Befürchtungen in Tengling und Kirchanschöring

So soll das Grundwasser vor Geothermie-Anlagen geschützt werden

(von links) Den Mitarbeiter der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut, Marvin Veselac, und den Technischen Geschäftsführer Andreas Utz, mit den Mitarbeitern des Zweckverbandes Achengruppe in Kirchanschöring und Bürgermeister Hans-Jörg Birner.
+
(von links) Den Mitarbeiter der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut, Marvin Veselac, und den Technischen Geschäftsführer Andreas Utz, mit den Mitarbeitern des Zweckverbandes Achengruppe in Kirchanschöring und Bürgermeister Hans-Jörg Birner.

Kirchanschöring/Traunreut - Seit etwa sechs Jahren werden viele Haushalte der Stadt Traunreut von der Geothermie-Anlage aus mit Wärme versorgt: mit mittlerweile um die 30 000 Megawattstunden (MWh) thermische Energie pro Jahr.

Seit fast vier Jahren wird hier auch Strom erzeugt und ins Netz der Bayernwerk AG eingespeist: knapp 30.000 MWh elektrische Energie.


Möglich macht das nur das heiße Wasser, dass sich in den tiefen Schichten unter der Stadt Traunreut befindet. Dafür muss das Wasser allerdings erst mal an die Geländeoberfläche gefördert werden.

Die Voraussetzungen dafür schufen die einst sehr aufwändigen Bohrungen (eine Doublette), die in den Jahren 2012 und 2013 abgeteuft wurden. Diese beiden Bohrungen (Förder- und Injektionsbohrung) sind an der Oberfläche 7,5 Meter voneinander entfernt und laufen über die ersten 1000 Meter parallel, um dann in einem weiten Bogen abgelenkt zu werden. Die Endpunkte in etwa 4.600 Meter Tiefe liegen schließlich etwa 1,5 Kilometer voneinander entfernt.


Vorbereitung auf Tiefbohrung

Als Vorbereitung für die Tiefbohrung wurde zunächst ein Standrohr (28 Zoll) bis etwa 65 Meter in die Tiefe gesetzt, um zum Schutz der grundwasserführenden Schichten eine zusätzliche Sicherheitsbarriere zu haben, erklärte der Technische Geschäftsführer der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut, Andreas Utz, bei einem explizit für die Mitarbeiter des Wasserversorgers „Zweckverband Achengruppe“ organisierten Rundgang über das Firmengelände.

Dabei erläuterte er den interessierten Mitarbeitern die Funktionsweise und die Besonderheiten des Tiefen- Geothermie-Kraftwerks am Rande der Stadt Traunreut. Branchenbedingt hatten sie spezielle Fragen, was bei der Bohrung und Förderung von Tiefenwässern getan wird, um das Grundwasser zu schützen.

Vorstand unter Druck

Diese Besichtigungsfahrt wurde also organisiert, um mehr Fachinformationen aus erster Hand zu erhalten, weil sowohl der Geschäftsleiter der Achengruppe, Wolfgang Grösch, als auch deren Vorstand, Hans-Jörg Birner und seine Stellvertreterin Ursula Haas, derzeit nämlich massiv unter Druck gesetzt werden, sich gegen das geplante Tiefen Geothermie Kraftwerk in Tengling auszusprechen.

Wolfgang Grösch bestätigte, dass die Genehmigung für die Geothermie-Bohrung durch das zuständige Bergamt Südbayern an der Regierung von Oberbayern erteilt wird. Im sogenannten Hauptbetriebsplanverfahren berücksichtige das Bergamt auch die wasserwirtschaftlichen Belange wie etwa den Grundwasserschutz.

Zu diesem Zweck beteilige das Bergamt regelmäßig das Bayerische Landesamt für Umwelt. Das Bergamt Südbayern gelte als eine der strengsten Behörden im Freistaat und lege größten Wert darauf, dass Geothermie-Anlagen so geplant und errichtet sind, dass eine Gefährdung des Grundwassers und gegebenenfalls benachbarte Trinkwassergewinnungs-Anlagen nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen ist.

Das Bergamt sei aber nicht für oberflächennahe Bohrungen, wie sie zum Beispiel zum Heizen von Wohnhäusern vorgenommen werden, zuständig.

Achengruppe stellt Wasserversorgung sicher

Die Achengruppe mit Sitz in Kirchanschöring stellt für die Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching, Tittmoning und für Teile von Waging die Wasserversorgung sicher. Daher habe er, Birner, sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Planungsabsichten für ein Geothermie-Werk in Tengling an das zuständige Bergamt gewandt und gebeten, alles Nötige zum Schutz des Trinkwassers zu unternehmen, betonte er. „Um ganz auf der sicheren Seite zu sein, haben wir vom Zweckverband einen unabhängigen Sachverständigen sogar noch mit einem eigenen Gutachten beauftragt, in dem geprüft wird, ob in den Gutachten des Bergamtes irgendetwas übersehen worden sein könnte, was die Trinkwasserbrunnen und -Vorkommen in Tengling, in irgendeiner Weise gefährden würde.“

Obwohl die Achengruppe nicht formell an dem Verfahren beteiligt werde, liege es dennoch im Selbstverständnis des Wasserversorgers, die Belange des Trinkwasserschutzes bestmöglich im Verfahren einzubringen. „Daher werden die Bedenken zur Trinkwasserversorgung sehr ernst genommen und dieser Belang mit dem Gutachten nochmals untersucht.“

Abhängig vom endgültigen Ergebnis dieses Gutachtens werde die Achengruppe erneut an die Genehmigungsbehörde herantreten, betonte Birner.

