Hauptbetriebsplan der Geothermie-Anlage in Kirchanschöring vorgestellt

Keine Einwände gegen die Bohrungen und das Einrichten des Bohrplatzes

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Geothermiekraftwerk

Kirchanschöring - Die Planungen für das Geothermiekraftwerk in Kirchanschöring sind nun soweit angefertigt, dass die entsprechende Bestimmung im Bergrecht umgesetzt und die Öffentlichkeit informiert werden muss. Dies geschieht im Rahmen des sogenannten Hauptbetriebsplans.

Aus dem gleichen Grund, weshalb man beim Hausbau erst zum Bauamt oder zum Nachbarn geht, geht man mit konkreten Plänen zur Realisierung einer Tiefen-Geothermie-Anlage erst dann an die Öffentlichkeit, wenn sie vollständig ausgearbeitet sind. Die Planungen für das Geothermiekraftwerk in Kirchanschöring sind nun soweit angefertigt, dass die entsprechende Bestimmung im Bergrecht umgesetzt und die Öffentlichkeit informiert werden muss. Dies geschieht im Rahmen des sogenannten Hauptbetriebsplans. Der Hauptbetriebsplan ist der wichtigste Betriebsplan und stellt die eigentliche Grundlage zum Errichten und Führen eines solchen Betriebes dar. Erst mit dem Zulassen des Hauptbetriebsplans erhält der Unternehmer die Erlaubnis, das Vorhaben zu realisieren. Die gesetzlichen Bestimmungen sehen vor, diesen Hauptbetriebsplan mit den Gemeinden abzustimmen. So erhalten sie Gelegenheit ihre Bedenken und Hinweise vorzubringen. Als Genehmigungsbehörde nimmt das Bergamt Südbayern die gemeindlichen Stellungnahmen entgegen und erörtert und würdigt sie. Denn Vorhaben der Tiefen- Geothermie sind technisch komplexer Natur, die in den Genehmigungsverfahren vollständig abgebildet werden müssen.


In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates befasste sich das Gremium mit diesem Antrag auf Zulassung des bergrechtlichen Hauptbetriebsplans, den der Gemeinderat nach kurzer Erörterung zur Kenntnis nahm. Weil Hauptbetriebspläne mehrere relevante Punkte beleuchten, ging es dabei konkret um das Herrichten des Sammelbohrplatzes und das Durchführen der Geothermie-Bohrung. Antragstellerin ist die Geothermie Rupertiwinkel GmbH. „Da die Antragsunterlagen den Vereinbarungen und dem Kooperationsvertrag der Geothermie Rupertiwinkel GmbH mit der Gemeinde Kirchanschöring entsprechen, werden keine Einwände erhoben“, heißt es im Beschluss. Darin wurde auch festgehalten, dass sämtliche Oberflächenwässer vor Ort zu versickern sind. Die Flurbereinigungs-Leitungen auf dem Grundstück stünden dafür nicht zur Verfügung. Ein entsprechender Alternativvorschlag zum Ausführen im Hauptbetriebsplan liege bereits vor. „Die Gemeinde weist jedoch nochmals darauf hin, dass die Belange der Bevölkerung vor Ort besonderes berücksichtigt und geschützt werden müssen, was vor allem den Immissionsschutz betrifft“, betonte Bürgermeister Birner, ehe der entsprechend formulierte Beschluss gefallen ist.

Abgegebene Wärme ist keine ungenutzte Abwärme

Da viele Faktoren die Entscheidungsfindung des Gemeinderates beeinflussen, hatte die Gemeinde Kirchanschöring frühzeitig viele offene Fragen von der Geothermie-Rupertiwinkel GmbH klären lassen, um sich mit dem Thema sachlich auseinandersetzen zu können. Die entsprechenden Antworten gab Birner der Öffentlichkeit jetzt bekannt.


