Sachsens Thomas Schmidt und Bayerns Landwirtschaftsministerin Kaniber 

Ministertreffen in Kirchanschöring: Engere Zusammenarbeit zwischen Bayern und Sachsen geplant

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Im Haus der Begegnung in Kirchanschöring diskutierten Sachsens Minister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt (von links), Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Bürgermeister Hans-Jörg Birner über zukunftsweisende Wege der Orts- und Regionalentwicklung.

Kirchanschöring - In Sachen Strukturentwicklung wollen die beiden Freistaaten Bayern und Sachsen enger zusammenarbeiten.

Im Rahmen einer Informationsreise durch das benachbarte Bundesland legte Thomas Schmidt, Staatsminister für Regionalentwicklung in Sachsen, auch einen kurzen Zwischenstopp am Waginger See ein. In Kirchanschöring, Deutschlands erster Gemeinwohl-Kommune, ließ sich Schmidt auf Einladung der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber Projekte für innovativen Wohnbau und integrierte Regionalentwicklung zeigen.


Die passenden Räumlichkeiten dazu bildete das Haus der Begegnung. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 2018 ist der Gebäudekomplex Ziel zahlreicher Besucher, die zum Teil von weither anreisen, um sich über neue Formen des Wohnens im Alter zu informieren. Rathauschef Hans-Jörg Birner machte deutlich, dass Bürgerbeteiligung in der Gemeinde bereits im Zuge der Dorferneuerung eine lange Tradition habe. Angesichts der sich abzeichnenden Überalterung der Gesellschaft habe man nach Möglichkeiten gesucht, wie Senioren im Ort gut betreut alt werden können ohne durch den Umzug in entfernte Altenheime den Kontakt zu ihrem sozialen Netzwerk zu verlieren. Birner zeigte auf, wie in mehr mehrjährigen Bürgerwerkstätten im Austausch mit Experten und dem Gemeinderat die Idee zum Haus der Begegnung gereift sei.

Es vereint Sozialwohnungen, eine selbstbestimmte Wohngemeinschaft von Senioren mit ambulanten Pflegeangeboten, ein Sozialbüro für niederschwellige Beratungsangebote und eine Arztpraxis. Als Begegnungsraum für Selbsthilfegruppen und Besucher eines Tagescafés kommt ihm inzwischen eine Mittelpunktsfunktion im Dorf zu. Durch Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft und Einbindung zahlreicher Förderangebote musste die Gemeinde gerade mal ein Viertel der Kosten von vier Millionen Euro zahlen. 


Birner zeigte weiter auf, wie Gemeinden mit klugem Einsatz der Vorkaufsrechtsatzung die Ortsentwicklung steuern können. Dies bedürfe allerdings intensiver Kommunikation mit den Grundeigentümern. Als Alternative zu Einfamilienhaussiedlungen mit hohem Flächenverbrauch habe man in Kirchanschöring Wachstumsszenarien mit intelligent und flexibel ausgerichteten Mehrfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau mit Holzhybridhäusern nach Vorbildern in Vorarlberg entwickelt. Diese Strategie zeige auch mit Blick auf den Energieverbrauch und die Klimafolgekosten eine zukunftsweisende Bilanz.

Am Beispiel der „Siedlungsentwicklung 2025“, die unter anderem eine Datenbank für Flächenmanagement beinhaltet, stellte Birner Wege für ein enkeltaugliches Wohnen vor, das mögliche zerstörerische Effekte in der Zukunft jetzt schon zu vermeiden hilft. An weiteren Beispielen wie der Initiative Gemeinwohlökonomie, den Regionalinitiativen Waginger See-Rupertiwinkel, der Flurneuordnung Waginger-Tachinger See, Biotopvernetzungskonzepten oder dem Projekt „Digitales Alpendorf“ zeigte der Rathauschef auf, was gut vernetzte Gemeinden im Verbund bewegen können.

Minister Thomas Schmidt zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl erfolgreicher Initiativen und dem sich darin ausdrückenden Bürgersinn. Im dichter besiedelten Sachsen habe man mit 30 Leader- Regionen, die ihre Entwicklung individuell steuern können, gute Erfolge erzielt. „Man muss nur den Leuten vor Ort wieder mehr Verantwortung zutrauen, Vielfalt ermöglichen und nicht alles von Brüssel aus steuern“, sagte er. Inzwischen zeichne sich sogar wieder eine Trendumkehr ab: Zuzug statt Flucht vom Land.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber rief dazu auf, „gemeinsam mit Begeisterung anzupacken“, wenn es darum gehe, Ziele wie nachhaltige Ortsentwicklung oder regionale Wertschöpfung in Projekten gemeinsam zu realisieren. Dazu stünden inzwischen auch zahlreiche Fördertöpfe bereit.

Axel Effner

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