„Ich hoffe, du bist nicht im Auftrag meiner Frau da“

Ehebruch, Ehrenkodex, Einschleusen: Kirchanschöringer Detektiv gibt Einblick in Beruf

Observationen gehören bei Detektiven zum Alltag. Aber auch mit einer klassischen Lupe wird in einer Detektei aus Kirchanschöring noch gearbeitet.
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Observationen (rechts) gehören bei Detektiven zum Alltag. Aber auch mit einer klassischen Lupe wird in einer Detektei aus Kirchanschöring noch gearbeitet.

Kirchanschöring - Detektive kennen viele nur aus Filmen und Serien. Doch was genau machen sie in der Realität? Wie wird man ein Berufsermittler? Wir haben mit dem Inhaber einer Detektei gesprochen.

„Sie haben den Verdacht, wir bringen den Beweis“, so der Slogan einer Detektei aus Kirchanschöring. Einer der bekanntesten Aufgabenfelder dürfte dabei die Überprüfung der Treue des Ehepartners sein. „Das kommt immer wieder mal vor. Viele Kunden fragen dann auch, ob sie unsere Büros über den Hintereingang betreten dürfen, um unerkannt zu bleiben“, berichtet der Inhaber der Kirchanschöringer Detektei gegenüber chiemgau24.de.


Detektiv aus Kirchanschöring berichtet vom Alltag: „Zu 95 Prozent bewahrheitet sich dann auch der Verdacht“

Besonders auf Weihnachtsfeiern und in der Faschingssaison sei dies oft der Fall, da dort die Hemmschwelle oft niedriger liege. „Zu 95 Prozent bewahrheitet sich dann auch der Verdacht“, erzählt der Chef der Detektei, der selbst nicht mehr so oft im operativen Bereich tätig ist. Doch nicht jedem ist erlaubt, ein solches Treueverhältnis überprüfen zu lassen. Ein berechtigtes Interesse wird vor Auftragsübernahme gründlich geprüft.


Weitere Aufgabengebiete von Detektiven sind Bonitätsprüfungen, Aufklärung von Straftaten, Unterhaltsermittlungen, Spionageabwehr, Überprüfung der Zuverlässigkeit von Mitarbeitern, Suchdienste und Observationen. Vieles mag spannend klingen, doch das ist nicht immer der Fall: „Ein Auftraggeber sucht den Vater seines Kindes, aber alle kennen nur den Vornamen dieser Person. Auch mit solchen Aufgaben müssen wir uns beschäftigen“, nennt der Detektiv als Beispiel - oder auch mal das Aufspüren von Müllsündern.

Geduld bei Observation gefragt

In einigen Bereichen ist es wichtig unerkannt zu bleiben, beispielsweise bei einer Observation. Dabei ist auch oft Geduld gefragt. „Gut 70 Prozent bei einer Observation ist Wartezeit. Das Schlimme ist jedoch, dass es plötzlich von Null auf 180 geht, sobald die Zielperson kommt. Dann steigt auch die Spannung bei uns“, schildert der Ermittler, der sich 1995 zum Privatdetektiv weitergebildet hat.

In Ausnahmefällen werden Detektive sogar über mehrere Monate inkognito eingeschleust. „Wenn wir einen Täter in einem Umfeld vermuten oder wissen und unser Auftrag es ist, ihn überführen zu müssen, dann schleusen wir uns ein“, so der Inhaber. Als Beispiele nennt er Sabotageakte.

Nur auf legale Art

Wenn die Detektive jedoch den Verdacht haben, sie könnten auf legale Art nicht zum Erfolg kommen, wird der Auftrag gar nicht angenommen. „Wir halten uns a) an das Gesetz und b) unterliegen wir einem sogenannten Ehrenkodex des Bund internationaler Detektive. Zudem werden wir regelmäßig audifiziert und lassen uns anwaltlich beraten. Seriosität spielt eine große Rolle.“

Die Firma aus Kirchanschöring, die in Wachdienst und Detektei aufgegliedert ist, unterscheidet zwischen einem Laden- und einen Ermittlungsdetektiv. Bei größeren Aufträgen versucht der Inhaber die zentrale Einsatzleitung zu sein: „Vorermittlung, Observation, Operation vor Ort – das alles muss strukturiert und die Erkenntnisse zusammengetragen werden“.

Ausbildung zwingend notwendig

„Das Detektiv-Gewerbe kann prinzipiell unter das Bewachungsgewerbe subsumiert werden – inzwischen ist Gott sei Dank alles gesetzlich geregelt. Daher benötigt man zwingend eine Ausbildung und eine ‚weiße Weste‘, um im Sicherheitsgewerbe tätig werden zu dürfen “, erklärt der Ermittler. Auch im Nachbarland Österreich benötige man eine Zulassung, wie beispielsweise ein Anwalt. Aber als Detektiv lerne man sowieso ein Leben lang.

Doch welche Voraussetzungen muss ein angehender Ermittler mit sich bringen? „Detektive sind Mitarbeiter in herausgehobener Stellung, man braucht gute Menschenkenntnis, ein breites Fachwissen, Ermittlungsgespür, Neugierde und die Fähigkeit für analytisches Denken. Passen die Indizien zusammen, entsteht daraus ein Beweis? All das muss ein Detektiv binnen Sekunden zusammenbringen“, zählt der Inhaber auf. Ein Detektiv könne demnach auch etwas bewachen, aber der Bewacher nicht Detektiv sein.

Ausrüstung eines Detektivs

Zur Ausrüstung eines Detektivs gehört auch heutzutage noch klassisch eine Lupe. Damit werden Tatverdächtige mithilfe von Fingerabdrücken eingegrenzt. „Aber auch technisches Know-How wird in unserem Beruf benötigt“, erklärt der Detektiv. Über die Auftragslage kann sich die Sicherheitsfirma nicht beschweren: „Wir machen beispielsweise keine aktive Werbung, meistens kommen unsere Kunden über Empfehlungen“. Natürlich seien coronabedingt Auftragslagen verschoben.

Große Einschränkungen im privaten Leben haben seine Mitarbeiter und er aber nicht. „Wenn man als Detektiv auf einer Feier gesehen wird, kommt schon mal ein launiger Spruch wie: ‚Ich hoffe, du bist nicht im Auftrag meiner Frau da‘“, berichtet der Ermittler. Natürlich werde man vielleicht mal in eine gewisse Tonne getreten, seien es kritische Blicke oder ein dummer Kommentar. Aber damit müssen und können die Detektive ganz gut leben.

jz

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