In seinem Antwortschreiben stellte das Unternehmen klar, dass die über die Luftkühler abgegebene Wärme keine ungenutzte Abwärme ist. „In jedem thermischen Kraftwerk, egal ob Biomasse, Kohle, oder sonstige Heizmittel, werden die Turbinen durch den Druckunterschied zwischen einer heißen und einer kalten Seite im Kraftwerkskreislauf angetrieben. Die heiße Seite wird beim Geothermiekraftwerk umweltschonend und abgasfrei aus der Wärme des Thermalwassers über den Wärmetauscher erzeugt. Die kühle Seite wird bei jedem Kraftwerk durch verschiedene Arten von Kühlern erzeugt. Hier sind es Luftkühler, die im Gegensatz etwa zu anderen Verfahren kein Kühlwasser verbrauchen.“

Bei der abgegebenen Wärme handele es sich letztlich um den natürlichen Wärmestrom des Erdkörpers, die Geothermie-Zentrale bündele diesen natürlichen Wärmestrom durch das strömende Thermalwasser lediglich lokal auf eine kleine Fläche und mache ihn dadurch nutzbar. Wo er nicht genutzt werde, ströme der Wärmestrom aus der Erde ebenso stetig auf großer Fläche nach oben und verschwinde letztlich im Weltraum. Die Geothermie Rupertiwinkel GmbH werde umweltfreundliche Wärme sowohl für Heizzwecke als auch für sonstige Nutzungen bereitstellen. Mit der Gemeinde Kirchanschöring bestehe diesbezüglich bereits ein Kooperationsvertrag. „Auch im Umkreis haben Kommunen ihr Interesse an einer Abnahme von Wärme bekundet. Um Thermalwasserwärme und Restwärme der Geothermie-Projekte im Rupertiwinkel und den benachbarten Landkreisen generell optimal zu erschließen, werden die Wärmeprojekte in der Region seit letztem Jahr in einem dreistufigen Zuständigkeitskreis koordiniert, um Parallelinvestitionen zu vermeiden und die Wärmeenergie optimal einsetzen und nutzen zu können.“ Die Zuständigkeiten seien in den Lokalbereich der Gemeinden (örtliche Fern- und Nahwärmenetze), in den Regionalbereich der Landkreise (Fernwärmetransportleitungen) und in den Überregionalbereich der Euregio-Gruppe Bayern/Österreich (länderübergreifende Fernwärme-Transportleitungen) eingeteilt worden.

Umfangreiche Umweltuntersuchungen durchgeführt

Wie dem Antwortschreiben weiter zu entnehmen ist, verstärkt der überregionale Arbeitskreis seit Anfang des Jahres seine koordinierende Tätigkeit. „Ziel ist es, Projektbetreiber mit den potenziellen Wärmequellen und mögliche Wärmesenken (Wärmeabnahmekunden, also Städte und Gemeinden sowie Gewerbe und Industrie) zu koordinieren. Dabei werden die möglichen Wärmequellen aus Geothermie- Projekten und mögliche Abnehmer untersucht, um neben der Stromwende, die auf der Energieagenda steht, auch die Wärmewende in der Region Oberbayern/Österreich gezielt und koordiniert vorantreiben zu können.“ Emissionen würden nicht an den Grenzen haltmachen, deswegen sei auch in der Wärmewende eine region- und länderübergreifende Energiepolitik notwendig, um die Ressourcen klimaneutraler Strom- und Wärmeenergie bestmöglich einzusetzen.

Zudem erkundigte sich die Gemeinde, ob Untersuchungen zur Auswirkung auf die Umwelt und die Tierwelt vorgenommen worden sind.

