Walter Birner feierte 90. Geburtstag

Ehrenchorleiter des Musik- und Gesangsvereins wurde gestern 90 Jahre alt

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Der Jubilar, Walter Birner, der gestern seinen 90. Geburtstag feiern konnte, ist auch Träger des Ehrenrings der Gemeinde Kirchanschöring. Diese Auszeichnung erhielt er für seine Verdienste um die Kultur.

Kirchanschöring - Der Chor des Gesang- und Musikvereins Kirchanschöring, dem Gabi Wavruska seit einigen Jahren vorsteht, bildet eine familiäre Gemeinschaft mit Mitgliedern, bei denen Gesang und Musik an erster Stelle stehen und deren Niveau Dirigent Peter Emmert seit Jahren auf hohem Niveau hält. Ein wichtiges Mitglied dieser musikalischen Familie ist Walter Birner, der seine Liebe zum Singen schon früh entdeckt und mit seinem angenehmen Bass den Chor jahrzehntelang bereichert hat.

Da Walter Birner gestern seinen 90. Geburtstag feierte, hätten ihm die Sängerinnen und Sänger gerne ein Ständchen gesungen und ihn mit Geschenken überrascht, denn der Jubilar ist auch ihr Ehrenchorleiter. Aufgrund der allgemeinen Corona-Lage will der Musik- und Gesangverein den musikalischen Blumenstrauß zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Krise überstanden sein wird, überreichen.


Walter Birner nimmt mit Humor, dass er ausgerechnet an seinem 90. auf die Lieder-Grüße und die persönlichen Glückwünsche verzichten muss: „Weil ich mittlerweile so schlecht höre, würde ich sowieso nicht verstehen, mit welchen Liedern mir meine früheren Sängerkollegen ihre Aufwartung gemacht hätten. Es ist aber schön, wenn sie überhaupt an mich denken. Denn es war doch eine fabelhafte Zeit, die ich im und mit dem Chor verbracht habe. Ja es waren wirklich wunderbare Jahre, mit vielen schönen Auftritten“, erinnert sich Walter Birner zum Beispiel an die Sommer- und Weihnachtskonzerte, an die Adventssingen und andere Konzerte, die der Chor jedes Jahr in Kirchanschöring gegeben hat. „Dafür mussten wir allerdings auch immer ganz schön viel proben“, erzählt Walter Birner, der die Leitung dieses gemischten Chores Ende der 1970-Jahre übernahm. Das Schicksal sei ihm wohl sehr wohlgesonnen gewesen, denn der Chor, dem er eine gewisse Disziplin abforderte, habe sich zu einer wohlklingenden und ehrgeizigen Gemeinschaft entwickelt, der der Spaß am Singen aber niemals abhandengekommen sei. „Das Singen war für uns alle ein leidenschaftliches Hobby.“

Doch der ehemalige Chorleiter Walter Birner, der die Chordamen und -herren bis 1995 dirigierte, war auch sonst viel musikalisch unterwegs. Er spielte von Kindesbeinen an Bassgeige und Violine. Mit diesem Können bereicherte er auch die Musik während der Gottesdienste in der Pfarrkirche St. Michael viele Jahre lang und kümmerte sich aktiv darum, dass es den Kirchenmusikern im Ort nicht an Nachwuchs fehlt.


Zudem gründete er zusammen mit dem damaligen Ortspfarrer Caspar Städele die mehrköpfige Kirchanschöringer Stubenmusi und schuf den Kirchanschöringer Dreigesang, dem nicht nur der Geistliche und er selbst, sondern auch seine Schwester Walburga und die Sängerinnen Erna Stuttrucker und Gitti Kendler angehörten. Beide Ensembles waren anfangs nur als reine Kirchenmusik angedacht, im Laufe der Zeit kamen jedoch immer mehr Auftritte und Konzerte außerhalb des Gotteshauses hinzu, was zur weiteren Bekanntheit von Walter Birner beitrug.

Der Jubilar ist mit seinen 90 Jahren noch sehr rüstig und geht noch täglich ohne Stock oder andere Gehilfen selbst zum Einkaufen. „Kochen muss dann aber Hannerl, die Lebensgefährtin seines Neffen Rainer Birner. Walter Birner, der nie geheiratet hat, lebt, nämlich noch in seinem Elternhaus zusammen mit der Familie von Rainer. Fürs Kochen hat Walter Birner nicht so viel übrig. „Das macht Hannerl viel besser als ich.“ Mehr Spaß bereite ihm da schon das Basteln und Tüfteln an technischen Geräten, was er nach wie vor in seiner Stube pflegt. „Neben der Musik war das schon immer meine große Leidenschaft.“

Walter Birner erblickte am 7. April 1930 in Kirchanschöring das Licht der Welt. Er war das erste von insgesamt sechs Kinder. Er hatte drei Schwestern und zwei Brüder. Da seine Wiege in einer sehr musikalischen Familie stand, in der viele ein Instrument spielten, war es für den jungen Walter geradezu selbstverständlich auch eines zu erlernen. Denn nur so konnte er mit dem Vater, der Zither spielte, und den Geschwistern musizieren.

Walter Birners Vater Josef war Inhaber eines Elektrofachgeschäfts an der Götzinger Straße, das er drei Jahre vor Walters Geburt, 1927, neu eröffnet hatte. Da war es für den ältesten Sohn ebenso folgerichtig, auch den Beruf des Elektrikers zu erlernen, den Meister zu machen und in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Im Jahr 1980 erfüllte Walter Birner den Traum seines Vaters und übernahm zusammen mit seinem zwölf Jahre jüngeren Bruder Johann den elterlichen Betrieb, der mittlerweile von Johann Birners Sohn, Rainer Birner, aus der nächsten Generation geführt wird.

„Natürlich wäre ich noch gerne in der Werkstatt, aber das geht halt nicht mehr.“ Den goldenen Meisterbrief, den ich nach 40- jähriger Selbständigkeit von der Handwerkskammer erhielt, habe ich dann zuhause aufgehängt.“ Diese Urkunde sei eine schöne Erinnerung an seinen früheren Beruf, der ihn auf so manches Dach und in so manches Haus geführt habe. „Mein Beruf war immer sehr schön, auch wenn die Zeiten nicht immer sehr gut waren“, sagt der Neunzigjährige, dem auch die Tageszeitung noch ganz herzlich zum gestrigen Geburtstag gratuliert.

Caruso

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