Gibt es ein Problem mit dem Grundwasser?

Beim Gang übers Firmengelände erkundigte sich ein Teilnehmer, ob es denn in Südbayern jemals wirklich ein Problem mit dem Grundwasser bei den Bohrungen zu Tiefen- Geothermie-Anlagen gegeben habe. Andreas Utz meinte, ihm sei nichts dergleichen bekannt.

Wie Utz zum Ablauf der Bohrungen wissen ließ, wurden nach dem Einrichten des Bohrplatzes zunächst die Bohrungen abgeteuft (ein Schacht gebaut).

Dazu ließ man mit einem rotierenden Meißel ein tiefes Loch bohren, in das anschließend teleskopartig Stahlrohre einzementiert worden sind. „Die Bohrung und das Auskleiden des Bohrlochs mit Stahlrohren erfolgten dabei in mehreren Abschnitten.“

Die Einheit von Rohren und die Zementierung sorge bei korrekter Ausführung für völlige Dichtigkeit (Integrität) der Bohrung gegen das umliegende Gebirge.

Die Sicherstellung der Bohrlochintegrität und damit die Vermeidung unkontrollierter Fließwege in oberflächennahe Schichten sei für den Trinkwasserschutz eine unabdingbare Voraussetzung.

Die ausreichende Bohrlochintegrität müsse ständig nachgewiesen werden. Sie sei streng kontrolliert, das Bohrloch unterliege der permanenten Überwachung.

Pro Bohrung sind 100 Tage veranschlagt

Pro Bohrung seien in Traunreut 100 Tage veranschlagt worden. Ende des Jahres 2013 seien die Bohrungen abgeschlossen gewesen. „Wir haben Wasser ohne Ende und damit ein sehr gutes Reservoir gefunden.“ 

Dessen Temperatur sei mit 114 Grad Celsius jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „derzeit fördern wir rund 160 Liter pro Sekunde“, das Unternehmen habe jedoch die Erlaubnis, bis zu 185 Liter pro Sekunde zu fahren, sagte Utz und bestätigte, dass der Förder- und Produktionsprozess einer kontinuierlichen Verbesserung unterliege.

Rund ein Drittel des heißen Thermalwassers benötige die Wärmeversorgung der Stadt Traunreut und zwei Drittel verwende man für die Stromproduktion, wobei die Wärmenutzung im Werk stets Vorrang genieße.

Bei der Fernwärme sei der Wirkungsgrad aufgrund effizienter Plattenwärmetauscher sehr hoch, während der thermische Wirkungsgrad bei der Stromproduktion bei zwölf Prozent liege. „Das ist angesichts der geringen Eingangstemperatur des Thermalwassers ein sehr guter Wert.“

Auf die Frage, wie stark die Auskühlung sei, ehe die bei der Stromproduktion übriggebliebene Abwärme an die Umwelt abgegeben wird, antwortete Utz: „Die Luft erwärmt sich beim Durchströmen des Kondensators um 10 Grad Celsius im Sommer wie im Winter und ist damit praktisch nicht mehr nutzbar.“ Da es sich um einen geschlossenen Kreislauf handele, entstünden darüber hinaus keine Emissionen.

Das heißt, auch die frisch gesetzten Bäumchen, die direkt neben dem kaum hörbaren Luftkondensator, dieser luftgekühlten Anlage stehen, werden wohl unbeschadet in die Höhe wachsen. Im Zuge der Führung erläuterte Andreas Utz auch, weshalb die Kühler der Anlage so hoch ausfallen und wie es gelingt den Schallschutz einzuhalten.

Die zentrale Überwachungsstelle

Zudem führte Utz auch zur zentralen Überwachungsstelle, in die Leitwarte, an der man sich vergewissern konnte, dass das Werk fast autonom läuft und kaum Personal braucht.

Während der Nachtstunden werde die Anlage von den Stadtwerken München fernüberwacht. So komme das Unternehmen mit insgesamt fünf Beschäftigten gut über die Runden.

Im Generatorhaus erzeuge die Anlage bis zu 5 Megawatt elektrischen Strom. Der Eigenverbrauch der Traunreuter Anlage liege dabei bei etwa 1,5 Megawatt, „denn die Pumpen brauchen auch Strom“.

Schließlich wurden auch noch die Funktionen der Fernwärmeübergabestation, eine nur für den Eingeweihten überschaubare Ansammlung an Rohrleitungen, näher erläutert, an der die Wärme des Wassers, das aus der Erde kommt, über Plattenwärmetauscher an das Fernwärmenetz der Stadt Traunreut übertragen wird. Die Stadtwerke beziehen die Wärme nach ihrem Bedarf aus der Anlage und geben sie an ihre Industrie- und Privatkunden im Stadtgebiet ab.

Bei diesem Besuch im Geothermie- Kraftwerk, bei dem viele offene Fragen beantwortet worden sind, wurde das sehr sorgfältige Vorgehen des Zweckverbandes Achengruppe mit seinem Vorsitzenden Hans-Jörg Birner mehr als deutlich. Nun will der Wasserversorger nur noch das Kontrollgutachten abwarten, um eine endgültige Bewertung zum geplanten Geothermie- Kraftwerk in Tengling treffen zu können.

caa

Kommentare