukturreich gestaltet. Der Bach mündet in die Götzinger Achen, die dem Waginger See entfließt.

Die ehemalige Fischteichanlage liegt nördlich des Herrnöder Bachs, westlich der Götzinger Straße. Im Zuge der Maßnahmen wird auch die rund um die Einfahrt befindliche Fläche zur Finkenstraße mitumgestaltet. So soll an der zum Teich angrenzenden Bushaltestelle ein neues Bushaltehäuschen (beim Hinweisschild auf die Zimmerei Hell) entstehen. Das bisherige auf der anderen Seite stehende Bushaltehäuschen wird abgerissen. Es scheint ungünstig platziert zu sein, weil auf den Bus wartende Personen von der Götzinger Straße aus schlecht gesehen werden können und die Bushaltebucht an anderer Stelle liegt.

Wie Bürgermeister Hans-Jörg Birner schon im letzten Sommer wissen ließ, bewirkt die Renaturierung des Weihers eine deutliche Aufwertung des Projektgebietes, sowohl aus ökologischer Sicht als auch hinsichtlich des Landschaftsbildes. Die Gestaltung eines naturnahen- und strukturreichen Weihers anstelle der verfallenen und teils befestigten Fischteiche vor allem anstelle der ursprünglich vorgesehenen Verfüllung mit anschließender Nutzung als Grünlandfläche, sei als deutliche Aufwertung des Lebensraumes für Flora und Fauna zu beurteilen. Im Weiher entstehe neuer Lebensraum für aquatische und semiaquatische Fauna. Zudem bilde sich eine wertvolle Uferzone mit Röhrichten, Krautfluren, Bäumen und Gehölzen aus, die sich mit dem Weiher harmonisch in das Landschaftsbild einfügen. Daraus resultiere auch ein gut ausgebildeter Übergang von Wasser und Land. „Die artenreichen Stauden- und Krautsäume in den Böschungen, ebenso wie das extensiv genutzte, mit artenreicher Saatgutmischung eingesäte Grünland im Umfeld stellen eine große Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand dar.“

Vor einigen Tagen war es dann endlich so weit: Die Bagger rückten an und begannen die Einbauten zu entfernen und das Baufeld freizulegen. Daher fand jetzt eine weitere Baubesprechung auf dem Areal statt. Dabei konnten sich die Vertreterinnen der Gemeinde vom Fortschritt der Arbeiten überzeugen. So ließen sich die Geschäftsleiterin, Sabine Strohammer, und die Verwaltungsmitarbeiterin Martina Drechsler von Bauleiter Erwin Rehrl von der beauftragten und ausführenden Firma „Velz-Bau“ in Ainring erläutern, was bereits umgesetzt wurde. Rehrl sagte, dass die Baufeldfreilegung, die Rodung von Hecken und das Entfernen von Wurzelstöcken problemlos über die Bühne gebracht worden seien.

Rehrl stand auch Regierungsbaumeister Ulrich Remmelberger vom Siegsdorfer „Ingenieurbüro Aquasoli“, das für die gesamte Planung und die einzelnen Phasen der Renaturierung verantwortlich zeichnet, Rede und Antwort.

Remmelberger stellte fest, dass der Zulauf aus dem Herrnöder Bach verschlossen ist und die bestehenden Becken zurückgebaut wurden. Zurzeit hebe man das Erdreich für den neuen gut ein Meter tiefen Weiher aus, dann dichte man die Sohle zum Untergrund hin mit Lehmschlag auf einer Trennvlieslage ab. Darüber werde eine zweite Vlieslage eingebracht, auf die eine 20 Zentimeter dicke Sohlsubstratschicht (Kies) komme.

„Wenn wir dann das etwa 220 Quadratmeter große, neu angelegte Gewässer hergestellt haben, kümmern wir uns um die Gestaltung des Herrnöder Bachs.“ Dabei handle es sich um eine acht Meter lange Rohrleitung zum Herrnöder Bach, die circa 20 Zentimeter unter dem Sohlniveau des Bachs installiert wird, sodass für den Weiher ein kontinuierlicher Zulauf aus diesem Bach gegeben ist.

Remmelberger zeigte sich zufrieden mit dem Fortschritt der Bauausführungen und der Baufeldfreilegung. Zudem ging er näher auf die geplanten Änderungen am Ufer des Herrnöder Baches ein. Dessen linksseitige Böschungsoberkante lasse man auf einem Abschnitt von zwei Metern kurz vor dem Straßendurchlass etwas abflachen und mit neuen Wasserbausteinen befestigen. Dazu müsse man aber die alte Betonmauer und den bisherigen Steinsatz entfernen, sagte Remmelberger.

„Insgesamt wird durch die Uferaufweitung und die Abgrabungen am Teich ein zusätzlicher Retentionsraum geschaffen. Sowohl in den Teich als auch in den Bachbereich lasse die Baufirma dann Totholz einbringen, das die Artenvielfalt steigere. Die neue Zuleitung erhalte ein Gitter, um größeren Fischen das Einwandern in die neue Wasserfläche zu verwehren, da das Habitat vor allem als Lebensraum für Amphibien dienen soll. „Bis zum nächsten Jour fixe in der kommenden Woche soll das Becken bereits fertiggestellt sein“, sagte Remmelberger. Er erwartet, dass die Erdarbeiten vor Ostern abgeschlossen sind. Die Ansaaten und Bepflanzungen werden anschließend bis Anfang Mai umgesetzt.

caruso

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