ILE-Fördertopf macht's möglich

Kirchanschöring hat so einiges vor

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Zeitgemäße Schilder wie dieses, das schon seit mehreren Monaten am Ortseingang von Götzing/ Gemeinde Fridolfing aufgestellt ist, sollen demnächst die Bewohner und Gäste der Gemeinde Kirchanschöring begrüßen.

Kirchanschöring - Die Gemeinde Kirchanschöring realisiert mehrere kleine Projekte. Möglich wird dies dank ILE-Fördergeldern.

War es bisher so, dass sich Kommunen und Privatpersonen direkt beim Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern um Fördermittel für ein Projekt bewerben mussten, bekommen jetzt die Gemeinden, die in einer Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) zusammenarbeiten, mehr Selbstständigkeit beim Einsatz von Fördermitteln. „Das Amt stellt den ILE-Gemeinden ein Regionalbudget zur Verfügung, mit dem sie selbst entscheiden können, welche Kleinprojekte die Entwicklung ihrer Region am besten voranbringen“, informierte Bürgermeister Hans-Jörg Birner in der letzten Gemeinderatssitzung „Mit dem Regionalbudget, dass uns seit heuer direkt zur Verfügung steht, soll den ILE-Zusammenschlüssen geholfen werden, ihre Projekte rasch umzusetzen“. Damit unterstützte das Amt eine engagierte ländliche Entwicklung und stärke die regionale Identität.


„Beim Regionalbudget geht es vor allem um Kleinprojekte mit Gesamtkosten bis maximal 20.000 Euro, die bisher nur eine geringe Chance auf Förderung hatten. Die Höhe des Regionalbudgets beträgt je ILE-Zusammenschluss höchstens 100.000 Euro, mit einem Eigenanteil der ILE-Gemeinschaft von zehn Prozent. Damit können die Kleinprojekte mit einem Fördersatz von bis zu 80 Prozent bezuschusst werden. Über die Förderung der einzelnen Kleinprojekte entscheiden die Gemeindeverbünde dann in eigener Verantwortung“, sagte Birner und erläuterte daran, dass die Förderungen für das laufende Kalenderjahr bis zum 15. Februar 2020 beantragt werden mussten. „Sämtliche in der ILE-Waginger See-Rupertiwinkel organisierten Gemeinden wurden aufgefordert, entsprechende Maßnahmen anzumelden.“

Zur ILE-Region (mit Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Wonneberg, Waging am See und Tittmoning) gehört auch Kirchanschöring. Laut Birner sind alle von Kirchanschöring selbst angemeldeten Vorhaben in der Zwischenzeit von dem ILE-Bewerbungsgremium positiv bewertet und freigegeben worden. „So darf unsere Gemeinde mit knapp 35.000 Euro an Fördermitteln für ihre insgesamt sechs Maßnahmen auf Gemeindegebiet rechnen, die mit knapp 50.000 Euro zu Buche schlagen.


Dazu zählen nicht nur die neuen, modernen Ortseingangsschilder, sondern auch die barrierefreien Stellplätze, die an der Hans- Straßer-Halle und an der Sportanlage an der Laufener Straße angelegt werden sollen, damit Menschen mit Handicap an Sportveranstaltungen teilnehmen können. Gefördert wird auch eine Sitzgelegenheit am neuen und mit LEADER-Geldern realisierten Bienenhaus. „Viele ältere Bürger und Besucher des Ortes benutzen den Weg am Bienenhaus“, sagte Birner. Von ihnen sei auch die Anregung gekommen, dort Bänke und Tische aufzustellen.

Darüber hinaus erhält Kirchanschöring Zuschüsse für das Errichten von barrierefreien Einfahrten. „Bei zwei Straßeneinmündungen am Rathaus wurden vor mehr als 20 Jahren im Bereich des Geh- und Radweges Pflasterungen vorgenommen. Leider wurde damals neben der optischen Wirkung die Barrierefreiheit vernachlässigt“, so Birner. Diese beiden Einmündungen (von der Laufener Straße aus links und rechts vom Rathaus Richtung Achenpark) würden Radfahrer, Eltern mit Kinderwägen, Senioren mit Rollatoren oder Rollstuhlfahrer meiden. Stattdessen würden sie auf die Kreisstraße ausweichen. „Das führt immer wieder zu gefährlichen Situationen.“ Daher wolle die Gemeinde die beiden Stellen neu, mit barrierefreien Steinen pflastern lassen.

Der Gemeinderat zeigte sich einverstanden und beschloss, die Pflasterarbeiten umzusetzen.

Gemeinde etabliert Bürgerrat mit ILE-Fördergeldern

Grünes Licht gaben die Ratsmitglieder auch dem von der ILE-geförderten Umsetzung eines Bürgerrats-Prozesses zum Thema „Kinderbetreuung“.

Bei einem Bürgerrat geht es darum, Ratschläge der Bürger in Diskussionen einfließen lassen Das Modell stammt aus den USA und wurde dort als "Wisdom Council" (Rat der Weisen) bekannt. Es geht dabei nicht darum, dass die Politik Entscheidungen an die Bürger abgibt, sondern darum, dass sie die Bürger, also die üblicherweise schweigende Mehrheit zu einem bestimmten Thema hört und deren Ratschläge in die Diskussion und Entscheidungsfindung einfließen lässt. In Vorarlberg hat man einige Jahre positive Erfahrungen mit dem Modell „Bürgerrat“, das man nun auch in Kirchanschöring ausprobieren will.

Im Kirchanschöringer Fall geht es um die Personen, die sich privat und/ oder beruflich mit Klein- und Schulkindern beschäftigen. Dazu soll zunächst ein Kreis von Männern und Frauen aus dem gesamten sozialen Umfeld der Kinder nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, die sich bereiterklären, sich mit dem komplexen Thema „Kinderbetreuung“, das von der Kinderkrippe über den Kindergarten und von der Mittags- und Nachmittagsbetreuung in der Grundschule bis hin zur geplanten Sanierung des Kirchanschöringer Schulhauses reicht, auseinanderzusetzen. Zu dieser Runde können Eltern, Elternbeiräte, Vertreter der Grundschule und des Hauses für Kinder gehören. Infrage kommen also alle, die sich mit der Kinderbetreuung befassen.

Der ausgewählte Kreis wird sich dann voraussichtlich im kommenden September zu zwei gemeinsamen Sitzungen treffen und möglichst viele kreative Ideen entwickeln und Erfahrungen einbringen. Fachlich begleitet wird er dabei von geschulten Moderatoren und Mediatoren, die die geplanten Treffen und Diskussionen leiten. Am Ende sollen idealerweise mehrere Statements zur genannten Problemstellung verfasst werden.

In einer dritten Phase findet ein öffentliches Bürger-Café statt, das die zuvor zusammengestellten Lösungsvorschläge erörtert. Nach der Erörterung gibt die Gemeinde die Vorschläge in ein Expertengremium, das deren Realisierbarkeit prüfen und beurteilen soll. Dieser Ideenpool dient dann letztlich dem Gemeinderat als Grundlage für Beratungen und Entscheidungen. Der Bürgerrat hat also keine Entscheidungsbefugnis.

Die Kosten von etwa 13.700 Euro, die die Beratungen des Bürgerrats-Prozesses mit sich bringen, sowie die Raum- und anderen Kosten werden durch das Regionalbudget der ILE mit 80 Prozent gefördert. Insgesamt erhält die Gemeinde rund 10.000 Euro. Das heißt, sie hat noch einen Eigenanteil von knapp 3.700 Euro zu stemmen.

(Anneliese Caruso)

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