Laut Schreiben wurden im Rahmen der Projektentwicklung umfangreiche Umweltuntersuchungen des Standortes durchgeführt. Diese Studien sind Teil der Genehmigungsplanung. Neben einer Umweltverträglichkeitsvorprüfung und einer Landschaftsökologischen Begutachtung sind in einer speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenweltwelt genau unter die Lupe genommen worden, um sicherzustellen, dass von dem Projekt weder während des Baus noch im langfristigen Betrieb negative Auswirkungen ausgehen. Deshalb will das Unternehmen zahlreiche Maßnahmen ergreifen. So sind zum Beispiel eine besonders insektenfreundliche Art der Beleuchtung, Schutzzäune für Reptilien oder das Anlegen von ökologischen Ausgleichsflächen für versiegelten Boden am Standort vorgesehen.

Hauptbetriebsplan im Internet einsehbar

Die Zulassung des Hauptbetriebsplan, der sehr detaillierte Informationen enthält, im Internet unter: https://www.regierung.oberbayern.bayern.de/mam/dokumente/bereich2/pfv/bergbau/bpv_ohne_foe_oeff/2020/2019-12-12_antrag_hbp_kirchanschoering_gtr.pdf komplett einsehbar ist.

Die Gemeinde Kirchanschöring wollte auch wissen, wie das Wiedereinbringen des Thermalwassers in den Untergrund funktioniert. So erfuhr sie, dass man das Thermalwasser in einem geschlossenen Kreislauf von den Förderbrunnen über die Wärmetauscher in die Injektionsbrunnen leitet. Dadurch wird alles Wasser, welches auf der einen Seite entnommen wird, auf der anderen Seite zurück in die gleiche geologische Formation des Malms geleitet. Die insgesamt entnommene Wassermenge ist dadurch gleich Null. Der natürliche, ungestörte Wasserspiegel in den Brunnen liegt etwa 150 Meter unter der Erdoberfläche. Dadurch fließt Wasser, das von oben in einen der Brunnen eingeleitet wird, von selbst in das Thermalwasserreservoir zurück. Eine Injektionspumpe ist nur sinnvoll oder nötig, falls die Förderbrunnen deutlich leistungsfähiger sind als die Injektionsbrunnen. „Bei den benachbarten Geothermie-Anlagen in Traunreut und Kirchweidach, sowie bei den meisten Anlagen im Münchener Raum ist keine Reinjektionspumpe in Betrieb“, zitierte Birner aus dem Schreiben weiter.

Unter anderem holte Kirchanschöring noch Erkundigungen ein zum Thema „Kurzschließen von Grundwasserstockwerken“. Dazu erklärt das Unternehmen: Das Design der Geothermie-Bohrungen erfüllt das Ziel die unterschiedlichen Grundwasserhorizonte voneinander zu trennen. Es ist von erfahrenen Bohringenieuren nach den Vorgaben der in Deutschland verwendeten Richtlinien erstellt worden und wird von den Bergbehörden sowie von den Wasser- und Umweltbehörden geprüft. Bereits vor Beginn der Tiefbohrung wird ein sogenanntes Standrohr von der Oberfläche bis in den Grundwasserstauer (Anmerkung: Das ist ein gering durchlässiger Boden oder Gesteinskörper, der als hydraulisch wirksame untere Begrenzung des Grundwasserkörpers angesehen werden kann) eingebracht und einzementiert. Dadurch werden die oberflächennahen Grundwasserhorizonte schon vor Eintreffen der großen Bohranlage ausgesperrt. Die Tiefbohrung erfolgt nun durch das Standrohr in mehreren Sektionen, wobei jede Sektion vor dem Weiterbohren ebenfalls verrohrt wird. Dadurch wird verhindert, dass Wasser zwischen den verschiedenen Bereichen zirkuliert. Alle Bohrspülungen oder Zemente, die für die Bohrung verwendet werden, müssen der höchsten Grundwasserschutzklasse 1 entsprechen. Jede verwendete Substanz wird zuvor beim Landesamt für Umwelt einzeln angemeldet, geprüft und genehmigt, versichert die Geothermie Rupertiwinkel GmbH.

caa

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